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Fazit (2) Digitale Kommunikation der Printzeitungen

Aufgabe und Organisation des Seminars Digitale Kommunikation

Im Rahmen des Seminars Digitale Kommunikation bekam jede Community die folgende konkrete Aufgabe, und zwar „die Erstellung einer Blogreihe“, auf dem die digitale Kommunikation zu einem bestimmten Themenfeld detailliert dargestellt werden sollte. Darüber hinaus sollen die Mitglieder nicht bei der Beschreibung und bei der bloßen Wiedergabe des Kommunikationsprozesses bleiben. Vielmehr sollte die Community einen weiteren Schritt gehen und durch gegenseitige Vergleiche, durch Diskussionen innerhalb der Community die Kommunikationsprozesse kritisieren und gegebenenfalls Verbesserungen vorschlagen.

Unsere Community, bestehend aus sechs Mitgliedern, entschied sich für die digitale Kommunikation von ausgewählten deutschen Printzeitungen). Wir einigten uns auf die digitalen Kommunikationskanäle, auf die Gliederung und auf die Tageszeitungen. Da wir vermuteten, dass Boulevardzeitungen und Qualitätszeitungen aufgrund ihrer Eigenarten und ihrer unterschiedlichen Lesergruppe verschiedene Kommunikationsstrategien verfolgen, entschieden wir uns für drei Qualitätszeitungen (Überregional und Lokal) und drei Boulevardzeitungen (Überregional und Lokal) (siehe Eintrag ‘Wenn Printmedien digitalisiert werden’ )

Die B.Z. innerhalb der Boulevard-Gemeinde

Tina hat die Ergebnisse gebündelt in einer übersichtlichen Tabelle zusammengefasst. Mithilfe dieser Tabelle möchte ich nun einige Schlussfolgerungen bezüglich meiner Tageszeitung, der B.Z., machen.

Quelle: Eintrag "5.2.1 Nur nicht den Überblick verlieren" von Tina. Link: http://blogs.tu-ilmenau.de/tipa/2012/02/24/5-2-1-fazit-nur-nicht-den-uberblick-verlieren/

Die B.Z. gehört zu der Gruppe Boulevardzeitung und ist mit dem EXPRESS eine lokale Tageszeitung. Die B.Z. gilt als „erste deutsche Boulevardzeitung und ist noch heute die auflagenstärkste Lokalzeitung in Berlin mit einem Verkauf von 164.525 Exemplaren (laut IVW, drittes Quartal 2011, Mo-Sa/So).“ Mit Fokus auf den Raum Berlin und Brandenburg berichtet sie täglich Nachrichten, persönliche Geschichten, emotionale Sensationen „ganz im Stile der Boulevard- Zeitung“ (siehe Eintrag ‘Die B.Z. steigt ein’).

Bezüglich der digitalen Kommunikation kann sie einiges vorweisen: So ist sie auf Facebook vertreten, besitzt einen eigenen Twitter-Account und betreibt acht Blogs, die auf der Homepage der Zeitung integriert sind. Foren und Videoplattformen sind nicht vorhanden. Dennoch ist die Qualität dieser Plattformen bei weitem nicht mit den anderen Zeitungen vergleichbar. Auch die Anzahl der Nutzer der digitalen Kommunikationsplattformen ist eher gering. Auf Facebook hat die B.Z. mit einer Fangemeinde von ca. 4000 Fans es sogar schwer, mit dem EXPRESS mitzuhalten. Während BILD und EXPRESS zwar keine Youtube-Plattform aufweisen, dennoch mit beinahe professionellen eigenen Video-Websites punkten können, scheint es, als verzichte die B.Z. ganz auf audiovisuelle Ergänzung. Den Microblog Twitter nutzt die B.Z. wiederum gerne, wenn auch eher als Nachrichtenwand denn als Austauschplattform mit anderen Nutzern. Bezüglich der Blogs kann die B.Z. eine relativ souveräne Zahl von acht Blogs vorweisen, wobei von den acht Blogs nur etwa zwei bis drei Blogs noch regelmäßig aktualisiert werden. Foren wiederum spielen bei der B.Z. überhaupt keine Bedeutung.

Zusammengefasst bin ich der Meinung, dass die B.Z. in Sache digitale Kommunikation noch sehr viel aufzuholen hat. Bei der Betrachtung der einzelnen Plattformen hatte ich eher das Gefühl, dass die B.Z. sich beinahe widerwillig in die Social Networks geschoben hat, ohne wirklich den Mehrwert der einzelnen Plattformen für sich erschlossen zu haben. Vor allem der Austausch oder das In Kontakt treten mit den Lesern und Nutzern findet fast gar nicht statt. Vielmehr dienen diese Plattformen eher dazu, die B.Z. Homepage und die Artikeln auf verschiedene Arten zu werben, sei es auf Facebook, sei es via Twitter.

Boulevardzeitung vs. Qualitätszeitung

Wie am Anfang erwähnt, hatten wir die Vermutung, dass bezüglich der digitalen Kommunikation die Boulevardzeitungen und die Qualitätszeitungen verschiedene Strategien verfolgen. Es ist schwierig, aufgrund von drei Zeitungen einer Gattung eine Verallgemeinerung zu machen. Jede Zeitung steht eher für sich. Trotzdem möchte ich auf einige Aspekte kurz eingehen:

Anfangs vermutete ich, dass Boulevardzeitungen sehr stark auf Social Media vertreten sein würden. Ersten könnten sie durch Social Media- Plattformen in engen Kontakt mit den Lesern treten und sie mehr an ihre Zeitungen binden. Zweitens bieten digitale Plattformen viele Möglichkeiten, Zusatzmaterialien wie Fotos, Videos einzubetten, um sensationelle Themen noch emotionaler zu präsentieren.

Entgegen meiner Vermutung scheint die digitale Kommunikation von Boulevardzeitungen im Gegensatz zu Qualitätszeitungen weniger ausgeprägt. Nur die BILD hat eine ausgeprägte Fangemeinde bei den Social Networks und beim MicroBlog Twitter. Ansonsten hat keine der drei analysierten Boulevard-Zeitungen eine Youtube-Plattform. Blogs werden zum Teil von BILD und B.Z. zwar eingesetzt, jedoch werden sie bezüglich ihrer Qualitäten eher negativ kritisiert. Wer bei den Boulevardzeitungen auf große Diskussionsatmosphäre auf den digitalen Plattformen hofft, wird eher enttäuscht sein. Dagegen bieten die drei Qualitätszeitungen SZ, FAZ und Tagesspiegel grob betrachtet große Spektren von Themen und viele qualitativ hochwertige Diskussionsplattformen.

Überregional vs. Regional

Neben der Aufteilung in Boulevardzeitung vs. Qualitätszeitung haben wir noch eine zweite Einteilung unternommen, und zwar die Einteilung in Überregional (BILD, SZ, FAZ) vs. Regional (B.Z., EXPRESS, Tagesspeigel).

