Die Lehrevaluationsergebnisse für die von mir im SS 2013 betreuten Praktika „Strukturierung multimedialer Informationen“ und „Multimedia-Tools“ sind da. Nach einem sonnenreichen Urlaub ist das genau die richtige „Aufmunterung“, um wieder im Alltag anzukommen.

Was lerne ich daraus?

  1. Die Studis bemängeln, dass sie sich Wissen im Selbststudium aneignen müssen. Sieht so aus, als hätte ich mein sekundäres Lehrziel erreicht. Wünschenswert wäre, wenn die Studis dieses Lernergebnis aus verinnerlichen würden: Uni-Studium, egal welcher Fachrichtung, bedeutet vor allem das „Lernen zu lernen“!
  2. Viele Studis kritisieren die Sinnfälligkeit der gestellten Praktikumsaufgaben. Verwiesen wurde vor allem auf die im SMI-Praktikum umzusetzende Binäruhr. Ich denke, dass man hier durchaus noch andere Themen ins Auge fassen könnten. Natürlich sollten sie einigermaßen leicht zu bearbeiten sein, gleichzeitig sollte die Lösung nicht zu offenkundig sein. Bei allem Für und Wider denke ich, dass die Binäruhr genau diese Anforderungen erfüllt hat und als Teil eines Webangebots zu „Kunst am Bau“ in der TU Ilmenau durchaus eine Bereicherung darstellen würde. Deutlich wird mir durch den Kritikpunkt aber auch, dass den Studis offenbar nach wie vor unklar ist, wieso sie diese Fächer überhaupt hatten. Eine anschauliche Einordnung in das erwartete Qualifikationsprofil und damit auch eine Abgrenzung zu den Berufsanforderungen für Informatiker wäre sicher hilfreich.
  3. Die Studis haben Angst vor mir, vor allem wenn sie unvorbereitet waren oder sich vom Thema überfordert fühlten. Na, dann habe ich ja nicht alles falsch gemacht. (Edit 15.08.2013: Natürlich ist die Verbreitung von Angst insgesamt nicht hilfreichaus didaktischen Gründen äußerst bedenklich. Dennoch stehe ich dazu, dass die Studis sich unbehaglich fühlen sollen, wenn sie sich nicht peinlichst genau auf das Praktikum vorbereitet haben.) Völlig berechtigt ist andererseits aber auch der Einwand: „Der Ton macht die Musik.“ Ich sollte mich wieder mehr damit beschäftigen, Kritik angemessen zu äußern.
  4. Die Studis bemängeln, dass gute Leistungen im Gegenzug nicht gewürdigt werden. Ja, an meiner Fähigkeit, positiv zu kommunizieren, muss ich nach wie vor arbeiten. Dies kristallisiert sich immer mehr als Lebensaufgabe heraus.
  5. Die Arbeitsatmosphäre leidet unter der negativ besetzten Stimmung im Raum. Ich sollte in Erwägung ziehen, die Quizes zur Praktikumsvorbereitung außerhalb des Praktikumsraumes zu veranstalten – so wie es zu meinen Studienzeiten üblich war. Edit 15.08.2013: Vielleicht wäre es auch eine Option, die Diskussion der Vorbereitungsaufgaben vortragsartig anzugehen und so den Diskurs innerhalb der Praktikumssitzung zu fördern. Dann bleibt lediglich das Trittbrettfahrer-Problem zu lösen. Auch in diesem Jahr haben sich wieder viele Studierende unter Verweis auf die arbeitsteilige Bearbeitung der Praktikumsaufgaben auf die Kompetenz der Leistungsträger in ihrem Team verlassen. Das Lernziel ist und bleibt ganz klar, dass jede(r) Studierende die Funktionsweise von Markup Languages verstanden hat und mindestens auf die Gestaltung von Webseiten anwenden kann. Natürlich könnte man auch auf die Arbeit in Teams zu je 4 Studierenden verzichten. Aber spiegelt das die Lebenswirklichkeit in der späteren Arbeitswelt wieder? Erst recht mag ich mir den damit verbundenen, steigenden Bewertungsaufwand gar nicht vorstellen.
  6. 20 Leute pro Sitzung, eingeteilt in 4 Teams zu je 4 Leuten, sind für eine sinnvolle Betreuung durch einen Dozenten zu viel. Der offizielle Ansatz mit 15 Leuten pro Sitzung wird da nicht viel besser abschneiden. Ideal wäre natürlich, wenn man bei solch einen projektorientierten Lehr-/Lernszenario nicht mehr als 2 Teams pro Sitzung zu betreuen hätte. Das würde aber völlig andere Anforderungen an die für Lehre und Studium zur Verfügung gestellten Mittel stellen – liebe Politik: hier bist Du gefragt!.

