colorless.gifts


mentale krisen – und das digital!

lego, lego, krisen.pr-stratego, die zweite!

On: März 14th, 2011 at 04:43 | In: krisen.pr,public relations

strategische antworten auf krisen zu systematisieren ist und war ziel von colorless gifts. und um diesem anspruch endlich gerecht zu werden, ist es notwendig, eine letzte brücke zwischen theorie und praxis zu schlagen. in anlehnung an coombs wurden hier ja bereits mehrere strategische optionen in krisenzeiten diskutiert, nun sollen sie auch explizit mit krisenakteuren verknüpft werden. und zwar mit denen, die auf dieser seite zur sprache kamen – von blippy bis zu guttenberg. was ist für diesen zweck schon geeigneter als ein mindmap? wohl nicht viel! und gerade deshalb spricht auch die untenstehende grafik für sich.

happy hippy blippy!

On: März 14th, 2011 at 02:27 | In: krisen.pr,public relations

wer kennt es nicht: ist einem der name zu einer sache nicht bekannt, geht der vorhang auf, das kopfkino an und plötzlich kann man sich tausend sachen vorstellen. also, probieren wir das doch einfach mal flugs aus. blippy, blippy! mmmh. klingt ein bisschen kitschig, vielleicht sogar auch mehr als nur ein bisschen. ja, retro ist auch dabei. es könnte bunt sein – quietschgelb, pornopink, weiß der geier, was noch. bionade litschi – bionade blippy. das fruchtig feuchte für die lippen. aber nein, weit gefehlt. denn “der name des dienstes erinnert nicht zufällig an das geräusch einer supermarktkasse: blip steht im englischen für einen piepston” – so heißt es nämlich in königs gläserner abrechnung, zu lesen auf sueddeutsche.de. anstatt bionade litschi sind wohl eher lauschangriff und street view nachbarn in blippys wortwelt. den eigenen kassenbon ins schaufenster halten – das ist quasi das ur-us-amerikanische grundprinzip, dem blippy nacheifert. kapitalismus 2.0 oder höher – hauptsache man dreht schön den swag auf. jenseits des atlantiks kann das junge start-up zwar einen gewissen buzz vorweisen, hierzulande kriegt es dafür das all-in-one-krisen-pr-dauer-abo frei haus. datenschutz-aktivisten stehen bereits jetzt schon schlange – und das sicherlich nicht, um blip-blip im kaufland zu hören und dann via android zu checken, dass max mustermann seine sonntagsbrötchen nicht mit der guten k-klassic, sondern mit der teureren kerrygold schmiert. so weit, so gut. fazit: blippy und krisen ziehen sich jedenfalls an wie boris becker, hinterzimmer und dunkelhäutige frauen.
kein wunder, dass der erste krisenfall auch nicht lange auf sich warten ließ. schwubsdiwubs waren gleich nach ende der beta-testphase von blippy kreditkarteninfos googlebar. und trotzdem jungunternehmen in der regel mehr schlecht als recht auf krisenhaftes vorbereitet sind, hat blippy kommunikativ keinen schiffbruch erlitten. wieso nur nicht? weil blippy es eben teilweise geschafft hat, online passende micro- und macro-antworten auf die krise zu geben. so sehen es zumindest friedrich und pohlmann von der hamburger marketing-agentur mavens. micro steht hierbei für one-to-one-kommunikation in form von e-mail oder twitter; macro für das one-to-many-pendant – zum beispiel pressemitteilungen auf der eigenen homepage. neben einer ausführlichen schilderung der situation, die umgehend erfolgen sollte, hat blippy auf seinem hauseigenen blog ansätze zum sensibleren umgang mit sensitivem angeboten. zu beginn läuft nun mal nicht alles picobello und so hätte das schuldeingeständnis und die entschuldigung lauter ausfallen können. vielleicht ja dann beim nächsten mal!
social crm process (quelle: © 2010 chess media group)

blinde passagiere bei british airways!

