Nach “unendlich” vielen Studierenden-Beiträgen über den vermeintlichen Unterschied zwischen den Begriffen Digitale Kommunikation und Computervermitelte Kommunikation bin ich durch den Beitrag einer Studentin noch einmal aufgerüttelt und zum Nachdenken angeregt worden. Ins Grübeln gebracht hatte mich ein Beispiel aus der begleitenden Vorlesung im Fach „Digitale Kommunikation“. Darin wurde die – freilich seltsam anzuhörende – Übertragung digital kodierter Informationen über den analogen Broadcast-Weg Radio vorgeführt.

Wie auch immer, durch den Beitrag der Studentin kam mir die Idee, dass beide Begriffe letztlich nur unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe Phänomen werfen, abgesehen mal davon, dass sie in unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen verwendet werden. Die Kommunikationswissenschaft benutzt den Begriff der Computervermittelten Kommunikation (CvK) und thematisiert somit das zur Herstellung von Kommunikation benötigte Kodier-/ Dekodiergerät (Computer bzw. Computernetzwerke). Die Ingenieurwissenschaften und Informatiker sprechen gern von Digitaler Kommunikation und benennen damit die Art der Kodierung. Sie heben die digitalen Codes als Meilenstein heraus, weil damit alle Inhalte auf denselben Satz von Symbolen zurückgeführt und so über ein und denselben Kanal übertragbar werden. Vorher wurden für unterschiedliche Informationsmodalitäten unterschiedliche Codes und dementsprechend dedizierte Kanäle benutzt.

Die Betonung eines bestimmten Kodier-/ Dekodiergerätes macht für Ingenieure letztlich keinen Sinn, weil solche Geräte schon früher immer dann zum Einsatz kamen, wenn (zeitliche und räumliche) Abstände überwunden werden mussten, die größer als die Ko-Präsenz an ein und demselben Ort (Face-to-Face-Kommuniktion) waren. Das Besondere dieser Codes war die Heterogenität und gegenseitige Inkompatibilität. Erst die Idee der Digitalisierung hat einen eleganten Weg eröffnet, um audiovisuelle Kommunikation über weite räumliche und zeitliche Strecken hinweg über ein und denselben Kanal zu ermöglichen. Gleichzeitig hält sie einen Ansatz bereit, wie auch die derzeit noch nicht kommunizierbaren Hinweisreize (Geruch, Haptik etc.) übertragen werden können. Und natürlich können die bereits etablierten Kanäle ebenfalls zur Übertragung digitaler Codes genutzt werden, so dass alle bestehenden Kanäle letztlich ein vielfältiges Kanalgeflecht ergeben.

Das Besondere am Kodier-/ Dekodiergerät Computer ist seine universelle Einsetzbarkeit. Solange es einen Algorithmus gibt, der zu einer gegebenen Information eine binäre Kodierung errechnen kann und ein dazu passender Algorithmus aus dem übertragenen Binärcode die Information hinreichend genau dekodieren kann, wird der Computer als Kodierer/ Dekodierer dafür eingesetzt werden können. Letztlich steckt schon heute in allen digitalen Kommunikationsgeräten ein solcher Computer, so dass man wohl sagen kann, dass das Prinzip der Digitalisierung den Computer als universellen Kodierer/Dekodierer bedingt.

Welchem der beiden Begriffe man den Vorzug gibt, hängt letztlich also von der Perspektive ab, die man in der Argumentation jeweils einnehmen möchte. In diesem Sinne, viel Erfolg beim Kommunizieren digitalisierter Informationen!



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