Fazit: Die Richtung stimmt. Es geht um die Feinjustierung.

In diesem Sinne hoffe ich auf einen verbesserten nächsten Durchlauf des Kurses.

Die Auswertungen im Original



7 Responses to “Lehrevaluation Sommersemester 2013”

  1.   Maggy Schwarz Says:

    Mein Favorit: „Die Studis haben Angst vor mir… Na, dann habe ich ja nicht alles falsch gemacht“
    Ich finde es gut das Sie die Auswertung veröffentlichen und reflektieren. *thumbs up

    [Antwort]

  2.   Peter U. Says:

    >>Bei allem Für und Wider denke ich, dass die Binäruhr genau diese Anforderungen erfüllt hat und als Teil eines Webangebots zu “Kunst am Bau” in der TU Ilmenau durchaus eine Bereicherung darstellen würde<<

    Dazu würde allerdings eine der vielen Lösungen ausreichen. Wäre/Würde wenigstens (noch) ein Ergebnis tatsächlich online gestellt, gäbe es für uns Studis wenigstens das Gefühl, nicht stundenlang völlig sinnlos für die Schublade gearbeitet zu haben. Eine Möglichkeit, inhaltlich&technisch gute Seiten tatsächlich mit Hilfe der Uni ohne viel Mehraufwand (eventuell für Bonuspunkte?) zu hosten, könnte motivationssteigernd wirken. Beim PR-Pitch/generell den Anwendungsbereichen ist das ja schon sehr viel besser gelöst.

    Eine Auswahl von Themen und die Möglichkeit, selbst ein Thema zu finden (wie z.B. bei der ersten SMI-Aufgabe und pro forma [muss aber mehr unterstützt werden!] beim MMT-Projekt) wäre für jeden Teilbereich motivierend.

    Ich persönlich werde das im nächsten Anlauf MMT versuchen und hoffe dabei auf ausreichende Unterstützung von Herrn Werner in Form eines Anforderungskatalogs und/oder Beratungen.

    Ich hoffe, das war konstruktiv.

    [Antwort]

    Profilbild von Gunther Kreuzberger

    Gunther Kreuzberger Antwort vom August 14th, 2013 16:23:

    Danke für das rasche Feedback.

    Sicher würde eine Lösung ausreichen. Die Einschätzung einer „sinnlosen Arbeit für die Schublade“ teile ich nicht. Das 2. SMI-Praktikum war mit klarem Fokus auf die MM-Tools-Praktika gestellt worden. Wenn die Aufgaben in MM-Tools erfüllt wurden, dann hat das 2. Praktikum seine Pflicht erfüllt. Wenn Maschinenbau-Studenten ein Zahnrad konstruieren sollen, dann sicher nicht, weil das Zahntrad noch erfunden werden muss, sondern weil sie lernen sollen, wie man konstruiert.
    Haben Sie konkrete Themenanregungen für den nächsten SMI-Durchlauf?

    G. Kreuzberger.

    [Antwort]

    Peter U. Antwort vom August 14th, 2013 18:32:

    Bezüglich des JS-Praktikum: Ich bin vorhin zufällig über http://forum.pokefans.net/nintendo-emulation-hackroms/topic31167.html gestolpert, vielleicht wäre da ja als Thema eine (beliebige, frei wählbare) Modifikation von einem vorhanden Spiel möglich? Die Bewertung könnte dann nach Sinn und Umsetzung des jeweiligen Moduls (Kampf, Tausch, Bewegung…) erfolgen und gemeinsam mit mehreren unabhängig arbeitenden Gruppen ein größeres Projekt realisiert werden, welches veröffentlicht und (im Rahmen eines MMT-Praktikums?) von einer kleineren Gruppe auf einer fertigen Website online gestellt werden könnte. Auch die X3D-Arbeit hat ja leider keinen praktischen Nutzen.

    Den Umgang mit den Werkzeugen zu lernen muss natürlich im Mittelpunkt Ihrer Lehrveranstaltungen stehen, aber wer sagt denn, dass die Ergebnisse nicht trotzdem nutzbar gemacht werden können? Mich würde das motivieren.

    Für MMT habe ich mir einige Gedanken gemacht, die (imho) einen Mehrwert zum reinen Beweis der Lernfähigkeit darstellen. Diese hier zu erklären würde wohl den Rahmen sprengen. Zu Themenvorschlägen für MMT sollte ich mich an Herrn Werner wenden, oder doch an Sie?