Es fällt auf, dass die überregionalen Zeitungen mit ihrer größeren Reichweite dementsprechend auch eine größere Reichweite in der digitalen Welt haben. Zum Beispiel besitzt BILD eine Facebook-Fangemeinde von 55.000 Fans im Gegensatz zu EXPRESS mit ca. 6.500 Fans oder zu B.Z. gerade mal knapp 4.000 Fans. Die SZ twitter mit 21 Kanälen zu über 65.000 Followers, die FAZ mit stolzen 17 accounts zu einer Follower-Gemeinde von über 35.000 Followers, während der Tagesspiegel sich mit einem Account und ca. 29.000 Followers zufrieden stellt.

Auffällig ist, dass die Diskrepanz in der Qualität der Plattformen und in der Nutzer-Resonanz zwischen den Qualitätszeitungen geringer ist als die zwischen den Boulevardzeitungen.

Fazit (1) Das Arbeiten auf Blogs

Vor nicht allzu langer Zeit, am Anfang des Semesters und des Seminars Digitale Kommunikation, da war ich gespannt auf die Arbeit in einer Community und zur gleichen Zeit überaus skeptisch, was die Tätigkeit mit Blogs angeht. Ich verstand nicht, handelt es sich hier um eine gemeinsam geschriebene Hausarbeit, deren Unterschied lediglich die Tatsache ist, dass man diese Hausarbeit digital schreibt und “abgibt”? Was ist der Mehrwert bei einer “Hausarbeit” auf Blogs? Nach vier Monaten Zusammenarbeit mit meinen Kollegen der Community bin ich auf sehr viele positive Aspekte gekommen.

1. Die Arbeit auf einem Blog ermöglicht eine viel flexiblere Bearbeitung der Artikeln. Zusätzliche Materialien wie Videos, Bilder, Verlinkungen können vielfältig eingefügt werden und sind jederzeit sehr leicht bearbeitbar.

2. Die Arbeit auf einem Blog ist, so ähnlich wie das Bloggen bei den Journalisten, nicht von zu vielen formellen Regeln geleitet. Natürlich ist es sehr wichtig, die Quellen richtig und vollständig hinzuzufügen. Natürlich wird voraussetzt, dass die Inhalte der Einträge dem Thema entsprechen und dass ein gewisser Erkenntnisgewinn entsteht. Doch wenn ich auf einem Blog schreibe, habe ich das Gefühl, nicht allzusehr auf einen wissenschaftlichen Schreibstil, auf die Länge der Beiträge achten zu müssen. Vielmehr gelten hier andere Regel. Es war mir vor allem wichtig, die Informationen richtig und präzise und vor allem auf gut leserischer Weise zu präsentieren. So habe ich stets versucht, die Beiträge nicht zu monoton zu gestalten. Bei langen Beiträgen habe ich diese durch Bilder und Graphiken aufzulockern versucht.

3. Blogs erleichtern durch die Kommentar-Funktionen unmittelbar unter den Einträgen die Interaktion zwischen den Mitgliedern erheblich. Verbesserungsvorschläge, motivierende Kommentare, Diskussionen, Verlinkungen geben der Community überhaupt diesen Wert, als “Community” bezeichnet zu werden. Dieses Community-Arbeiten empfand ich als sehr angenehm. Die Kommentare motivierten mich dazu, ebenfalls Kommentare zurück zu geben und meine Einträge weiterzuschreiben.

Zusammenfassend kann ich sogar sagen, dass das “Hausarbeit”- Schreiben auf einem Blog und innerhalb einer Community mir zuweilen sogar Spaß gemacht hat. Natürlich gibt es da auch einige Punkte, die meine Kollegen (Lisa und Robert) teilweise bereits erwähnt haben.

1. Durch die Blogarbeit scheint es, dass die Arbeit freier gestaltet ist. Über das ganze Semester verteilt kann jeder seine Zeit für die Bearbeitung des Blogs frei einteilen. Einerseits, wie Lisa sagte, “So habe ich es grundsätzlich sehr geschätzt, über das Semester verteilt immer dann meine Analysen durchführen zu können, wenn es mir zeitlich am besten passte.” Doch andererseits bedeutet diese Freiheit auch, dass im Semester auf strenge Deadlines verzichtet wurde. Einige Mitglieder waren dementsprechend schneller, einige langsamer, sodass manchmal ein Vergleich zwischen den Beiträgen erst viel später erfolgen kann: “Wie auch Lisa in ihrer abschließenden Reflexion feststellt, bin ich der Meinung, dass hier ein im Vornherein gemeinsam in der Lerngruppe erarbeiteter Zeitplan mit Fertigstellungsfristen von Vorteil gewesen wäre.” (siehe Roberts Fazit)

2. Dadurch, dass jedes Mitglied ein eigenes Blog hat, war es oft sehr schwierig, einen schnellen Überblick zu bekommen. Das Hin und Her zwischen sechs Blogs war teilweise anstrengend. Tina hat diesen Aspekt in ihrem Artikel “Nur nicht den Überblick verlieren” angedeutet und hat alle Analysen der digitalen Kommunikation sehr übersichtlich in eine Tabelle zusammengefasst.

3. Da jedes Mitglied an einem separaten Blog arbeitet und dieses Blog für sich allein stehen soll, waren Wiederholungen und Redundanzen bei den Erkenntnissen unvermeidlich. Die Mitglieder haben es jedoch sehr gut verstanden, Wiederholungen zu reduzieren, indem sie ähnliche Erkenntnisse zusammenfassten bzw. zitierten und auf diese Erkenntnisse aufbauend neue Aspekte aufgriffen.

 

 

 

 

Verwirrung um den Mediator/ Kommunikator im Westley/ McLean- Modell

Durch die Anmerkung von Robert (siehe Kommentare) habe ich gemerkt, dass meine Ausführungen des Westley/ McLean-Modells bezüglich der Rollen des Mediators und Kommunikators oft verwirrend wirkt. Dementsprechend habe ich mich entschieden, das Modell nochmal zu durchdenken und den Kommunikationsprozess von Anfang an (bei der Selektion vom Informanten) bis zum Rezipienten nochmal (meiner Meinung nach) klar darzustellen.

Roberts Auffassung nach (vergleich Grimm) ist der Informant, der am Anfang des Kommunikationsprozesses steht, die Nachrichtendienste oder Reporter, die die Ereignisse selektiert aufbereiten und an die Redakteure der Zeitungen weitergeben. Die Redakteure verfassen dementsprechend die Artikel und leiten diese weiter über verschiedene Kanäle (u.a. digitale Kanäle) an die Rezipienten.

Nachdem ich diese Interpretation auf Roberts Empfehlung hin bei Grimm nochmal ausführlich gelesen habe, finde ich diese Interpretation sehr schlüssig. Ich würde trotzdem die Redakteure in Mediator I und Mediator II teilen.

