An der TU Ilmenau wird seit mehreren Jahren der Einsatz von E-Portfolios in der universitären Lehre erprobt. Kernstück der Bemühungen war das Führen sogenannter E-Portfilo-Blogs. Schnell zeigte sich, dass der Einsatz von E-Portfolios nicht besonders gut skaliert. Was in Kursen mit Seminargruppenstärke (30 Teilnehmer) gut funktioniert, entwickelt sich bei Kursen für eine ganze Matrikel (100 Studierende und mehr) schnell zum Problem. Deshalb wurden gleichzeitig Möglichkeiten der gegenseitigen Bewertung (Peer-Assessment) erprobt.

In mehreren Durchgängen kristallisierte sich folgendes Bewertungsschema als sinnvoller Maßstab heraus (Erklärung der Kriterien per MouseOver-Effekt):

Bewertungsschema für E-Portfolio-Blogs, Stand Wintersemester 2010/2011

Reflexion
Das Kriterium der Reflexion ist erfüllt, wenn der Lernende sich seiner Lernsituation bewusst ist und diese gestaltet: Der Beitrag berücksichtigt typische Orientierungsfragen und dokumentiert das klare Verständnis des Autors für seinen Bearbeitungsstand sowie klare Vorstellungen zum weiteren Vorgehen.
Zielerreichung
Was habe ich/haben wir im Projekt bisher erreicht? Was haben wir/habe ich im Projekt bisher nicht erreicht?
Aktueller Stand
Wo stehe ich/stehen wir heute?
Planung
Was sollen meine/unsere nächsten Schritte sein? Was muss sich an meiner/an unserer Arbeit ändern (noch verbessern)?
Lernkontext
Inwieweit stimmt der Lernkontext? Welche Vorschläge zur Anpassung der Rahmenbedingungen gibt es?
Themenbezug
Das Kriterium Themenbezug ist gegeben, wenn der Beitragsinhalt (Bilder, Texte etc.) thematisch und in Bezug auf die Zielgruppe relevant ist: Die Intention des Beitrags ist klar erkennbar, d.h. der Beitrag besitzt eine klare Botschaft. Es wird deutlich, weshalb spezielle Punkte ausführlicher als andere behandelt werden. Die Beiträge sind verständlich geschrieben. Sie sind also stringent und schlüssig argumentiert sowie folgerichtig (sachlogisch). Die Texte sind akkurat und bringen den Inhalt auf den Punkt (prägnant), sie sind sprachlich und orthografisch korrekt.
Relevanz
deutliche thematische Relevanz für die Zielgruppe
Akzentuierung
gut begründete Akzentuierung spezieller Punkte
Stringenz und Prägnanz
Schlüssigkeit und Stringenz der Argumentation sowie Prägnanz der Ausführungen
Korrektheit
Ausgewogenheit und Korrektheit der Argumentation
Einordnung
Das Kriterium Einordnung beurteilt die Verortung und Fundierung des Beitrags: Der zu bewertende Beitrag verortet sich im thematischen Diskurs (außerhalb der eigenen Learning Community). Er stellt eine Beziehung zu den Arbeiten anderer, insbesondere außerhalb der Learning Community her, dokumentiert dies durch entsprechende Referenzierungen (z.B. Verlinkung oder zitierte Printliteratur) und verdeutlicht die Bedeutung für den eigenen Erkenntnisgewinn. Er unterstützt die theoretische Fundierung des Diskurses in der eigenen Learning Community.
Related Work
thematische Auseinandersetzung mit vergleichbaren/relevanten Beiträgen von Autoren (außerhalb der eigenen Learning Community)
Referenzierung
Verweis auf externe Quelle/n (Literaturangabe, Verlinkung)
Theoretische Fundierung
Aufgreifen von Anregungen für die theoretische Fundierung des Diskurses, insbesondere durch Abstraktion und Modellierung
Theorieentwicklung
Unterstützung der Theorie- und Methodenentwicklung durch Anregungen zur Weiterentwicklung von Theorien und Methoden
Kollaboration
Mit dem Kriterium der Kollaboration wird beurteilt, wie sich die Zusammenarbeit gestaltet: Der zu bewertende Beitrag setzt sich themenspezifisch mit Äußerungen aus der eigenen Learning Community auseinander, dokumentiert dies durch Pingbacks und verdeutlicht die Bedeutung für den eigenen Erkenntnisgewinn. Er unterstützt die Kollaboration durch Angebote zur weiterführenden Auseinandersetzung mit dem eigenen Beitrag (Diskussionsangebote, Umfragen etc.). Zum einen wird die Bedeutsamkeit der inhaltlichen Darstellung für den eigenen Lernkontext und zum anderen die Bedeutsamkeit der inhaltlichen Darstellung für die Learning Community aufgezeigt.
Kommentarbezug
thematische Auseinandersetzung mit Kommentaren aus der Learning Community
Beitragsbezug
Thematische Auseinandersetzung mit Beiträgen in der eigenen Learning Community
Bezugnahme
Unterstreichung der Bezugnahme durch das Setzen von (community-internen) Pingbacks
Diskursangebote
Anregungen für die Beschäftigung mit dem eigenen Beitrag, d.h. Diskussionsangebote, (Mini-) Umfragen
Medienintegration
Das Kriterium der Medienintegration beurteilt den kompetenten Medieneinsatz nach dem Bonus/Malus-Prinzip: Bonuspunkte können erreicht werden für die Integration von Illustrationen/ Abbildungen und multimedialen Elementen wie Videos, Audios und Animationen, z.B. über andere Dienste (Embed-Code von YouTube, Flickr etc.). Mit Maluspunkten werden Verletzungen von Verwertungs-, Schutz- und Markenrechten Dritter sowie der Verstoß gegen das Gebot der Impressumspflicht „geahndet“.
(+) Multimedialität
Multimodales bzw. multikodales Beitragsmaterial
(+) Medienwahl
Medienwahl ist angemessen (Mehrwert gegenüber reinem Text)
(+) Arbeitsresultate
(Fotografische) Wiedergabe der Ergebnisse aus Präsenzphasen der Gruppenarbeit (Poster o.ä.)
(+) Eigene Medien
Medieneinsatz mit selbst erstelltem, redaktionell aufbereitetem Inhalt
(-) Fehlendes Impressum
Fehlender bzw. unkorrekter Hinweis auf den Inhaltsverantwortlichen
(-) Fehlender Quellennachweis
Fehlender Hinweis auf Herkunft der integrierten Medien
(-) Fehlender Verwendungsnachweis
Quellenangabe vorhanden, aber Erlaubnis zur Verwendung nicht nachgewiesen
(-) Fehlender Basisbezug
Eigene Darstellungen auf der Basis anderer Darstellungen nicht als solche kenntlich gemacht

(Bewertungsschema E-Portfolio-Blogs auf eigener Seite anzeigen.)

Die Entwicklung des Bewertungsschemas ist noch nicht abgeschlossen. Insbesondere differenziert es noch nicht ausreichend zwischen der unmittelbaren Bewertung einzelner Beiträge und der zusammenfassenden Bewertung des E-Portfolio-Blogs.



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