    [Antwort]

    Profilbild von Gunther Kreuzberger

    Gunther Kreuzberger Antwort vom August 15th, 2013 10:08:

    Die Programmierung von Spielen oder Spielemods ist tatsächlich etwas, was uns bei der Planung der beiden Praktika im Hinterkopf schwebt und für das 3. FS im Fach „Virtuelle Welten und digitale Spiele“ vorgesehen ist. In SMI und MM-Tools sollten dafür erste Grundlagen gelegt werden.
    Der von Ihnen angesprochene Punkt des „… Umgangs mit den Werkzeugen …“ ist ein Kulturstreit, den wir ggf. mal an anderer Stelle vertiefen sollten. Wäre es in den Praktika wirklich um den Umgang mit den Werkzeugen gegangen, hätten wir einzelne Werkzeuge viel länger thematisieren müssen. An der Uni geht es in erster Linie darum, den Studierenden Anregungen zur individuellen Wissensvertiefung anzubieten. Wer sich also von der Anregung zur Gestaltung von Webseiten angesprochen fühlt, sollte danach eigenständig an der Vertiefung seiner Kompetenzen (und am kompetenten Umgang mit den Werkzeugen) arbeiten.
    Ihre Gedanken bzgl. des MM-Tools-Praktikums sollten Sie an Herrn Werner schicken. Gern können Sie mich ins CC setzen.

  3.   Anonymous Says:

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie all die Gegebenheiten richtig interpretiert haben oder teils sogar bewusst ausgelassen haben, um nur die lächerlichen Fakten herauszukristallisieren.
    Fangen wir einmal beim Nachdenken über den Punkt 6 an.
    6. Die Anzahl ist sicherlich ein politisches Problem der internen Uni-Strukturen, aber von Betreuung kann beim Warten von ca. 1h 15min nicht die Rede sein. Sicherlich kann man Beispiele von einer Arztpraxis oder jeglichen ähnlichen Einrichtung mit heranziehen, aber das wäre dem Problem fremd. Es gibt in anderen Studiengängen für eben solche Sachen teamorientierte Termine, wobei beide Seiten mit dem Thema vertraut sind. Um nicht den folgenden Punkt 5 vorwegzunehmen, möchte ich nun überleiten zu diesem.
    5. Die Arbeitsatmosphäre wird geschaffen durch den Betreuer, der nun mal Sie waren. !Leider! sind wir teils gut vorbereitet in die Unterhaltungen gegangen, um durch „Keine Antworten“ und „Nur Gegenfragen“ mit einem Unterton der Belanglosigkeit unseres Dasein gestraft zu werden. Was haben übrigens ein Quiz mit der Atmosphäre denn zu tun? Die Treffen waren im Prinzip keine Abklärung der Möglichkeiten und Eingrenzung mancher weit ausschweifender endlicher Probleme, sondern eher die Unterhaltung mit dem Echo, welches meine Sätze als Fragen formuliert.
    Beispiel: Würde Sie lieber diese oder jene Umsetzungsmöglichkeit sehen? Konter: Wie empfinden Sie die Umsetzungen?
    Oder wenn wir die Idee anhand von Einschränkungen der Leistungsfähigkeit von gewissen Lösungen nicht umsetzen konnten, haben Sie auf der zuerst angedachten Umsetzung beharrt, auch wenn diese nicht möglich war. Selbst wenn wir eine andere aber etwas abgeänderte präsentieren konnten.

    3. Was für eine Aussage. Ich möchte Ihnen nur mal mitteilen, dass Angst auch ein Grund für das Dasein von psychologischen Auffangstellen ist. Unbehaglichkeit ist sicherlich eine Sache, aber Angst als Form von Terror ist die andere. Eigentlich eher traurig Ihre Aussagen, insbesondere da eine der ersten Sachen im Studium sein sollten, auf Kritik keine Gegenkritik zu äußern. Wenn man noch den Fakt der peinlichst genauen Vorbereitung sieht… Es gibt zu jeder sehr gut vorbereiteten Person (auch Sie) eine Weitere, die noch bessere vorbereitet ist und selbst Ihre Thesen erweitern kann. Aber solch eine Aussage zu äußern ist der einfachste Weg auch wirkliche Probleme die dahinter stehen zu verstecken. Vor allem Ihre Art und Weise der Kommunikation war erniedrigend und in allen Terminen haben Sie selbst nicht eine Aussage getroffen (nur Fragen), sogar einmal mit folgendem Satz geantwortet: „Ich habe genauso wenig Ahnung darüber, betreue das Projekt nicht, überlegen Sie sich was“(Mit einem Unterton den man einfach erleben muss, um ihre Abwertung zu verstehen) Traurig …

    1. und 2. muss ich leider auslassen, da ich hier sicherlich auch eine etwas andere Meinung vertrete und den Sinn noch in Frage stelle.

    Zusammenfassung:
    Kritik bedarf keiner Gegenkritik
    Erst die eigentlichen Probleme bewältigen bevor man sich nur die lächerlichsten herauspickt.