Der Mediator I verfasst die Informationen vom Informant zu Artikeln und leitet diese über die Printzeitung, über die Website an den Rezipienten. Der Rezipient greift jedoch nicht unbedingt auf den direkten Weg zum Artikel. Hier spielt die digitale Kommunikation (Facebook, Videoportale, MicroBlogs, Blogs und Foren), die wir analysiert haben, eine entscheidende Rolle. Die Artikel, die der Mediator I verfasst hat, geht nochmal über einen Mediator II. Der Mediator II ist der Zuständige für die jeweiligen digitalen Kanälen (Fb, Youtube usw.). Er bereitet den Artikel nochmal auf, fügt Fotos , provozierende Kommentare hinzu und veröffentlicht diese als Eintrag auf den digitalen Kanälen.

Diese Darstellung unterscheidet sich nicht von den Darstellungen der anderen Mitglieder. Sie ist lediglich in dem Sinne detaillierter, da sie auch den Kommunikationsprozess Informant – Redakteur vor der digitalen Kommunikation aufzeichnet. Diese Darstellung soll lediglich (für mich persönlich) die Verwirrung um den Informant/ Kommunikator/ Mediator lösen.

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Quelle: Grimm, R. (2005). Digitale Kommunikation. München, Germany: Oldenbourg.

Westley/ McLean. Ein Modell wird benutzt und erweitert.

 

Am Anfang unserer Blogaktion diskutierten wir über mögliche Kommunikationsmodelle, die wir für die Betrachtung der einzelnen digitalen Kommunikationsmodelle anwenden wollten. Es war ein harter Kampf zwischen der übersichtlichen, leider zu statischen Lasswell-Formel und dem Kommunikationsmodell von Westley und McLean, das auch Rückkopplungen ermöglicht. Der Sieger war das letztere.

Doch im Laufe der Verwendung dieses Modells stellten die Mitglieder fest, dass das Modell nicht ganz einwandfrei zur Beschreibung von digitalen Kommunikationswegen ist.

ursprüngliches Wesltey/ McLean - Modell. Eigen nachmodelliert.

So schlägt Robert einige Veränderungen vor: Er kritisierte die fehlende Rückkopplung zwischen den Rezipienten und stellte fest, dass eine Kommunikation zwischen Rezipient und Kommunikator stets über den Mediator verlaufen muss.

Ich stimme dem nicht ganz zu. Während meiner Analyse habe ich diesen Aspekt der Rückkopplung zwischen Rezipient und Kommunikator beibehalten. Robert erwähnt, dass das Modell von WEstley/ McLean für Massenmedien gelten soll. Den Massenmedien zufolge wäre eine Kommunikation zwischen Rezipient und Kommunikator durch Feedbacks ohne über den Mediator möglich.

„Berücksichtigt wird dabei auch, dass jederzeit zwischen den Gruppen – ganz gleich wie – Feedback übermittelt wird, d.h. Informationen ausgetauscht werden (können).“  (Ries, 2010).

Wenn also ein Rezipient einen Eintrag auf Facebook/ Twitter/ Blog liest und daraufhin nicht auf diesen Kanälen antwortet, sondern direkt einen Leserbrief an die Redaktion der Zeitung bzw. bei Blogs an den verantwortlichen Blogger schickt, dann wäre es durchaus ein Feedback von Rezipient zum Kommunikator ohne über Mediator.

Ein sehr wichtiger Aspekt, den meine Kollegen erwähnen, ist die fehlende Rückkopplung zwischen den Rezipienten. Denn wie Robert beispielhaft erläutert hat,

„Es kommt nicht selten vor, dass auf die Mitteilung des Kommunikators und auf die dazugehörigen Kommentare anderer Nutzer reagiert wird. Teilweise entsteht so eine Interaktion zwischen den Rezipienten.“

Gerade diese Rückkopplung finde ich sehr wichtig. Denn nur wenn Rezipienten auch miteinander austauschen, entstehen Diskussionen und Verlinkungen unter den Rezipienten, die gerade das Besondere an den digitalen Kommunikationskanälen ausmachen.  Oft hat der Mediator eher die Rolle eines Moderators und leitet die Interaktionen (Diskussionen) zwischen den Rezipienten, wenn er zum Beispiel abfällige Bemerkungen auf Facebook löscht oder  aggressive Diskussionen schlichtet.

Letzten Endes bin ich wie meine Kollegen der Meinung, dass das Modell von Westley/ McLean nur mit gewissen Erweiterungen gut nutzen, um die digitalen Kommunikationsprozesse zu beschreiben.

Selektivität – Ansatz von Westley/ McLean:

Ein weiterer Punkt bezüglich der Analyse, ist der Aspekt der Selektivität. Der ursprüngliche Ansatz von Westley/ McLean ist die Veranschaulichung eines vorhandenen Gatekeepers, dass Informationen, die vom Kommunikator aufgegriffen werden, nicht eins zu eins an den Rezipienten weitergeleitet werden. Vielmehr werden die Informationen im Laufe des Kommunikationsprozesses mehrmals selektiert (durch den Kommunikator und durch den Mediator) und durch andere äußerliche Einflüsse verändert. Bei den Beschreibungen der digitalen Kommunikationsprozesse ist dieser Aspekt etwas untergegangen.  Nun möchte ich versuchen, diesen Aspekt etwas näher zu erläutern:

Ein Beispiel wäre Facebook. Wenn wir den Kommunikationsprozess auf Facebook nochmal anschauen, sieht er nach Westley/ McLean folgendermaßen aus:

Aus den vielen Artikeln an einem Tag entscheidet sich der Kommunikator für den Artikel „Mein Leben, so wie es die Stasi sah“ und sendet ihn über Facebook zum Rezipienten. Auf der Facebook-seite wird der Artikel nicht eins zu eins veröffentlicht. Vielmehr wird der Artikel „schmackhaft“ gemacht, indem provozierende Kommentare mit einem Foto hinzugefügt werden. Diese Art der Aufbereitung bedeutet, dass der ursprüngliche Artikel hier nochmal verwertet und verarbeitet wurde. Der Rezipient bekommt den Artikel nicht „pur“, sondern mit intendierten Anmerkungen und Fotos, die seine Sicht auf das Ereignis beeinflussen könnten.