On: März 13th, 2011 at 20:59 | In: entstehung,krisen,krisen.pr,public relations

itsy bitsy bug! eine bettwanze ist gerade einmal zehn quadratmilliminimeter groß – wenn überhaupt – also ziemlich klein, macht oho und beißt frauen schon mal leidenschaftlich gerne in den poho! ach was, wirklich? jajaja, das tun sie, diese ungezogenen ungeziefer! und wem die rötungen auf dem schnappschuss weiter unten eine spur zu rosa erscheinen, der kann sich selbst unter ba-bites.com reinziehen, wieviele wanzenbisse eine einzelne frau auf dem flug von london nach bangalore und zurück sammeln kann. zane selkirk, produktmanagerin bei yahoo, fiel jedenfalls fast vom glauben als sie an sich hunderte ausmachen konnte. an bonusmeilen geizen wie sau, aber duty-free-mäßig eine wanze nach der anderen durch die sitze verscherbeln – das haben wir gern. dementsprechend gern hatten dann wohl auch die wanzen das sitzfleisch. und so kam schließlich eins zum anderen bzw. british airways zu ihrer krise – made by internet!
die dramaturgie um das scheißehäufchen auf die britische fluggesellschaft, zumindest auf ihre reputation, ließe sich vielleicht wie folgt nachkonstruieren: frau nimmt dienstleistung in anspruch – frau bekommt wanzige extras mit auf den weg, die sie nicht geordert hatte und die ganz nebenbei ihren körper verunstalten – frau ist unzufrieden mit dem dienstleistungsanbieter – frau beschwert sich – die servicekräfte des dienstleistungsanbieters kümmern sich dämmlicherweise einen feuchten kehrricht um das anliegen – frau ist mittlerweile mehr als unzufrieden – frau erstellt eine internetseite, medienwirksames fotomatrial inklusive – die medien beißen an – die pr-menschen beim dienstleistungsanbieter denken letztlich: au weia! – nichtsdestotrotz halten letztere den ball flach und nicht nur den – die medien beißen nun fester zu – viel viel zu spät desinfiziert der dienstleistungsanbieter eines seiner flugzeuge und bietet sogar der frau ein bisschen geld an, um freunde zu bleiben. zur rollenbesetzung ist anzufügen, dass die frau möglichst medienaffin und flugerprobt sein sollte. das steigert authenzität und virale verbreitungschancen gleichermaßen. eine anstellung bei einem internet-riesen wie yahoo schadet da zum beispiel nicht; eine professionelle website mit personifizierender kurz-vita und social media-konnektivität ebensowenig.
british airways hat zwar die krise nicht beim schopf gepackt, aber wie das hätte aussehen können, beschreibt forthmann über pr-professionell.de. da fallen begriffe wie web monitioring, was auch erst kürzlich bei schulze zur sprache kam, wie kundenerwartung, wie engagement. na ja, chance vertan. wenn aber nach dem blinden passagier vor dem blinden passagier ist, kriegt heathrows airline nummer eins vielleicht ja noch seine zweite.
back ticket (quelle: © 2011 ba bites!)

hello! my name is fliplife!

On: März 8th, 2011 at 14:20 | In: digitale kommunikation,facebook,online.pr,public relations