    [Antwort]

    Profilbild von Gunther Kreuzberger

    Gunther Kreuzberger Antwort vom August 22nd, 2013 15:54:

    Liebe(r) Anonymous,

    die zentrale Frage meines Posts war: „Was lerne ich daraus?“. Diese Frage war durchaus ernst gemeint. Beim Durchlesen der vielen verbalen Äußerungen sind die genannten Punkte diejenigen gewesen, an denen mein Nachdenken hängen geblieben ist. Die vielen Beschimpfungen des Dozenten sagen sicher auch einiges aus, regen aber mein nachdenken nicht gerade an, weil sie nur emotionale, aber keineswegs konstruktive und sachliche Äußerungen sind.
    Zum anderen sollte ich vielleicht dazu sagen, dass sich meine Schlussfolgerungen in erster Linie auf SMI beziehen, wo ich auf die Gestaltung des Praktikums noch am besten Einfluss nehmen kann.

    Zu Ihren Einlassungen bzgl. Punkt 6: Wie stellen Sie sich solche teamorientierten Termine denn genau vor? Mir ist an dieser Stelle wichtig, dass ich in der Lehrveranstaltung den Eindruck gewinne, dass jede(r) Studierende den Stoff verstanden hat. Viele Teams in diesem Jahrgang haben mich diesbezüglich sehr enttäuscht, so dass ich ernsthaft überlege, auf eine Teambildung zu verzichten. Kleine Projekte mit persönlicher kreativer Note scheiden dann allerdings aus.

    Zu Ihren Einlassungen bzgl. Punkt 5: Mein zentraler didaktischer Ansatz ist es, die Studierenden zum Nachdenken anzuregen. Insofern kann ich Ihrer Beobachtung, häufig eher wie ein Echo zu wirken, nur zustimmen. Natürlich versuche ich aus dem selben Grund auch immer wieder, die Studierenden herauszufordern, indem ich sie auf einen vermeintlich schwierigeren Lösungsansatz festzunageln versuche.
    Auf die Frage, was ich als Dozent lieber sehen würde, gehe ich grundsätzlich nicht ein, denn es kann gar nicht darum gehen, was der Dozent sehen möchte, sondern wie umfassend der/die Studierende das Gelernte einsetzt, um sich selbst zu verwirklichen.
    Für die Abklärung von Möglichkeiten und Eingrenzungen dient nach meinem Verständnis die Sprechstunde. Zudem gibt es im Moodle-Arbeitsbereich dafür gesonderte Foren, die einfach nicht genutzt wurden. Im Praktikum sollten – nach meiner Vorstellung – die Studierenden wirklich an ihren Projekten praktisch arbeiten. Den in anderen Studiengängen verfolgten Weg, das Praktikum zur Abgabe des Praktikumsergebnisses zu nutzen, habe ich schon vor vielen Jahren verworfen, weil ich dadurch noch weniger in Erfahrung bringen könnte, wieviel die Studierenden wirklich selbst können.

    Zu Ihren Einlassungen bzgl. Punkt 3: Mir ist vor allem ein ernsthafter Schreibfehler aufgefallen, den ich sofort korrigiert habe. Angst ist freilich ein schlechter Begleiter und sollte – wenn irgend möglich – nicht aufkommen. Mit meinem Anteil an dieser Situation werde ich mich gern auseinander setzen. (Offenbar gehört wohl auch dazu, dass ich meine Ehrlichkeit nicht ganz so offenkundig zur Schau stellen sollte. Die von Ihnen zitierte Aussage zu meiner Ahnungslosigkeit bezieht sich ja auf MM-Tools. Dort ist eine Nachbesprechung zur Organisation des Praktikums angedacht, nicht zuletzt aufgrund der Rückmeldungen aus der Praktikumsevaluation.) Deutlich werden sollte aber auch, dass zu einer Kommunikationssituation immer zwei Kommunikationspartner gehören. Aneinander geraten bin ich praktisch nie mit Leuten, die sich auf das Thema wirklich eingelassen und sich reingekniet haben. Das finde ich bemerkenswert.
    Von Ihrer Verwendung des Wortes „Terror“ distanziere ich mich hiermit ausdrücklich und bitte um Unterlassung. Anderenfalls sehe ich mich gezwungen, den Diskurs über den Praktikumsablauf vor der Kommission für unwissenschaftliches Verhalten der TU Ilmenau fortzuführen. Ob Sie dann Recht bekommen, halte ich für fraglich.

    Zu Ihren abschließenden Einlassungen:
    Welche Probleme sind Ihrer Meinung nach „… die eigentlichen Probleme …“?

    Wenn Sie wirklich etwas bewegen wollen, dann lassen Sie uns einen konstruktiven Diskurs führen!

    [Antwort]

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