 

 

 

 

B.Z. Blogs unter die Lupe

Wie im letzten Artikel bereits erwähnt, besitzt die B.Z. insgesamt 8 Blogs, deren Themen, Aufbereitung, Qualität und Leserresonanz nicht unterschiedlicher sein könnnen. Der Kommunikationsablauf im Blog ist bei jeden Blogs ähnlich und kann mit dem Kommunikationsmodell Westley/ McLean wie folgt beschrieben werden:

Die Ereignisse, die in den Weblogs aufgegriffen werden, sind nicht die Artikel auf der Website der B.Z. Bei den Blogs entscheidet sich der Blogger (Kommunikator, in diesem Fall gleichgesetzt mit dem Mediator) für bestimmte Themenfelder. Michael Gronau zum Beispiel hat sich das Thema iPhone herausgesucht, während Marrach aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen über die Lebenssituation Ost- Berlin bloggt. Sicherlich stehen bei Auswahl der Ereignisse, ähnlich wie Lisas Analyse der FAZ, das Kriterium Aktualität an vorderster Stelle. Beispielsweise berichtet der Blogger für sein Hertha-Blog über aktuelle Fussballspiele. Themenanreize nehmen die Blogger auch von den Lesern. So fordert Frau Dr. Seltsam in ihrem Unglaublichen Blog die Leser auf, ihr kuriose und skurrile Geschichten zuzusenden. Nikola Trboglav dagegen widmet sich den Luxusautos in seinem Blog und berichtet in jedem Beitrag von einem Automobil nach seinem Vorlieben, ohne sich direkt auf journalistische Nachrichtenwerte wie Aktualität und Relevanz zu beziehen.

Die Kommunikatoren in den Blogs, die in diesem Fall auch Mediatoren sind,  sind meist B.Z. Reporter oder Volontariat. In den meisten Blogs treten die Kommunikatoren mit ihren Namen auf (Bsp.: Nikola Trboglay im Luxusautoblog), in anderen werden Pseudonyme verwendet (Bsp: Frau Dr. Seltsam). Beim Hertha-Blog dagegen wird nirgendwo angezeigt, wer für das Blog und für die Beiträge verantwortlich ist, ob es sich um eine einzelne Person oder um mehrere Personen handelt.

Die Beiträge werden jeweils themenspezifisch auf ein Blog als Übertragungsmedium gebündelt, das in die B.Z. Website integriert ist. Die Blogseiten haben ähneln dem Design eines externen Blogs, dass sie neben dem Haupttext an der Seitenleiste Applikationen wie Kalender, Aktuelle Artikel, Suchfunktion usw. haben.  Die Beiträge werden aus der Ich- Perspektive geschrieben mit einer persönlichen Note behaftet und zuweilen auch mit Erlebnissen und Erfahrungen aus dem Alltagsleben  geschmückt. Der Unterschied im Sprachstil merkt auch Lisa an,

„So ermittelten Moss & Schweins in ihrer Studie, dass Blogger einen deutlich anderen Sprachstil benutzen, häufiger Anglizismen verwenden und in ihren Texten deutlich Ich-Bezogener argumentieren als Journalisten der FAZ, Süddeutschen etc. dies in ihren journalistischen Kommentaren tun (vgl. Moss & Schweins, 2009, S. 174/175).“

Die Zahl der Einträge und deren Regelmäßigkeit sind sehr unterschiedlich. Das Hertha-Blog hat fast jeden Tag einen Eintrag, das Ost-Blog wird alle zwei Tage aktualisiert. Ohmanns Westend-Blog, das eine ähnliche Note wie das Ost-Blog besitzt, hat monaltich ca. 7 bis 10 Beitrage. Andere Blogs wie das Konzertblog, das Unglaubliche Blog haben so gut wie gar keine Kommentare und sind seit August 2011 nicht mehr aktualisiert.

Da die Blogs in die B.Z. Website integriert sind, werden die mutmaßlichen Rezipienten die Leser der B.Z. Website sein. Darüber hinaus können es auch Nicht-B.Z.-Leser sein, sondern Internetnutzer, die sich für einen der Blogthemen interessieren und über die Suchmaschine auf die Blogs gelangen. Rückkoppelungsmöglichkeiten gibt es über die Kommentarfunktion nach jedem Eintrag. Auffällig ist, dass genau diese Funktion in dem Luxusauto-Blog abgestellt wurde. Die Intentionen der meisten Bloggers, Austausch mit den Lesern zu erzeugen, Diskussionen anzuregen, und eine Lesebindung für die B.Z. Webiste zu erhoffen, gelten wohl nicht für Nikola Trboglav. Bei den anderen Blogs wird die Kommentarfunktion unterschiedlich stark benutzt. Das Hertha-Blog führt an mit ca. 18 bis 58 Kommentare je Blogeintrag. Auch Marrachs Ost-Blog bekommt pro Eintrag ca. 5 bis 8 Kommentare.

Fazit:

Die B.Z. Blogs können untereinander nicht unterschiedlicher sein. Meine Kollegen haben versucht, auch die Qualität der Blogs zu analysieren. Tina zum Beispiel erfragte bezüglich des Kai Diekmann-Blogs seinen Mehrwert und führte verschiedene (zum größten Teil sehr negative) Urteile anderer Zeitungen vor.

Auch ich muss feststellen, dass die Qualität der B.Z. Blogs eher enttäuschend denn vielversprechend war. Wenn man die Blogs nach der Resonanz der Leser betrachtet, so fallen von 8 Blogs schon über die Hälfte durch, da sie nur einige wenige bis gar keine Kommentare erhalten haben. Vermutlich wurden aus diesem Grund die meisten Blogs frühzeitig eingestellt, aktiv sind nur noch das Hertha-Blog, das Ost-Blog und das Westend-Blog. Nun muss man unweigerlich fragen, warum die anderen Blogs ‚versagt‘ haben und warum gerade diese drei Blogs bei den Lesern Interesse gefunden haben. Es fällt auf, dass die Themen dieser drei Blogs berlin- und brandenburgspezifisch sind und aktuelle Ereignisse aus dem Regionalraum aufgreifen.

Da die B.Z. von sich behauptet, die „traditionsreichste und größte Tageszeitung“ von Berlin zu sein und sich auf den Raum Berlin und Brandenburg spezialisiert, werden demzufolge auch Berlin-themen für Blogs favorisiert. Ein anderes Blog, das Konzertblog, greift ebenfalls auf ein Spezifikum von Berlin auf, die Konzertkultur in Berlin. Trotzdem wurde dieses Blog seit langem nicht mehr aktualisiert und fand auch keine großen Leserkommentare. Meiner Meinung nach liegt es hier an der Art und Weise, wie das Blog geführt wurde. Meist wird pro Eintrag von einem Konzert berichtet, mit Foto und einer detaillierten, persönlichen Beschreibung der Atmosphäre, der Band. Diese Einträge sind nett zu lesen, doch sie geben dem Leser keinen Diskussionsstoff bzw. keinen Anlass, Kommentare zu hinterlassen (vielleicht außer einem kurzen „Gefällt mir“ – Kommentar). Soll also der Zweck des Blogs der Austausch mit Lesern sein, wäre es eher angebracht, sogenannte „Zündstoffe“ für Diskussionen zu liefern oder aktuelle, kontroverse Ereignisse zu behandeln.

