Lange habe ich mich gefragt, wie es am besten klappen kann, mit dem Bloggen. Es soll ja auch ein ansehnliches E-Portfolio daraus entstehen. Das wirft zunächst aber eine Reihe von Fragen, die einen u.U. auch am Sinn der ganzen Unternehmung zweifeln lassen.

Ist der Blog mein E-Portfolio?

Ich denke nein. Für mich ist ein E-Portfolio ein digital geführtes Profil der eigenen Kompetenzen. Ein Blog ist damit nur Teil eines E-Portfolios, der vor allem Auskunft über die eigenen Fähigkeiten zur (Selbst-) Reflektion gibt.
Muss das E-Portfolio öffentlich geführt werden?

Ich denke ja. Das Profil der eigenen Kompetenzen ist dazu da, um andere Menschen auf einen aufmerksam zu machen und sie von den eigenen Kompetenzen zu überzeugen. Da reicht es offenbar nicht, die digitalen Artefakte des eigenen Könnens auf dem heimischen PC zu sammeln und gelegentlich, auf ein kleines „Silberscheibchen“ gebannt, einem möglichen Arbeitgeber zu zeigen. Statt dessen bietet sich die weite Welt des Internet an, und hier neben vielen anderen Diensten das WWW.

Was gehört denn nun alles zum E-Portfolio?

Ich verstehe das E-Portfolio als die Summe der eigenen, im Web sichtbaren Aktivitäten. Angesichts der aktuellen Debatte um die Konsequenzen eines niemals vergessenden Webs könnte man freilich auch meinen, dass das E-Portfolio als die Summe aller im Web hinterlassenen Spuren anzusehen ist. Das schlösse dann auch Informationen ein, die andere über einen öffentlich kommunizieren. Welche der beiden Auffassungen sich durchsetzen wird, zeigt sicher erst die Zukunft, wenn die Menschheit gelernt hat, dass im großen weiten Web auch gefälschte oder nicht autorisierte „Informationen“ kursieren.

Welche Artefakte das E-Portfolio enthalten sollte, hängt meiner Meinung nach ganz stark von den eigenen Absichten, z.B. hinsichtlich des zukünftigen Jobs ab. Sicher brauchen alle, die gefunden werden wollen, eine digitale Visitenkarte, also eine digitale Darstellung der Kontaktinformationen. Darüber hinausgehende Informationen werden dann aber stark variieren. Der Maschinenbauer wird möglicherweise seine Kompetenzen zur computerunterstützten Modellierung kommunizieren wollen, der Informatiker unter Umständen seine Kompetenzen zur Gestaltung komplexer Softwarearchitekturen. Ein Kommunikationswissenschaftler, insbesondere wenn er eine Tätigkeit im Kommunikations- und Medienbereich anstrebt, sollte statt dessen seine Kompetenzen in der webbasierten Kommunikation darstellen. Dazu gehört neben der Gestaltung von Webseiten und Printprodukten eben auch das Führen von Blogs und vielleicht sogar die Erstellung von Podcasts.

Wozu soll man (einen) Blog(s) führen?

Mit einem Blog kommuniziert man sicher vornehmlich die Fähigkeit zur (Selbst-)Reflektion, indem man sich in den Beiträgen mit eigenen Erfahrungen, aber auch mit Erfahrungen, Erkenntnissen und Ansichten anderer Personen (kritisch) auseinander setzt.

Mit einem Blog kann man aber auch die Fähigkeit zur strukturierten Lösung von Problemen kommunizieren, wie sie etwa im Projektmanagement vorkommen.

Ich selbst benutze den Blog, um Ideen zu entwickeln und reifen zu lassen. Besonders bedeutsam ist hierbei in frühzeitiges Feedback von außen. Deshalb neige ich dazu, nicht nur fertige Gedanken zu posten, sondern auch Gedankensplitter (vielen Dank an P. Baumgartner für diesen äußerst treffenden Begriff).

Vor allem im Kontext des computerunterstützten Lehrens und Lernens kann der Blog die Funktion des Lerntagebuchs übernehmen und so zum zentralen Bestandteil eines selbstgesteuerten Lernprozesses werden.