war anfang februar bei förderland.de noch zu lesen, dass united prototype (up) weitere gelder für ihr social game fliplife locker machen konnte, muss man für ihr dezent peinliches crowd sourcing-projekt zur namensgebung ein wenig weiter in der zeit zurückgehen. am besten lassen wir mal den juni 2010 sein kleines comeback auf einem kalenderblatt feiern, denn zu diesem zeitpunkt wusste man bei up nämlich noch nicht, wie man das gute social game eigentlich nennen sollte. kein name – kein problem! einfach mal online kreative potenziale anzapfen. irgendein gescheiter name wird sich schließlich schon finden, den man dem kind dann geben kann. also, was wurde gemacht? wohl mit ein bisschen open innovation- und lead user-gedöns im hinterkopf hat sich up bei facebook direkt an seine fans gewandt – per gewinnspiel. und damit feucht-fröhliche lippenbewegungen der muse keinen seltenheitswert haben, wurde an preisen nahezu das halbe apple-sortiment ausgelobt. macbook pro, iphone 4, ipad – halleluja! was ungefähr heißt: up hat keine kosten und mühen gescheut. nun ja. 14 tage und 1.000 namensvorschläge später stand jedenfalls fest, dass das baby fortan unter den namen fliplife firmiert. komisch war nur, dass es keine gewinner gab, keine schnieken stylo-preise mehr und die verlosung plötzlich ein wettbewerb war. “wie bitte!?!”, dachten sich wohl einige teilnehmer. und das nicht zu unrecht, da up dämmlicherweise auch noch ihre e-mail-adressen rechtswidrig veröffentlicht hatte. erbost zeigten sich die inzwischen ehemaligen fans; up wiederum gelobte besserung. passiert ist aber nichts. stattdessen änderte sich ups tonfall von einsichtigen entschuldigungen über rechtfertigungen à la fliplife sei wortkreation eines mitarbeiters bis hin zur angriffslustigen androhung von rechtlichen schritten via e-mail. traurig ist jedenfalls, dass ibrahim evsan – mitgründer von sevenload und gleichzeitig ceo des teilweise auch mit softporn dealenden up-hauses – eigentlich ein vordenker in sachen social media ist. in einem interview mit mavridis von der uni bamberg – zeitpunkt mai 2010, sprich ein monat vor wettbewerbsbeginn – assoziiert evsan pr noch mit “kontaktpflege”, dialogen und datenschutz. quasi mit dem ganzen paket an grunig-grunig-und-dozier-pr-exzellenz-weisheiten. und dennoch bleibt nicht viel später vor lauter pr-expertise menschliche kompetenz auf der strecke. wer teilnehmern eine verlosung anpreist, sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass diese dann an einen wettbewerb denken. geschweige denn zorning werden, wenn letztere nun mal nicht zu so semantischen sprüngen fähig sind wie up.

teldafax – fehl am platz!

On: März 7th, 2011 at 15:57 | In: krisen.pr,public relations

“den kopf in den sand zu stecken, also abwarten, wegschauen und nichts kommentieren” – so beschreibt geisel über pr-blogger.de die alles andere als zeitgemäße vogel-strauß-taktik, die nichtsdestotrotz online zum einsatz kommt als wäre sie eben doch noch nicht von gestern. die bahn tat es bereits auf gleis facebook und gerade tut teldafax so als würden nur klugscheißer und besserwisser aus den fehlern anderer lernen. “ziert euch nicht so! macht die fehler lieber selber – dann ist der lerneffekt umso größer!”, hätte ein dalai lama wohl den kommunikationsexperten von teldafax geraten, würde er sich für krisen-pr interessieren. macht er zwar nicht, aber zu viel egoismus ist eben auch nicht gut. und so könnte teldafax tatsächlich – uneigennützig wie der deutsche stromanbieter nun mal ist – “in die marketing-lehrbücher eingehen” und als anti-paradebeispiel anderen entitäten mit seichten social media-gelüsten altruistisch den arsch retten, zumindest kann sich knüwer das vorstellen.
unter dem begriff “teldafax” könnte in naher zukunft also etwa folgendes zu lesen sein: steckt ihr unternehmen zufällig wegen zahlungsunfähigkeit in schwierigkeiten? ist ihr serviceteam maßlos mit kundenanfragen überfordert? gehört ihr unternehmen einer branche an – zum beispiel dem energiesektor – deren “sozialreputationswerte” konstant im keller hausen (eisenegger, 2005: 98)? dann überlegen sie sich bitte zweimal, ob sie facebook als push-medium für unternehmensfreundliche propaganda instrumentalisieren wollen!
ein treffendes fazit dazu, allgemein und speziell zu teldafax, liefert sulzmann auf seiner seite medientrainerblog.de: “bevor sich ein unternehmen auf die social media-kommunikation einlässt, sollte es sich überlegen, ob sich seine produkte vermitteln und verteidigen lassen. gelingt das schon außerhalb des social webs nicht, sollte das marketing noch mal hand an der produktpolitik anlegen.“ ansonsten könnte es unangenehmes feedback hageln, wie es sulzmanns untenstehender screenshot nur zu gut verdeutlicht.
screenshot der teldafax-fanseite (quelle: © 2011 medientrainerblog.de)
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eisenegger, m. (2005). reputation in der mediengesellschaft: konstitution – issues monitoring – issues management. wiesbaden: vs.

