Fraport hebt mit Wiki ab
18 02 2011Heute möchte ich anhand eines Fallbeispiels vorstellen, wie die Einführung eines Wikis in der Praxis aussieht. Als Best Practice Beispiel habe ich das Unternehmen Fraport.
Das Unternehm
en mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Betreibergesellschaft des Flughafens Frankfurt am Main und an weiteren deutschen und ausländischen Flughäfen beteiligt. Mit einem Umsatz von 1.972,6 Mio € (2009) und knapp 20.000 Mitarbeitern zählt Fraport zu den größten Dienstleistern in Deutschland. Verantwortlich für die Leitung der digitalen Mediensysteme bei Fraport ist Helmut Sins. Er war es auch der mit noch ein paar Kollegen 2006 den Entschluss fasste für die Fraport AG ein Unternehmenswiki einzurichten. Das grundsätzliche Interesse holte sich das Unternehmen über eine Unfrage über den Newsletter ein. Die anfängliche Frage war: Wie kann ein Wiki die vorhandene Kommunikationslandschaft optimal ergänzen?
Zuerst wurden die Anforderungen definiert, die das Wiki für das Unternehmen Fraport leisten sollte. Diese lauteten:
- einfache Bedienbarkeit als Voraussetzung für hohe Beteiligung
- eine Benutzeroberfläche, die sich an der Corporate Identity (CI) von Fraport orientiert
- technische Integration in die vorhandene Infrastruktur, insbesondere die Möglichkeit, die Server-Inhalte im eigenen Rechenzentrum zu hosten
- möglichst niedrige Kosten
Anfängliche Startschwierigkeiten
Nach den Anforderungen sollte eine geeignete Wiki-Software gefunden werden. Die Wahl fiel auf Twiki. Das Programm ist speziell für den Einsatz in Unternehmen konzipiert und weist einige gute Referenzen auf. Das Wiki sollte probeweise erst mal in einer kleinen Community getestet werden, um mögliche Probleme vor der eigentlichen Einführung zu erkennen. Dieser Gedanke sollte sich als sehr lobenswert herausstellen, denn nach knapp zwei Monaten schlug das gesamte Projekt fehl und das Wiki wurde vorerst wieder eingestellt. Gründe hierfür waren:
- die englische Sprache, da es Twiki nur auf Englisch gibt
- lange Ladezeiten
- die “Camel-Case-Syntax” führte dazu, dass bei jedem zusammengesetzten Wort mit Großbuchstaben im Wortinnern legte das System automatisch einen Link anlegte
Somit war man nach kurzer Zeit wieder beim Punkt Null. Es stellte sich heraus, dass die Recherche nicht ausreichend genug war, da Twiki hauptsächlich in IT-Unternehmen zum Einsatz kommt.
Aus Fehlern lernt man…
Für den Neuanfang wurde die Wiki-Software durch “Media-Wiki” ersetzt. Gleichzeitig ergänzte das Unternehmen die Anforderungen um folgende Punkte:
- ansprechendes Design
- aktive Anwenderunterstützung
- gute Kommunikation
Besonders viel Wert wurde auf das Design und die O
berfläche des Wikis gelegt. Dabei stellte das Unternehmen eine Problematik von Open-Source-Programmen fest: Es gibt keine Administratoroberfläche, die einen bei der optischen Anpassung unterstützt.
Zu dem Feintuning des Wikis zählte auch ein Logo, welches sich je nach Jahreszeit anpassen lässt, und ein Wikinger-Ehepaar, welches im Comicstil durch die Funktionen führt und Hilfestellungen gibt (siehe Bild).
Zur aktiven Hilfestellungen wurden folgende Kategorien gewählt: Grundlagen, Artikel bearbeiten, Gut zu wissen, Regeln und Leitlinien, Qualitätssicherung, Über Skywiki. Für den eigentlichen Inhalt setze sich das Unternehmen das Ziel 500 Artikel bis zum Start zu erstellen.
Und alle machen mit…
Die Einführung und Erstellung der Inhalte in das Wiki wurde begünstigt durch die Tatsache, dass sich viele Mitarbeiter freiwillig meldeten und Artikel schrieben. Dies sprach sich herum, sodass die angestrebte 500-Marke schnell erreicht wurde und das Wiki als “Skywiki” im Juli 2007 freigeschaltet wurde. Nichts desto trotz wurde zusätzlich internes Marketing in Form von Flyern betrieben um auf das Unternehmenswiki aufmerksam zu machen. Schulungen sorgen ebenfalls dafür, dass die Mitarbeiter gut auf das Wiki vorbereitet werden. Fraport bietet seinen Mitarbeitern auch die Möglichkeit anonym. So werden zusätzliche Hemmungen genommen.
Wiki steht – und nun?…
Mit der Einführung des Wikis bei Fraport ist die Arbeit aber nicht getan. Das Wiki-Team wurde dauerhaft installiert und durch weitere Mitarbeiter ausgebaut. Das Team ist hauptsächlich für die Pflege und Fragen verantwortlich. Auch das Marketing zählt dazu. So wird das Wiki auch mit der Mitarbeiterzeitung verknüpft um noch mehr Mitarbeiter zum Artikel schreiben zu motivieren.
Die Beteiligung wird als hoch eingestuft. Nach einem Jahr stieg die Anzahl der Artikel auf 1200 bei 100 Autoren. Das Unternehmen verzeichnet durchweg positive Resonanz. Das überraschende daran ist, dass nicht nur Mitarbeiter in Büros aktiv sind. Knapp die Hälfte der Mitarbeiter arbeitet bspw. am Vorfeld und nutzen das Wiki über Terminals.
Das Beispiel zeigt, dass die Einführung eines Wikis nicht immer sofort von erfolg gekrönt ist. Je mehr Aufwand betrieben wird, desto größer ist auch die Motivation der Mitarbeiter sich daran zu beteiligen. Auch verdeutlicht das Beispiel, dass die Arbeit nach der Einführung lange nicht getan ist und im besten Fall ein Team eingerichtet wird, welches das Wiki weiterhin betreut.
Eine Liste mit weiteren Unternehmen, die Wikis einsetzen gibt es hier.
[Nächster Beitrag]: Abschließende Zusammenfassung und Fazit mit Reflexion des Themas und des Seminars “Digitale Kommunikation”.
Literatur/Quellen
- http://www.fraport.de/cms/fraport.de/images/logo.gif [Aufgerufen am 17.02.11]
- http://www.computerwoche.de/bild-zoom/1868054/3/477668/d2e761-media [Aufgerufen am 17.02.11]
- http://www.computerwoche.de/karriere/karriere-gehalt/1868054 [Aufgerufen am 17.02.11]
Tags : Anwendungsbereiche, Digitale Kommunikation, Unternehmen, Wiki
Categories : Digitale Kommunikation