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Kommunikation

Für das Verständnis digitaler Kommunikation ist zunächst ein Grundriss über den Begriff Kommunikation vonnöten. Kommunikationswissenschaftler haben in den letzten Jahrzehnten Modelle ausgearbeitet, welche den Prozess zu beschreiben versuchen. Viele Modelle unterscheiden noch einmal zwischen interpersoneller Kommunikation und Massenkommunikation.

Für den Zweck dieses Lernprojekts werde ich drei Kommunikationsmodelle besonders beachten und als Grundlage, bzw. Verweis für die Erörterung der vielen Unterthematiken nutzen. Namentlich handelt es sich um das Sender-Empfänger Modell von Shannon & Weaver, das Vier-Seiten-Modell von Friedemann Schulz von Thun und das Feldschema der Massenkommunikation von Gerhard Maletzke.

 

Sender-Empfänger Modell

Claude Shannon und Warren Weaver entwickelten als Mathematiker in den 40er Jahren ein Modell, welches ursprünglich die Übermittlung von Informationen zwischen, bzw. durch Geräte beschreiben soll. Elementar sind dabei die beiden Akteure „Sender“ und „Empfänger“. Der Sender gibt seine Botschaft an ein Sendegerät ein, welches jene kodiert. Über den benötigten Kanal wird diese kodierte Botschaft als Signal weitergeleitet an das Gerät des Empfängers, welches die Botschaft dekodiert und schließlich an den Empfänger ausgibt. Am Beispiel einer computervermittelten Kommunikation wäre zwei Rechner die Geräte, Kodierung erfolgte u.A. durch Umschreiben in Netzwerkpakete aus Bits und Kanal wären die Netzwerkkabel, bzw. Netzwerkknoten.

Diese ursprünglich technisch gedachte Formel lässt sich jedoch noch weiter interpretieren: So kann etwa Sprache als ein Element der Kodierung interpersoneller Kommunikation betrachtet werden. Auch das Kommunizieren in Metaphern, welche bestimmten Kulturkreisen zuzuordnen sind, kann eine Kodierung der Botschaft darstellen. Notwendig zur Dekodierung sind dann die entsprechenden soziologischen Kenntnisse. In den unterschiedlichen Stufen der Kommunikation ist der Prozess weiter für Störungen anfällig. Nach Shannon und Weaver ist die Kommunikation dann erfolgreich, wenn beim Empfänger dieselbe Nachricht ankommt, welche der Sender abgeschickt hat. [vgl. Shannon & Weaver 1998]

 

Vier-Seiten Modell

Friedemann Schulz von Thun erschuf aus psychologischen und sprachtheoretischen Erkenntnissen das Vier-Seiten, alternativ Vier-Ohren Modell. Es widmet sich dem Verständnis interpersoneller Kommunikation. Nach dem Vier-Seiten Modell kann jede Botschaft auf vier Ebenen betrachtet, bzw. „gehört“ werden:

  • Sachebene
  • Beziehungsebene
  • Selbstoffenbarung
  • Appellebene

Ein einfacher Satz kann somit aus unterschiedlichen Blickwinkeln interpretiert, bzw. wahrgenommen werden. Als Beispiel könnte man die einfache Aussage „Wir haben keinen Zucker mehr.“ anführen. Während die Sachebene offensichtlich ist, kann auf der Appellebene die Botschaft „kauf bitte bei der nächsten Gelegenheit Zucker ein“ mitgehört werden. Zwangsläufig ergibt sich die Möglichkeit, dass die dominante(n) Ebene(n) aus Sicht der beteiligten Parteien der Kommunikation nicht identisch sind. Fehlinterpretationen wären ein klassisches Ergebnis von Botschaften, welcher auf unterschiedlichen Ebenen betrachtet werden. Für dieses Projekt ist die Existenz dieses Modells von Bedeutung, da bei digitaler Kommunikation jene Ebenen als Interpretationsmuster menschlicher Kommunikation bestehen bleiben. Da jedoch häufig Kommunikationsmittel wie Intonation oder Mimik bei digitaler Kommunikation nicht zur Verfügung stehen, werden diese zunehmend in der digitalen Welt ersetzt, etwa durch die Verwendung von Smileys als Botschafter von Stimmungen. [vgl. Schulz von Thun 1963]

 

Feldschema der Massenkommunikation

Da in diesem Lernprojekt intensiv moderne Massenkommunikation betrachtet wird, sei zuletzt ein Modell von Gerhard Maletzke vorgestellt. Der Kommunikationswissenschaftler und Psychologe erweiterte im Jahr 1963 das technische Modell von Shannon & Weaver um zusätzliche Faktoren, um sowohl den technischen als auch psycho- sowie soziologischen Faktoren im Prozess der Massenkommunikation gerecht zu werden. Auch dem Kanal, bzw. Medium gesteht er individuelle Einflussgrößen auf die Kommunikation zu. [vgl. Maletzke 1963] Während das Feldschema für die praktische, wissenschaftliche Forschungsarbeit herausfordernd sein mag, erscheint es mir für das theoretische Verständnis des massenmedialen Kommunikationsprozesses recht geeignet.

„Feldmodell der Massenkommunikation“ von Martin Assmann. Abgerufen auf Wikipedia, Datei veröffentlicht unter „Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen Deutschland
in Version 2.0 (abgekürzt „CC-by-sa 2.0/de“). Rechtsverbindlicher Lizenzvertrag siehe Creative Commons.

 

Abschließend sei für den geneigten Leser zudem auf die Laswell-Formel verwiesen: Harold Dwight Laswell veröffentlichte im gleichen Jahr wie Shannon und Weaver die nach ihm benannte Formel „Wer sagt was in welchem Kanal zu wem mit welchem Effekt?“. Die meisten angesprochenen Dimensionen von Kommunikation entsprechen denen des Sender-Empfänger Modells, werden jedoch um eine Effektdimension erweitert. Hierdurch kann die Laswell-Formel als prägnante Zusammenfassung moderner, kommunikationswissenschaftlicher Forschungsfelder dienen: Kommunikatorforschung (wer), Medieninhaltsforschung (was), Medienanalyse (Kanal), Rezipientenforschung (zu wem) und Medienwirkungsforschung (mit welchem Effekt). Politische Kommunikation in der digitalen Welt kann und muss durch die Augen jedes dieser Forschungsfelder betrachtet werden.

 

Quellen:

  • Laswell, Harold D.: The Structure and Function of Communication in Society. In: Bryson, Lyman (Hrsg.), The Communication of Ideas. A Series of Addresses. New York: Rowman & Littlefield, 1964.
  • Maletzke, Gerhard: Psychologie der Massenkommunikation. Neudr., Hamburg: Hans-Bredow-Inst. für Rundfunk und Fernsehen, 1978.
  • Shannon, Claude E. / Weaver, Warren: The Mathematical Theory of Communication. 1.Aufl., Urbana, Illinois: University of Illinois Press, 1949.
  • Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander reden: 1 Störungen und Klärungen. 52. Aufl., Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2015.
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