mitgehangen, mitgefangen

On: Februar 18th, 2011 at 17:57 | In: digitale kommunikation,youtube

umso mehr negativität, desto besser. umso mehr polarisierung, desto besser. journalismus mit breitenwirkung – wie er leibt und lebt. da passt es nun mal eben nicht ins bild, dass geodienste wie telefonbuch.de im abfotografieren von hauswänden, gartenflächen und co. weiter wären als google – die alte datenkrake. völlig unvorstellbar! alleine deswegen wohl auch schon nicht wahr und absolut unwürdig für die hochglanzseite. nein, nein und nochmals nein! niemals nicht! setzt man das ganze szenario in den blog-immanenten krisenkontext und stellt sich vielleicht die daltons als typische krisenwichte vor, könnte man meinen, die drei kleineren und weitaus cleveren brüder zögen jedes mal im windschatten vom blöden avarell ungeschoren davon. wohl eine nette vorstellung für manchen krisenmanager – außer man arbeitet ausgerechnet beim branchenprimus. dennoch bleibt die frage, ob das auch so stimmt. im aktuellen diskurs um zu guttenbergs wissenschaftliche eigenleistung, siehe hier, verliert man vor lauter polarisierung schnell aus den augen, dass die universität bayreuth wohl auch noch mit großen kellen ihr summa cum laude-süppchen auszulöffeln hat. um ihren abo-verkauf anzukurbeln, offline aber auch online via gif-animation, hat die neue zürcher zeitung sich gleich selbst das prädikat summa cum laude der bayerischen universität verliehen, wie untenstehende grafik zeigt. turnusgemäß dem motto: uns direkt und ohne nennung zitieren, dafür aber ganz alleine den summa cum laude einstreichen? so nicht, herr zu guttenberg! spaß auf kosten der universität machen aktuell auch zahlreiche besucher bei youtube. dort existiert nämlich ein video – mit keinem geringeren als unserem verteidigungsminister, das mit mannigfachen argumenten versucht, studienanfänger gleichweise für jura und bayreuth zu begeistern. „besuchen Sie die „plagiats-uni“ in bayreuth! bei uns haben sie ein optimales betreuungsverhältnis, engagierte dozenten und professoren, die sie nicht hängen lassen.“ beiträge wie dieser vom youtube-user tschitschi126 stellen wohl alles andere – nur nicht das gewünschte feedback auf den image-film dar. unter anderem wurde das einbetten auf anfrage mittlerweile schon deaktiviert. ungeschoren kommt somit wohl auch der etwas kleinere dalton hier nicht weg.
nzzas (quelle: © 2011 NZZ)

zu guttenberg unter wissenschaftlicher wiki-lupe!

