Mrz 20

Bild: Paul Traeger Photography

Viele werfen der Hochzeitsfotografie vor nichts mit Fotojournalismus zu tun zu haben. Dabei schwappt von Amerika seit einigen Jahren gerade eben dieser Trend nach Europa und immer mehr Kunden wünschen sich eine Reportage der Hochzeit statt einem kleinen Shoot nach der Trauung und zwei Gruppenbildern.
Ein weiterer Trend der dem Fotojournalismus mittlerweile wohl zur absoluten Kernkompetenz eines Fotografen gehört: Die Bilder sind bereits wenige Minuten nach dem Ereignis bei den Agenturen oder auch im Netz, in Bilderpools und Sozialen Netzwerken. Die Digitalisierung und flächendeckende Internet Verfügbarkeit hat Tür und Tor geöffnet für die Geschwindigkeit.
Wie sieht es mit der Geschwindigkeit durch die Digitalisierung in der Hochzeitsfotografie aus?

Das beginnt direkt bei den Anfragen der Brautpaare. Mails sollten so schnell wie möglich beantwortet werden, gerne auch kurz mit dem Verweis dass man sich später meldet aber der junge Kunde erwartet dass er auch Samstag Abends oder spätestens dann am Sonntag eine Antwort bekommt. Ist der Vertragsabschluss erfolgt wird sich oft über Whatsapp, IMeassage, Facebook und Skype verknüpft und zu jeder Tageszeit ist man erreichbar und zum direkten Antworten „angehalten“.

Der eigentliche Zeitpunkt allerdings ab dem die Geschwindigkeit dann wirklich eine Rolle spielt ist der Hochzeitstag selbst: Jeder Gast hat gefühlt zwei Kameras dabei.. eine im Smartphone und eine kleine digitale Knipse oder er hat einfach seine ganze Hobby-Fotoausrüstung mitgebracht die dem Equipment des Fotografen in nichts nachsteht. Jetzt beginnt ein wirklicher Kampf: Gerade junge Gäste tendieren dazu die komplette Hochzeit mit einer eigenen Reportage zu begleiten anstatt die Momente zu genießen. Hinzu kommt dass der Dienstleister mittlerweile regelrecht behindert wird bei seiner Arbeit durch die schiere Anzahl an digitaler Fototechnik auf einer Hochzeit.  Hier dazu ein paar ausgewählte Beispiele aus der Amerikanischen Hochzeitsfotografen Gruppe „Shoot and Share“:

Bild: Vorschlag für eine sogenannte „unplugged Wedding“
Quelle: Facebook – „Shoot and Share“

 

Die Fotografin schlägt hier vor Brautpaare dazu zu ermutigen eine sogenannte „unplugged wedding“ zu feiern. Eine Hochzeit die ohne Smartphones, Tablets und andere Kameratechnik seitens der Gäste begleitet wird. In Deutschland noch nicht sehr verbreitet erfreut sich sich allerdings in Amerika bereits großer Beliebtheit um den Fokus einer Hochzeit neu auszurichten. Das ist ein Weg für uns Hochzeitsfotografen mit unserer Leistung exklusiv zu bleiben.

Das eigentliche Problem entsteht allerdings für den Fotografen in dem Moment in dem Gäste beginnen diese Fotos direkt in sozialen Netzwerken zu teilen. Sie nehmen quasi eine vereinfachte Version unserer Arbeit als Hochzeitsfotografen vorweg mit zunehmend besserer Qualität und in einer Geschwindigkeit mit der wir einfach nicht mithalten können. Diese vorweggenommenen veröffentlichten Bilder mindern den Wert unserer eigenen Veröffentlichungen. Welche Trends und Lösungsansätze gibt es um dieser Problematik zu begegnen? Auch dazu hier ein Beispiel aus der letzten Hochzeitssaison:

Bild: Facebook – „Shoot and Share“ Gruppe

Bild: Facebook – „Shoot and Share“ Gruppe

Eine zweite Möglichkeit die ich auch selber in meinem Unternehmen nutze ist die „Same-Day-Slideshow“. Eine kleine Präsentation von ca. 20-30 Bildern die vom Fotografen während des Essens vorbereitet wird abseits der Hochzeitsgesellschaft. Da Hochzeitsreportagen meist von zwei Fotografen durchgeführt werden kann sich einer zurückziehen und die Slideshow vorbereiten. Dieser Ansatz hat mehrere positive Effekte: Der erste ist offensichtlich. Eine gelungene Überraschung für das Brautpaar und die Gäste. Sie sehen Bilder der Hochzeit aus einer anderen Perspektive, professionell aufbereitet und ausgewählt. Momente in denen die Gäste nicht dabei waren – ein kleiner „WOW -Effekt“. Ich persönlich zeige die Diashow immer erst dem Brautpaar allein damit sie diese genießen können und falls nötig auch Bilder daraus entfernen können wenn das gewünscht wird.

Bild: Paul Traeger Photography

Der zweite Vorteil ist ein ganz entscheidender aus Marketing Sicht: Die Gäste sehen die Arbeit des Fotografen und verknüpfen die Ergebnisse mit seinem Auftreten und seiner Person. Dank digitaler Technik eine tolle Möglichkeit einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen! Denn meisten Folgeaufträge entstehen durch Gäste die auf der Hochzeit waren. Eine weiterführende Idee in dieser Hinsicht ist es auch mobile Geräte und Online Galerien mit einzubeziehen in dieses Konzept. So nutzt das Amerikanische Fotografenpaar Amy und Jordan Demos neben der Slideshow auf dem Laptop das Ipad um zusätzliche Möglichkeiten der Interaktion mit dem Content zu schaffen. Sie schreibt in diesem Beitrag dass die Braut auf dem Display „rumgewischt, gezoomt und die Bilder herumgereicht“ hat. Also ein weitaus höheres Level an aktiver Auseinandersetzung mit dem Produkt.
Das Shoot and Share Modell bietet uns Fotografen auch die Möglichkeit die fertigen Bilder dem Brautpaar und so vielen Gästen wie möglich zur Verfügung zu stellen, indem sie eine Online Galerie entwickelt haben die auch auf dem Smartphone sowie auf dem Tablet und Laptop erreichbar sind. Kunden können die Bilder auch auf ihre Smartphones herunterladen um sie auch abrufen zu können wenn sie keine Verbindung ins Internet haben sollten.

Hochzeitsfotografen aus aller Welt versuchen im Puls der Zeit zu arbeiten und trotzdem Qualität abzuliefern die Smartphones (noch) nicht  möglich ist.  😉

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