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Eine Gefahr, über die wir reden müssen

In anderen Artikeln habe ich es bereits angedeutet: Wenn wir über das Digitale Netz als Basis für Politische Kommunikation reden wollen, kommen wir nicht umhin, uns seine Eigenschaften näher anschauen zu müssen. Eine dieser Eigenschaften liegt seiner technischen Funktionsweise zugrunde und muss aufgrund seiner besonderen Bedeutung separat angesprochen werden. Ich rede von Datenspuren unserer Kommunikation und deren maschinellen Sammel- und Auswertbarkeit. Und dem, auf was uns einst Edward Snowden aufmerksam machte.

Wenn wir das Internet nutzen, wird unsere Kommunikation per Datenpakete an eine weltweite Serverinfrastruktur weitergeleitet. In diesen Paketen sind immer Informationen über uns als Absender, den Computer, den wir benutzen und unseren geografischen Standort enthalten. Die meisten Pakete passieren Knotenpunkte, ähnlich dem analogen Straßennetz. Und sie können ausgelesen werden. Der aktuell wohl berühmteste Akteur in diesem Spiel ist die National Security Agency (NSA), ein Geheimdienst der USA. Jene Agency besitzt und erweitert die Fähigkeiten,  global nahezu alle Datenströmen auslesen und speichern zu können. Konkret bedeutet dies, dass sie theoretisch von jedem Menschen, der über das Internet Aktivitäten ausübt, das „Protokoll“ besitzen.

Mittels analytischer Verfahren -Big Data ist das Stichwort für Google- sind jene Akteure in der Lage, Netzwerkprofile den dazugehörigen, realen Menschen zuzuordnen. Bei Bedarf können sich über Verbindungsanalysen daher nicht nur das Surf- und Kommunikationsverhaltens eines Menschen, sondern auch sein soziales Umfeld konstruieren lassen. Diese Daten werden erhoben und mittlerweile auch gespeichert, vornehmlich auf alle Zeiten. Somit ergibt sich die Lage, dass ein oder mehrere Geheimdienst(e) in absehbarer Zeit über alle Verbindungsdaten gesamter, menschlicher Leben verfügen. Eine anschauliche Darstellung in Videoform gibt es u.a. hier. William Binney und Edward Snowden sind zudem dankbare Namen für Youtube oder Google – für alle, die sich weiter dafür interessieren. In der Mediathek des verlinkten Chaos Computer Clubs finden sich ebenfalls zusätzliche, spannende Vorträge. (Und wer es ganz genau wissen will, kann mich gerne darauf ansprechen.)

Die Implikationen dieser Tatsache sind enorm: In den falschen Händen können solche Fähigkeiten potentiell zu einer nahezu allumfassenden Überwachungmaschine ausarten, etwa Diktatoren Tür und Tor öffnen – oder kleine, elitäre Zirkel hervorbringen, welche hinter den Vorhängen der Öffentlichkeit zu beträchtlichem Einfluss gelangen können. Weder möchte ich mich der Interpretation mancher anschließen, dass „wir bereits total überwacht werden und nie wieder frei sein werden“. Noch möchte ich diese Tatsachen verdrängen und weiter mein Leben führen, als hätte ich nie etwas gehört. Stattdessen möchte ich hierüber erneut darauf hinweisen, dass dieses Thema weiter existiert und noch in keinster Weise zu Ende diskutiert wurde. Und dass wir diesem Umstand immer im Hinterkopf behalten müssen, wenn wir über Chancen, Risiken und Eigenschaften der Digitalen Welt reden.

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