On: Februar 18th, 2011 at 12:15 | In: entstehung,krisen

hier und da hat man es bereits gesehen. und man sieht es immer und immer öfters: grüppchenbildung im netz. rasant, schier unaufhaltsam, gerichtet gegen moralisch verwerfliches, sittenstrolche und banditen geistigen eigentums. gerade in der wissenschaft gehört es ja nicht zum guten ton, sich mit fremden federn zu schmücken. spielt man also einen schiefen ton, in anderen worten, usurpiert man heimlich fremde zeilen, ist das geheule nachher dementsprechend groß. derzeit kann deutschlands polit-umfragehoch-faktor in person ein liedchen davon singen. zu guttenberg – trotz csu-mitgliedschaft eigentlich immerfort mit persil-weißer weste unterwegs – wird nämlich von einer wiki-community, dem guttenplag-wiki, streng in die mangel genommen. im sinne der integrität des deutschen doktortitels prüfen dort etliche verteidiger wissenschaftlicher vorgehensweisen zu guttenbergs doktorarbeit auf herz und nieren. via meedia.de beschreibt becker kurz und triftig die evolution des untersuchungsausschusses im netz: „der ursprung des wikis liegt in einem google-docs-Dokument, dass plagdoc gestern angelegt hatte, um gemeinschaftlich die doktorarbeit nach plagiaten zu durchsuchen. mit weit mehr als hundert ständigen betrachtern war das google-doc-dokument allerdings schnell überlastet, und der oder die admistrator/in baute deshalb das wiki auf.“ den rotstift anzusetzen, kommt in mode – ob aus wissenschaftlicher motivation heraus oder mit viel banaleren dingen im hintergrund. wer suchet, der findet. und wem das lächeln des sonnyboys aus fränkischem adelsgeschlecht schon seit tag eins zu breit ausfällt, der suchet nun mal eben. gestern attestierte baugirdis unserem verteidiungsminister in amt und ehren noch eine gewisse schlafmützigkeit in bezug auf digitales pr-gedöns, heute hat letzterer nun erstmal bekannt gegeben, vorerst auf seinen doktortitel zu verzichten. zumindest die inhaltliche positionierung scheint einheitlicher als gestern noch. verantwortung verpflichtet eben. so ist auch bereits eine aktuelle stellungnahme auf der privaten homepage des ministers zu finden. warten wir mal ab, inwieweit sich das ganze demnächst noch weiter im online-kommunikationsapparat widerspiegeln wird.

vodafone lauert in kairo!

On: Februar 10th, 2011 at 11:54 | In: krisen.pr,public relations

anno 1993 entstand unter der regie von graeme clifford die us-japanische koproduktion „der tod lauert in kairo“. nicht gerade ein achilles, der in die ewigkeit eingehen wird, aber bei einem kurzen blick auf den plot wird man auch nicht gleich seine seele verlieren. also, die story en bref: johny – von beruf gerissener anti-moralist mit eskapistischen sehnsüchten – hat eine mille zur seite gelegt, aber seiner frau bessie kein sterbenswörtchen davon erzählt. stattdessen glaubt die trauernde, ihr ehrenvoller mann wäre bei einem flugzeugabsturz ums leben gekommen. als sie dann aber selbst nach ägypten reisen muss – wegen sterbensurkunde und so – fliegt der schwindel allmählich auf. und so weiter und so fort.
nun ja, da es gerade in ägypten mal wieder streng nach schwindel riecht, könnte man sich fragen, wie viel johny in vodafone steckt oder vice versa. wenn plötzlich, wie aus heiterem himmel, wie in der nacht zum 28. januar eine ganze nation vom informationsmedium nummer eins abgeklemmt wird, sollte man genauso wenig an zufall glauben wie generell an den weihnachtsmann. „die aktion ist beispiellos in der geschichte des internets“, kommentierte ferguson mit einem recht unguten bauchgefühl via pr-inside.com. ähnlich restriktiv schieße der arabische staat auch auf das mobilfunknetz. in der diktatur sind nun mal keine demokratischen windmühlen gefragt. und ganz besonders keine, die versammlungen gegen das regime wind in die segel pusten! das wusste hitler damals, mubarak heute.
zensur als folge staatlicher benimmdiktate? lobby-aktionismus? „wenn unternehmen zu handlagern des staates werden oder sich der macht beugen, geht das meist nicht gut aus“, heißt es bei schulze, dasselbe beispiel betreffend. auf der social media-tapete twitter sei bereits die gallische lücke im demokratieverständnis von vodafone eines der heißesten gesprächsthemen. und es scheint so, als hätte man bei vodafone den schuss noch nicht gehört! ein mehr als mickriges online-statement verrät die argumentationslinie des mobilfunkbetreibers: „it has been clear to us that there were no legal or practical options open to vodafone, or any of the mobile operators in egypt, but to comply with the demands of the authorities.“ beruft man sich auf undemokratische gesetzgebungen, ist es auch kein wunder, dass demokratisches handeln – simpel und schlicht – illegalität umfasst. bei den derzeitig heftig in der kritik stehenden pro-mubarak-mailings hat vodafone dann gleich noch mal copy-paste-mäßig seine rechtlich korrekte linie betont. gutes bewährt sich eben. oder mit weniger ironie: corporate irresponsibility.
inwieweit vodafone als unternehmen auf dem ägyptischen markt überhaupt demokratisch handlungsfähig ist, soll hier nicht genauer untersucht werden. zentraler wiegt viel mehr, dass vodafone kommunikativ geschlafen hat. zielgruppenanalyse und -bedürfnisse – what the hell? besonders das junge ägypten juckt es wohl kaum, ob die 160 zeichen voller propaganda nun juristisch einwandfrei waren oder nicht. sogar google – wohl alles andere als die mutter teresa des web – zeigt engagement für ägypten in sachen twitter per telefon. aber vielleicht will vodafone heute einfach nicht mehr ägyptens mobilfunkanbieter von morgen sein.

