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Ist es legitim, in einer Lehrveranstaltung von den Studierenden zu verlangen, dass sie einen Blog führen und sich in sozialen Netzwerken anmelden? Zwingt man die Leute damit nicht gegen ihren Willen Informationen von sich preiszugeben?

Diese Frage wird derzeit heiß diskutiert in den neu angelegten Blogs der Teilnehmer am Kurs „Elektronische Dokmente“. Dabei reicht die Spannweite von sehr großer Zustimmung (Link zum Beitrag „Warum ein E-Portfolio?“) bishin zu weitgehender Ablehnung (Kommentare zum Beitrag Informationen und Aufgabenstellung zum Thema E-Portfolios).

 

Aus meiner Sicht als Dozent erfüllt das gegenwärtige „Setting“ das Gebot der informationellen Selbstbestimmung. Wir haben im Vorfeld der Veranstaltung sorgfältig die Chancen und Risiken abgewogen.

Ja, es gibt außer XING noch andere soziale Netzwerke, z.B. LinkedIn, Orkut oder eben Facebook. Es steht allen offen, zusätzlich oder anstelle von XING ein Profil in einem anderen sozialen Netzwerk anzulegen. Zu bedenken ist jedoch, dass Netzwerke wie Orkut oder Facebook eher auf Privatkontakte abzielen. Dementsprechend kann man sich in diesen Netzwerken mit seinem Spitznamen bewegen. Gleichzeitig werden dort aber auch zum Teil sehr persönliche Angaben abgefragt. Netzwerke wie XING und LinkedIn haben sich auf Businesskontakte spezialisiert. Die betreffenden Angaben zur Person beziehen sich deshalb eher auf die eigene Bildung, die bisherige Karriere und das geschäftliche Interesse an Kontakten. Bei diesen sozialen Netzwerken ist es allgemein üblich, sich mit seinem tatsächlichen Namen im Netzwerk zu bewegen – man will ja als reale Person gefunden werden.

Glücklicherweise sind die in den verschiedenen Netzen abgefragten Daten häufig optional. Es ist aber auch klar, dass eine Kontaktsuche gezielter erfolgen kann, wenn spezifischere Daten zur eigenen Person angegeben werden. Wer ein soziales Netzwerk benutzen will, sollte sich deshalb (vorher) genau klar machen, welche Ziele er damit erreichen möchte. Dann fällt es leicht zu entscheiden, welche Daten man preisgibt und welche besser nicht – Selbstbestimmung wird also eigentlich groß geschrieben.

 

Bleibt zu fragen, ob es legitim sei, dass die Anbieter solcher Netzwerke personenbezogene Werbung schalten lassen. Hier bitte ich den Leser/die Leserin, diese Frage für sich selbst zunächst selbst zu entscheiden.

 

Im Zusammenhang mit der Diskussion über die Beteiligung an sozialen Netzwerken waren für mich übrigens zwei Artikel in der ZEIT sehr hilfreich: „Datenklau: ein Deal?“ (im Zeit-Weisslog) und „Das alternative Massenmedium“ (Die ZEIT, Nr. 3/2008). Interessant sind übrigens auch folgende Artikel aus der ZEIT:

Abschließend möchte ich alle ermuntern, sich im konstruktiven Sinne kritisch mit den eingesetzten Social-Software-Diensten auseinanderzusetzen. Kommunizieren Sie Ihre Meinungen! Diskutieren sie mit anderen! Dann leisten Sie einen interessanten und wichtigen Beitrag für die ganze Lehrveranstaltung.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Erfolg.

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