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Es ist mal wieder spät geworden: Vorhin ist nun schon gestern. Jedenfalls hatte ich vorhin ein interessantes Gespräch über Edu-Bloggen, also Bloggen im hochschulischen Kontext.

Eigentlich ging es um das Thema Datenschutz und die Frage, wie man die Studierenden am besten dafür sensibilisiert. Es war sehr gut, sich besonders mit Personen darüber auszutauschen, die dazu eine sehr kritische Haltung haben. Wie gehofft war das Gespräch sehr konstruktiv und wir sind überein gekommen, gemeinsam an der Problematik weiterzuarbeiten und Lösungsvorschläge zu entwickeln, die anderen Dozenten schon während der Planung eines Web 2.0-unterstützten Lernszenarios die Chance geben, gewisse Fallstricke zu umgehen bzw. nutzbringend einzusetzen.Im Verlauf des Gesprächs sind wir dann sehr schnell zu dem Punkt gelangt, dass neben der informationellen Selbstbestimmung auch zahlreiche Fragestellungen mit eher ethisch-moralischer Ausrichtung einer intensiven Diskussion bedürfen. In Zeiten, die es technisch ermöglichen, sich vor der ganzen Welt zu entblößen, müssen die Grundwerte der menschlichen Gemeinschaft völlig neu verhandelt werden. Was darf ich noch sagen in einer Welt, in der jeder „Baustein“ hört und sieht – und nie vergisst, was ich so von mir gebe? Darf auf der anderen Seite alles, was über einen im Web zu finden ist, im Zweifelsfall gegen ihn verwendet werden? Muss ich meine Freunde tatsächlich mit einer Welle von Abmahnungen überrollen, nur weil sie kompromittierende Bilder der letzten gemeinsamen Party ins Netz geladen haben? Ist es nicht legitim, dann zum künftigen Chef zu sagen: „Solange nicht die Qualität meiner Arbeit darunter leidet, geht Sie es gar nichts an, was ich in meiner Freizeit tue!“

Ich finde es gut, dass diese Diskussion jetzt stattfindet, auch wenn es etwas überraschend dazu gekommen ist. Das reale Leben passiert direkt in der Veranstaltung und man selbst ist mittendrin – es gibt keine Person und kein Lehrbuch, auf das man sich stützen kann; statt dessen ist man gezwungen, die Zukunft quasi selbst zu erfinden. Ich wüsste nicht, was mehr „ambitious“ sein könnte. Natürlich muss man sich darauf einlassen, muss ein Stück weit seine eigene Meinung entwickeln und diese auch im (konstruktiven) Streitgespräch verteidigen. Die passive Beobachterrolle wird da letztlich nicht ausreichen. Insofern wünsche ich mir mehr Studierende, die die Vorgaben der Dozenten durchaus kritisch hinterfragen, aber nicht um die Veranstaltung zu zerstören, sondern um die Fallstricke aufzuzeigen. Hierbei sind wir in dem Gespräch vorhin ein riesiges Stück weitergekommen.

Übrigens, die Welt „weiß“ von mir, dass ich offenbar keine Statistik-Vorlesungen halten kann. Zumindest wird das auf MeinProf.DE behauptet. Abmahnungen werde ich deshalb wohl nicht schreiben: wer das Datenmaterial richtig zu deuten weiß, wird schnell auf den Dreh kommen, dass es eigentlich ganz gut ist, wenn sich höchstens vier von etwa 120 Studis schlecht über den Dozenten äußern. Fall Sie wissen wollen, was das Netz über Sie „weiß“, fragen Sie es doch einfach: Yasni.DE weiß es bestimmt.

Lassen Sie sich überraschen!

[Update vom 25.01.2008]: Weitere Personensuchmaschinen sind:

Wie wichtig es ist, sich mit diesen Optionen des Web 2.0 auseinanderzusetzen, zeigt auch folgende Meldung auf HEISE.DE:

Datenschützer: Personen-Suchmaschinen mit deutschem Recht unvereinbar

[Update 25.01.2008] Eben kam eine Mail von einer Kollegin herein, die sich im Rahmen ihrer Promotion mit Fragen der Sicherheit in der Netzwelt beschäftigt. Sie weist auf den Lagebericht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hin. Dort ist zu lesen:

„Web 2.0 – Steigende Ansprüche an Interaktivität und Mobilität
Als Web 2.0 wird der – in diesem Bericht bereits an unterschiedlichen Stellen angesprochene – massive Anstieg der Interaktivität in der virtuellen Welt be zeichnet. Das Internet bietet immer neue Techniken und Dienste, die den direkten Austausch von Informationen ermöglichen. Die Nutzer werden dadurch zu einem immer freizügigeren Umgang mit persönlichen Daten angeregt, etwa in Blogs, auf offenen Webseiten oder in Diskussionsforen. Die Kommunikation
richtet sich dabei in der Regel nicht an klar definierte Zielpersonen, die darin enthaltenen Informationen können daher auch von böswilligen Dritten missbraucht werden. Kriminelle, wie etwa Datenfischer, haben sich auf diese Entwicklung bereits eingestellt: Sie gehen verstärkt individualisiert, mit persönlicher
Anmutung auf ihre Opfer zu und bauen so ein Vertrauensverhältnis auf (Social Engineering), das sie dann zum Ausspionieren privater Daten, etwa Zugangskennwörter für das Online-Banking, missbrauchen. Ein weiterer sicherheitsrelevanter Aspekt der Interaktivität: In Blogs oder Foren ist kaum mehr erkennbar, ob Inhalte nur private Meinungen widerspiegeln oder werbliche
Zwecke verfolgen – auch in Sicherheitsfragen wird dadurch eine seriöse Meinungsbildung zunehmend erschwert.“

„Bildungsmaßnahmen im Bereich der IT-Sicherheit gewinnen jedoch nicht nur im Hinblick auf ältere Bürger an Bedeutung.“

Quelle:
[BSI Lagebericht zur IT Sicherheit, http://www.bsi.bund.de/literat/lagebericht/lagebericht2007.pdf, Seite 47f, Abruf am 24.01.08]

Ich denke, dass wir im Fach „Elektronische Dokumente“ auf dem richtigen Weg sind. Es ist zwar etwas unkonventionell, aber eben angewandt und praktisch – und deshalb past es auch in die AMW.

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