cardiff store (quelle: © 2009 vodafone uk)

journalisten als marke

On: Januar 23rd, 2011 at 22:31 | In: entstehung,krisen

sixtus, gutjahr, niggemeier – wer sich in der deutschen blogosphäre heimisch fühlt, dürfte wohl schon das ein oder andere mal über diese multiplikatoren gestolpert sein. beispielsweise bei der aktuellen diskussion um die einführung von leistungsschutzrechten für verlage, in der zuletzt niggemeier gegen das ökonomische grundverständnis hubert burdas wetterte. einfluss haben bedeutet in diesem sinne nichts anderes als die virale verbreitung von meinung. und gerade die many-to-many-infrastruktur des web 4.0 nivelliert tradierte machtgefälle, die es den medien einst erlaubt hatten, issues nach eigenem ermessen zu polarisieren. heute haben sich media opinion leader emanzipiert. journalisten der marke gutjahr, deren blogs mit twitter, facebook und youtube, siehe unten, verzahnt sind, pushen ihre inhalte per social media effect auf die begehrtesten positionen bei google. einem vortrag der medienjournalistin ulrike langer folgend sei es nämlich die mehrfache streuung von inhalten via facebook, twitter und co., die inhalte zu großer aufmerksamkeit führen.
zusammenfassend lässt sich sagen, wer krisen in der entstehung auf der spur sein will, sollte es tunlichst vermeiden, die blogs renommierter journalisten nicht zu scouten.

ubs.ala

On: Januar 11th, 2011 at 23:52 | In: digitale kommunikation,online.pr,public relations,youtube

das hat sich wohl auch die schweizer großbank ubs gedacht. suprime-krise, dann steueraffären, die fast den rechtsstaat der alpenrepublik gekippt hätten und jetzt kommt auch noch greenpeace. wenn autofreie städte wie zermatt oder saas-fee das sinnbild für mediale ruhe abgeben würden, dann läge das zürcher hauptgebäude der ubs mitten im gotthard-tunnel. ohne licht an beiden enden. na ja, wer geschäfte mit dem indonesischen palmölproduzenten sinar mas macht, sollte sich nicht wundern, wenn eines tages greenpeace vor der tür steht. und wie greenpeace unternehmen angreift, hat forthmann erst kürzlich über pr-professional.de in die welt posaunt – eben am beispiel der ubs.
aus welcher motivation heraus die analyse der social media-kampagane gegen den bankenriesen erfolgte, soll hier nun nicht weiter ins gewicht fallen. interessanter ist die gestaltung der kampagne selbst. die zutaten: emotionen à la rtl 2, dass sachliche gegenargumente nicht mehr greifen. ein hauch provokation, so dass „juristische keulen“ als streisand-effekte enden. ein paar bilder, denn wie das auge so ist, isst es natürlich mit. videoabfallschnipsel gibt es sowieso mehr als genug. kostengünstige youtube-clips – also null problemo! dann braucht es eigentlich nur noch einen bitterbösen „goliath“, zum beispiel ubs, und fertig ist der molotow-cocktail für jede pr.abteilung.
der argumentation folgend, vergisst man schnell, dass es hier eigentlich nicht um demagogische hetze, sondern um einen guten zweck geht, nämlich um den erhalt des regenwalds. mit wasser gekocht, wird nun mal auf beiden seiten.