Soll man einen oder viele Blogs führen?

Ich denke, dass es vor allem im hochschulischen Kontext auf mehrere, wenn nicht sogar viele Blogs hinausläuft. Dafür sprechen aus meiner Sicht vor allem zwei Gründe.

  1. Die Mitglieder von Hochschulen agieren immer wieder in neuen Handlungskontexten. In der Regel fordern mehrere Fächer gleichzeitig die eigene Aufmerksamkeit. Das ließe sich in einem Blog mit mehreren Kategorien problemlos organisieren. Was aber, wenn man nicht nur auf sich gestellt, sondern in ein Team eingebunden ist und womöglich als „Autorenkollektiv“ publizieren muss? Dann hätte man über kurz oder lang „die ganze Welt“ als Autor im eigenen Blog. Besser scheint mir da ein Projektblog zu sein, wie er gelegentlich auch im aktuellen Durchlauf im Fach Elektronische Dokumente zu finden ist.
  2. Mitglieder von Hochschulen agieren gleichzeitig in mehreren Rollen. Sie sind gleichzeitig Privatperson, Student und /oder Dozent, Teammitglied oder Teamchef, … In diesen Rollen können sie durchaus unterschiedlichen Auffassungen entwickeln, die – in nur einem Blog geäußert – ein erhebliches Maß an Verwirrung stiften könnten. Mehrere Blogs unterstützen also die Kongruenz von Kommunikationsprozessen.

Wie passen mehrere Blogs in ein E-Portfolio?

Wenn schon das Führen eines Weblogs erheblich viel Zeit beansprucht, wie ist es dann mit mehreren Blogs? Eigentlich nicht anders. Natürlich sollen mehrere Blogs nicht dazu genutzt werden, um Informationen über parallele Kanäle zu verbreiten. Blogbeiträge sollten also nicht kopiert, sondern – wenn erforderlich – vernetzt werden (Stichwort Pingback). Natürlich wird es auch so sein, dass nicht alle Blogs bis zum Ende aller Tage weitergeführt werden. Wenn es nichts Neues über ein (erfolgreich) abgeschlossenes Projekt zu berichten gibt, dann muss man nicht um des Bloggens willen neue Posts erzwingen. „Die Zeit“ verwendet hierfür eine – wie ich finde – sehr nette Idee: Den Blog-Friedhof. Diese Idee ist die ideale Ergänzung für das E-Portfolio, wobei keinesfalls vom „Friedhof“ die Rede sein muss. „Hall of Fame“, „Panoptikum“, … es gibt so viele Möglichkeiten, der eigenen Arbeit die Ehre zu erweisen.

Ist es sinnvoll, jemanden zum Führen von Weblogs oder E-Portfolios zu verpflichten?

Diese Frage wurde offenbar auf der diesjährigen Learntec-Konferenz aufgeworfen. Meine Meinung dazu finde ich in einem Kommentar und einer sich darauf beziehenden Antwort zum Beitrag „Du hast ein Blog!? Ist das nicht riesige Zeitverschwendung?“ von H. Städtler wieder. Der Punkt ist letztlich nicht die Verordnung des Blogs, sondern die Zweckmäßigkeit seines Einsatzes. Diesbezüglich unterscheidet sich das Bloggen als Teil eines didaktischen Szenarios nicht von anderen didaktischen Methoden: Kinder oder Schüler, denen nicht der unschätzbare Wert des Bücherlesens nahe gebracht wurde, werden durch die Pflichtlektüre in der Schule sicher nicht zu Leseratten.

Eine zweite, mit der obigen Frage im Zusammenhang stehende Erkenntnis ergab sich übrigens erst durch den Zwang zum Führen eines Blogs: Man kann als Dozent nicht das Führen eines öffentlichen Blogs verordnen. Wie wir im Fach „Elektronische Dokumente“ mit dieser Erkenntnis umgehen, kann im Tutorblog und sogar in diesem Blog nachgelesen werden.



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