Ein kurzer Vergleich mit anderen Zeitungen zeigt, dass obwohl die B.Z. über 8 Blogs verfügt, sie qualitativ weit hinter den anderen Zeitungen liegt. Die FAZ zum Beispiel punktet mit anregenden, aus allen gesellschaftlichen Bereichen kommenden Themen. Bei der FAZ scheint die Interaktion zwischen Leser und Blogger auch am stärksten ausgeprägt zu sein. Robert kritisiert diesen Punkt an der SZ und „Von einem “Diskussionsnetzwerk im Internet” (Schulz-Bruhdoel & Bechtel, 100) sind die Blogs der Süddeutschen Zeitung weit entfernt.“  Die Blogs bei der BILD scheinen ebenfalls verbesserungsbedürftig zu sein. Tina rät jedoch bei Boulevardzeitungen von zu vielen Blogs ab und schlägt ein „selbstironisches Blog für die BILD“ vor.

Auch ich bin der Meinung, dass bei Boulevardzeitungen die Anzahl der Blogs keine Aussage über die Qualität der Blogs macht.  Unter den acht B.Z. Blogs sind nur drei Blogs hervorzuheben, die vom Thema, von der Aufbereitung und von der Resonanz her positiv zu bewerten sind.

Wenn die B.Z. bloggt

Blogs sind eine Welt für sich. Nicht zu Unrecht gibt man dieser Gemeinschaft aus schreibfleißigen Blogger den Namen Blogosphäre. In der Blogosphäre toben die Blogger, klären auf, kritisieren, schreiben über sich, über den Nachbarn, über die Welt. Lisa erwähnt die langjährigen, nicht endend wollenden Diskussionen über die Qualität der Blogs, über den Blogger als Onlinejournalist, über den Blogger versus Journalist. Robert stellt zu Recht die Frage, warum Journalisten von Printmedien noch zusätzlich bloggen sollen und reiht nachvollziehbare Argumente auf, etwa um mit Lesern näher in Kontakt zu treten, um Diskussionen anzuregen, und nicht zuletzt um einen Platz für sich (im World Wide Web, wo sonst?) zu finden, wo sie frei schreiben dürfen, etwas Luft bekommen abseits der redaktionellen Eingrenzungen.

Kurz gesagt, Journalisten bloggen, was Ihnen in den Sinn kommt. Wenn also Michael Gronau, Sportchef bei der B.Z. eine Affinität zum iPhone hat, soll er diese der ganzen B.Z. Lesegemeinschaft bitte per Blog mitteilen. Ein Blog kann man auch einrichten, um sein Wissen zu teilen, wie etwa im Falle von Nikolas Luxusautoblog. Teilen ist vielleicht das falsche Verb, da in diesem Blog die Kommentarfunktion deaktiviert ist. Nikolas teilt nicht, er vergibt. Er vergibt sein Wissen über Luxusautos weiter, ohne auf einen Kommentar zu hoffen, ohne den Kontakt zu den Lesern zu fordern. Frau Dr. Seltsam ist da anders. Sie möchte ihr Blog mit ihren Lesern gemeinsam schreiben. Sie fragt ihre Leser nach Geschichten, skurril und seltsam sollen sie sein und fordert sie auf, diese an sie zu senden. Gemeinsam schreiben wir einen Blog, soll es wohl heißen. Die Welt ist leider zu un-skurril, zu normal, weshalb Frau Dr. Seltsam-Blog im August 2011 nach kurzem Wiedererscheinen  eine erneute Blog-Pause einlegte. Bis heute.

Dies war nur ein kleiner Einblick in die Blogwelt der B.Z. Insgesamt hat sie stolze 8 Blogs. Jedes einzigartig und nicht miteinander zu vergleichen.

B.Z. Blogs. Quelle: http://service.bz-berlin.de/bzblogs/

Im nächsten Artikel (mit weniger ironischem Unterton, versprochen!), werden die B.Z. Blogs basierend auf das Kommunikationsmodell von Westley/ McLean analysiert.

B.Z. twittert mit

Während überregionale Zeitungen wie die S.Z., F.A.Z, BILD über mehrere Twitter- Accounts verfügen, besitzt die B.Z. als regionale Zeitung wie der EXPRESS nur einen Twitter- Account. Den Twitter-Daten zufolge hat die B.Z. fast 7.000 Followers und 19.788 Tweets veröffentlicht und liegt somit in der Twitter-Liga von  EXPRESS (mit rund 5.500 Followers und 20.000 Tweets).

Quelle: http://twitter.com/#!/bzberlin am 21.02.2012

Gemäß dem Modell von Westley/ McLean ist die digitale Kommunikation der B.Z. bei Twitter wie folgt:

Ähnlich wie bei Facebook sind die Ereignisse die neuesten Artikel, die in digitaler Form auf der Homepage der B.Z zu lesen sind. Der Kommunikator ist in diesem Fall Online-Redakteure der Zeitung. Sie wählen aus den Online-Artikeln einige aus, die sie als Tweet präsentieren. Die Twitter-Seite ist somit der Übertragungskanal. Während bei Facebook nur einige wenige exemplarische Themen auf die Facebook-Wand kommen, werden auf Twitter wesentlich mehr Artikel getwittert. Die Tweets werden täglich, beinahe stündlich geschrieben und folgen alle einen ähnlichen Aufbau: Die Informationen werden kurz und bündig, in aufmerksamkeitserregenden Sätzen verpackt. Aussagekräftige, emotionsgeladene Wörter werden bevorzugt. Anschließend erfolgt der Link zum Artikel auf der Website der B.Z. Der Rezipient kann sowohl die 7.000 Followers sein als auch Nutzer, die zum ersten Mal ohne Account-Meldung auf die Twitter-Seite der B.Z. gelangen. Mit dieser öffentlichen Zugänglichkeit, die bereits als große Stärke von Twitter erwähnt wurde, kann die B.Z. Twitter-Seite prinzipiell alle Internetnutzer erreichen. Obwohl Twitter viele Feedbackmöglichkeiten erlaubt (durch @Applikation), viele Vernetzungen (#Applikation) ermöglicht, ist auf der B.Z.-Twitterseite keine dieser Feedbacks zu erkennen.

Fazit:
Twitter als Microblog bietet mit seinen angeblich strengen 140- Zeichen eine kurzweilige, aber sehr interessante und vielfach nutzbare Möglichkeit. Eine Twitter-Seite kann als Plattform zum Austausch von Nachrichten und neuen Ereignissen dienen. Weist der Twitter-Nutzer seine Twitter-Seite zu pflegen und in Kontakt mit seinen Followers zu treten, kann mitunter eine persönliche, unverfängliche Atmosphäre entstehen und die Distanz zwischen Produzent und Rezipient gemindert werden.

Die B.Z. nutzt Twitter als Plattform, um auf Online-Artikeln hinzuweisen. Somit werden an den Followers täglich neue Schlagzeilen, neue Artikel-Links in ansprechendem, neugiererweckendem Sprachstil gebracht. Ein regelmäßiger Twitter-Nutzer bekommt diese Nachrichten unverzüglich wie eine SMS. Die Funktion der Informationsübertragung funktioniert bei der B.Z. einwandfrei. Es handelt sich hier jedoch um eine einseitige Kommunikation, eine Kommunikation zu den Nutzern, nicht mit ihnen. Es gibt keine Kommentare von Followers, keine Vernetzungen mit anderen Twitter-Accounts, keine Anregungen Seitens der B.Z., ein Kommentar abzuliefern. Die Twitter-Seite erscheint somit eher wie eine Pinnwand mit täglich hinzugefügten Neuigkeiten, einer Online-Nachrichtendienst, nicht einer Plattform für gegenseitiges Austauschen. Das Gefühl des persönlichen Kennens, das viele Prominente oder Unternehmen mithilfe der Twitter-Seite den Anhängern (Followers) geben wollen, wird von der B.Z. gar nicht suggeriert.

Im Vergleich zur Facebook-Seite der B.Z. werden auf der Twitter-Seite zwar mehr Artikel angepriesen, die Twitter-Seite scheint somit mehr gepflegt. Doch während auf den Facebook-Einträgen Kommentare von Nutzern und Rückantworten zu lesen sind, fehlen die Rückkopplung und der Austausch auf Twitter völlig. Meiner Meinung nach sollte die B.Z. diese Defizite durch mehr Aufforderung seitens der B.Z., durch mehr Gegenfrage, Provokation, lösen.

Dieses Problem scheint nicht nur die B.Z. zu haben. Wirft man einige Blicke auf andere Twitter-Seiten, so ist der Twitter-Dialog auch bei anderen Printzeitungen (EXPRESS, oder Qualitätszeitungen wie F.A.Z) eine Seltenheit. Wird Twitter von den Zeitungen absichtlich nur als 140-Zeichen-Nachrichtendienst genutzt? Ist es zu schwierig, einen Dialog mit den Followers zu erstellen, ein Netzwerk mit anderen Twitter-Accounts zu kreieren?

Die Twitter-Seite von BILD (anschaulich erläutert von Tina) gibt mit sehr simplen Alltagsaussagen Anregungen für Feedbacks. So entsteht eine lockere, angenehme Atmosphäre. Der Nutzer hat das Gefühl, von BILD gehört, gelesen und beachtet zu werden.

Twitter-Dialog auf http://twitter.com/#!/BIld am 21.02.2012

Auch Weiterverlinkungen oder Twitter-Netzwerke können leicht integriert werden. Mit der @-Verlinkung wird der Name (Twitter-account) dahinter verlinkt. Die #-Hashtags sind sogenannte Twitter-Tags. S.Z. macht es (manchmal) vor.

S.Z. Twitterseite am 21.02.2012. Quelle: https://twitter.com/#!/SZ

Zusammenfassend finde ich, dass Twitter als Nachrichtenhinweis sehr ausgiebig von den Zeitungen genutzt wird. Vernetzungen und Austausch bei Twitter bleiben jedoch weitestens im Hintergrund. Die Stärken von Twitter als Microblog wurde daher noch nicht gänzlich ausgeschöpft.

“What are you doing?”

Eine Frage. Tausende Verfolger.

Das ganze Konzept von Twitter, eine Art Microblog, das 2006 von Jack Dorsey entwickelt wurde, basiert auf diese simple Frage. Nutzer von Twitter schreiben auf maximal 140 Zeichen pro Eintrag, was ihnen in den Sinn kommt. Der Sinn der ganzen Sache war anfangs nicht allen klar. Denn warum sollten Menschen an belanglosen Informationen und Gedanken anderer Menschen interessiert sein.

O’Reilly und Milstein erklärten dieses Phänomen wie folgt: Menschen, die Twitter benutzen, “are interested in what friends, family and colleagues are doing without having to respond, which leads to a lightweight but meaningful connection” (2009: 9). Diese persönliche Note der Twitter-Nutzung wurde später u.a. auch als Marketing-Strategie benutzt, wenn zum Beispiel Prominente, Politiker oder Unternehmen eine persönliche Scheinbeziehung zu ihren Anhängern entwickeln wollen. Im Laufe der Zeit begannen die Nutzer Twitter auch für andere Zwecke zu nutzen: Sie tauschten sich Informationen aus, versendeten Links und integrierten Twitter feeds auf ihre Websites. So entwickelte sich Twitter über die Funktion der simplen Status-Meldung hinaus zu einer Plattform für Informationsaustausch. Neue Ereignisse werden nach wenigen Sekunden direkt gepostet, Twitter mutiert einstweilen sogar zum Online- Kurznachrichtendienst, Gefahr zu Falschmeldungen miteingeschlossen.

Die Einträge bei Twitter, sogenannte Tweets, haben ein Maximum von 140 Zeichen. Damit ähneln die Tweets den SMS von mobiler Kommunikation und profitieren von dieser anscheinend strengen Eingrenzung: “Limited length means that every word counts. In an Internet age of information overload, most Twitter users relish in the brevity.” (Thomases, 2010:21). Der öffentliche Zugang der meisten Twitter accounts ermöglicht es Nutzern in die Welt von Twitter einzutauchen, der Nutzer hat die Möglichkeit die Informationen anderer Menschen zu sehen, ohne vorerst eine Einladung akzeptieren zu müssen.

Auch Deutschland twittert, wenn auch in etwas bescheidenem Maße als die ganze Welt. Einem Artikel von Focus mit dem Titel „Twitter erreicht Allzeithoch in Deutschland“ am 16.02.2012 zufolge, steigt wieder die Zahl der Twitternutzer in Deutschland.

 „In den vergangenen zwölf Monaten hat sich die Zahl der Besucher auf Twitter.com in Deutschland um rund eine Million auf 3,9 Millionen erhöht, hat das Marktforschungsunternehmen Comscore gemessen. Das ist der höchste Wert, den Twitter jemals in Deutschland erreicht hat.“ (Quelle: Twitter erreicht Allzeithoch in Deutschland)

Besucher auf Twitter sind nicht zwingend aktive Nutzer. Die meisten besuchen Twitter nur wenige Male. Ähnlich wie die Like- Clicks bei Facebook sind die Besucherzahlen von Twitter nur mit Vorsicht zu betrachten. Man sieht die Bemühung der Twitter-Gründer um Deutschland: Laut Focus-Artikel wird ein Twitter-Team für Deutschland angekündigt, „um die deutschen Journalisten zu mehr Engagement auf Twitter zu bewegen.“

 

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Quelle:

Thomases, H. (2010). Twitter Marketing: An Hour a Day. Hoboken: John Wiley and Sons.

O’Reilly, T. & Milstein, S. (2009). The Twitter Book. Sebastopol: O’Reilly Media.

Online – Videoportale. Youtube vs. Website-integriert.

Videoportale wie Youtube sind fester Bestandteil in der Welt der digitalen Kommunikation, genauso wie Social Networks, (Micro)blogs und Foren. Printzeitungen werden schon längst nicht mehr nur auf Papier gedruckt, sie haben ihre digitale Version im Internet. Sie sind im Social Networks vertreten und konkurrieren um Like-Clicks. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie sich auch Videoportale bedienen, um ihre Inhalte visuell zu unterstreichen.
Wie meine Kollegen sehr zutreffend festgestellt haben, sind die Pioniere der Printzeitung + Videozusatz die Qualitätszeitungen wie F.A.Z und die S.Z. Sie haben jeweils ein eigenes Videoportal auf dem weltweit bekanntesten Videoportal Youtube und nutzen die vielfältigen Möglichkeiten von Youtube, u.a. die der Nutzerkommunikation per Kommentarfunktion. Boulevardzeitungen wie die BILD und der EXPRESS dagegen scheinen auf Youtube zu verzichten und gestalten eigene Videoportale, die sie direkt auf ihre Homepages einbetten.

Tina bezeichnet die Nutzung von Videoportalen der BILD als nachholbedürftig und empfiehlt die Veröffentlichung der Videos auf öffentlichen Plattformen, statt bescheiden im Heimfeld zu agieren.  Anke sucht nach einer möglichen Erklärung für die Abwesenheit der Boulevardschen Zeitungen auf öffentliche Videoportale und suggeriert einen pragmatischen Grund: Auf den eigenen Filmportalen können Werbungen eingeschalten werden. Um Werbeeinnahmen erzielen zu können, schaltet EXPRESS.de eigene Videoportale.
Diese Erklärung finde ich durchaus plausibel, besonders wenn es lokale Zeitungen betrifft, die auf jede Einnahmequellen angewiesen sind. Doch wie steht es mit der BILD, mit der auflagenstärksten Zeitung Deutschlands? Verzichtet BILD auf Youtube & Co. wegen der Werbeeinnahmen?
Ich vermute eher, dass BILD absichtlich ein eigenes Videoportal gestaltet und auf Youtube und anderen öffentlichen Videoportale verzichtet.
Einen kurzen Einblick in die Welt von Youtube zeigt, dass obwohl Youtube mit sehr vielen positiven Aspekten nicht zu Unrecht zur weltweit bekanntesten und beliebtesten Videoportal ist. Doch Youtube ist nicht frei von Kritiken. Youtube’s Strategie als „between community and commerce“ gilt als besonderes Merkmal, das maßgeblich zum Erfolg von Youtube beiträgt. Hierbei wird die Möglichkeit der Partizipation von Nutzern mit nutzergenerierten Videos hervorgehoben. Auch die leichte Zugänglichkeit der Videos auf Youtube durch Datenreduktion ermöglicht die zügige Expansion von Youtube und dessen Popularität.

Trotz dieser Erfolge steht Youtube immer wieder unter Kritik.  ‚Youtube‘ und ‚Urheberrechtsverletzung‘,  die beiden Begriffe gehen oft nebeneinander und vertragen sich nicht.  Ob das Image von Youtube unbeschaden geblieben ist? Außerdem sind die meisten Videos bei Youtube nutzergeneriert und vermitteln somit eher einen Amateur-Charakter. Vielleicht will die BILD und andere Printzeitungen sich von Youtube und ähnlichen Videoportalen abgrenzen. Vielleicht wollen sie mit eigen erstellten Videoportalen ein professionelleres Bild abgeben. Außerdem lassen sich die Videos mit den eigenen Videoportalen besser strukturieren.

Die S.Z. zum Beispiel scheut keine Mühen und Kosten, sowohl einen Website integrierten Videobereich als auch eine Youtube-Videoseite zu erstellen. Auf diese Art und Weise werden die Vorteile von Youtube ausgeschöpft, wie dessen große Reichweite und dessen Möglichkeit, Feedbacks von Nutzern zu bekommen. Gleichzeitig wird der Videobereich auf der Website immer noch genutzt und gepflegt.
Die B.Z. hat weder eine Youtube-Videoseite und noch ein eigenes Website-integriertes Videoportal. Hier besteht auf jeden Fall Nachholbedarf! Der B.Z. würde ich trotzdem eine Youtube-Videoseite eher empfehlen, da die B.Z. als lokale Zeitung von der große Reichweite von Youtube viel profitieren kann.

Eine letzte Frage bleibt. Ist es überhaupt nötig, dass die B.Z. dem Trend ‚Printzeitung + Videozusatz‘ nachgehen soll?  Die Erstellung von Videos und die Pflege eines Videoportals, egal ob Youtube- oder Website-integriert, sind aufwendig. Vielleicht hat die B.Z. bis dato noch keinen herausragenden Nutzen von Videoportalen gesehen.

Denn letzten Endes ist und bleibt die B.Z. eine Printzeitung. Vielleicht will sie dieser Bezeichnung gerecht werden und sich ausschließlich darauf konzentrieren.  Vielleicht sind bewegte Bilder einfach zu viel für die B.Z.

„Finden Sie die B.Z. auf Facebook“

(aktualisiert am 23.02.2012 für den 16. 02.2012)

Mit dieser Verweisung auf der Homepage der B.Z. wird der Weg in das Social Network gezeigt. Facebook heißt das Zauberwort, das mittlerweile auf eine gigantische Zahl von 800 Millionen Nutzer weltweit und 18 Millionen Nutzer in Deutschland kommt. So ist es nicht verwunderlich, warum die meisten Tageszeitungen, ob überregional oder lokal, für sich (mindestens) eine Fanpage auf Facebook beanspruchen.

Im Vergleich zu überregionalen boulevardschen Zeitungen wie die BILD mit einer Fangemeinde von über 500.000 Fans (im übrigens die Tageszeitung mit den meisten Like-Clicks) oder der sueddeutschen.de mit über 40.000 Fans (siehe Roberts Beitrag) wirkt die B.Z.mit ihren 3.761 Fans plötzlich ganz schwach, nahezu unbedeutend.

Folgt man einer anderen Ranking, geführt von drehscheibe.org, einer Online-Forum über den Lokaljournalismus, die die Zahl derFacebook- Fans im Verhältnis zur Auflage der jeweiligen Zeitung berechnet, steht die B.Z. auf Position 117. Ebenfalls nicht berauschend.
Auf der anderen Seite haben einige boulevardsche Tageszeitungen eine kleinere Facebook-Existenz, wie zum Beispiel der Berliner Kurier (1.293 Likes),eine Boulevardzeitung ebenfalls aus dem Raum Berlin. Der Kölner EXPRESS hingegen, den Anke sehr ausführlich analysiert hat, hat mit seiner Facebook-Seite im letzten Jahr innerhalb einer kurzen Zeit enorm aufgeholt und die B.Z. bezüglich der Like-Clicks um einiges überholt. Anzumerken ist, dass das Konzept des „Like“-Buttons, mit dem Klick derjenige automatisch in die Fan-Gemeinde vom Facebook gezählt wird, eher kontrovers und problematisch erscheint. Ein Skeptiker der oben erwähnten Ranking, meint dazu:

„ Merkwürdiges Ranking. Jeder Depp klickt bei Facebook irgendwo drauf, wird gleich als “Fan” registriert. So kann man potentiellen Werbekunden natürlich auch als “gewichtiger” Partner gegenüber treten. Je mehr Wirbel im Web, desto mehr Fusseln verfangen sich. Verkehrte Welt… „ (Dimitrie ElBuitre).

Letzten Endes ist eine detaillierte Betrachtung, vor allem eine Nutzenanalyse dieser Seite nötig, um den Erfolg der Seite bewerten zu können. Auf Basis des zuvor mehrfach diskutierten Modells von Westley/McLean wird nun eine Analyse der Facebook-Kommunikation durchgeführt.

B.Z. Facebook-Fanpage, am 15.01.2012, 17:13

 B.Z.-Facebook mit Westley/McLean

Das Modell von Westley/ McLean umfasst die Bestandteile Ereignisse (mögliche Ereignisse, ausgewählte Ereignisse, verarbeitete Ereignisse), Kommunikator, Medium, Rezipient und die Rückkopplungsmöglichkeiten.

Kommunikationsmodell von Westley/ McLean, eigen angefertigt

Übertragen auf die Facebook-Kommunikation am heutigen Tag (15.01.2012) sieht das Modell des Kommunikationsprozesses wie folgt aus:

Westley/ McLean übertragen auf Facebook Kommunikation am 15.01.12

Die Ereignisse sind die Artikel, die am 15.01.2012 auf der Homepage der B.Z. zu finden sind. Da die B.Z. als lokale Zeitung den Fokus auf Berlin und Brandenburg hat, sind die meisten Ereignisse Berlin-bezogen. Der Kommunikator, der in diesem Fall der Redakteur der B.Z ist, wählt aus den veröffentlichten Ereignissen einige aus, die er auf die Facebook-Fanpage setzt. Für den 15.01.2012 wurde lediglich ein Artikel “Stasi-Akten: Mein Leben, wie es die Stasi sah.” gewählt und auf Facebook als Medium mit einem Foto, einer kurzen Beschreibung und dem Link zur Website veröffentlichet. Die Facebook- Nutzer als Rezipienten haben die Möglichkeit, diesen Link zu sehen und Feedbacksin Form des”Like”-Klicks, der Kommentare abzugeben. Bei den Fans wird diese Neuigkeit auf ihrer Neuigkeiten- Seite automatisch angezeigt.

Vergleich mit Facebook-Kommunikation von BILD.de:

Ein Vergleich der Facebook-Kommunikationsstrategie zwischen der BILD Zeitung und der B.Z. ist schon in dem Sinne sehr hinkend, da die BILD Zeitung eine überregionale und die B.Z. eine regionale Zeitung ist. Trotz allem möchte ich diesen Vergleich in einigen Aspekten durchführen, um eventuelle Stärken und besonders Schwachstellen der B.Z. zu ermitteln.

Im Gegensatz zu der Facebook-Seite von BILD ist die Zahl der Kommentare und der “Like”s sehr gering. Der Artikel “Stasi-Akten: Mein Leben, wie es die Stasi sah.” am 15.01.2012 hat nur 4 “Likes’s”, 2 Mal “Share” und keine Kommentare. Man könnte vermuten, dass dieses Thema keine großen Diskussionen eröffnet. Ein Blick auf ältere und neuere Einträge gibt ein etwas positiveres Bild her: Es gibt einige Einträge, wie der Eintrag “Gratis- Internet: Wowereit versprcht: W-Lan für alle” am 13.01.2012 mit 24 Befürwortern oder der Eintrag “Sheen- Nachfolger: So war Two and a half man mit Kutcher” am 11.01.2012 mit 24 Kommentaren, die teilweise sehr ausführlich geschrieben waren. Im Vergleich dazu hat die Facebook-Seite von BILD Feedbacks von  teilweise dreistelligen Zahlen. Die daraus resultierende Frage ist natürlich, was macht BILD besser als B.Z.?

Dazu war es sehr hilfreich, die Analyse der Facebook-Seite der BILD-Zeitung von Tina zu lesen. Sowohl die B.Z. als auch die BILD nutzen ihre Facebook-Seite, um gezielt bestimmte Themen hervozuheben und diese durch das Neuigkeiten-System  von Facebook an die Fans zu bringen. Beide Zeitungen haben eine ähnliche Strategie: Sie wählen einige Themen aus, provozieren die Facebook-Nutzer mit einer Frage oder ein Kommentar zum Thema und fügen Bild und einen Link zur Online-Ausgabe des Artikels hinzu. Welche Gründe könnte es geben, dass trotz allem die Facebook-Seite der BILD mehr belesen und kommentiert wird als die Facebook-Seite der B.Z.?

Tina vermutet, dass ein Teil es Erfolgs der Facebook-Kommunikation der BILD darin besteht, dass

“Durch gezieltes Posten von zielgruppengerechten Beiträgen, kann es so der Bildzeitung gelingen, die  Leserzahl besonders in der jüngeren Zielgruppe zu steigern.”

Auch die B.Z. versucht mit provokanten Fragen und Kommentaren die Teilnahme an Diskussionen zu stärken. Auch spricht sie oft gezielt Bewohner in der Umgebung von Berlin und Brandenburg an und stärkt somit den regionalen Charakter der Zeitung (die Ähnlichkeit der Facbeook- Kommunikationsstrategie kann auch darin liegen, dass beide Zeitungen vom Axel Springer Verlag stammen). Zwar ist ein möglicher Grund, warum die Kommentare bei der B.Z.  teilweise noch sehr dürftig bleiben, dass die Themen, die ausgewählt wurden, keiner großen Diskussion bedürfen. Gemäß des Boulevardschen Charakters der Zeitung sind es eher sensationelle, kurzweilige denn kontroverse Themen. Doch auch die BILD Zeitung ist eine Boulevard-Zeitung und wählt ähnliche Themen. Daher scheint nur der Grund plausibel, dass die BILD Zeitung durch ihre große Bekanntheit der Print-Version eine große Fan-Gemeinde hat und diese Gemeinde auf Facebook ebenfalls aktiv ist.

Bei beiden Zeitungen stimme ich Tina zu, dass

“sich eine regelmäßige Auseinandersetzung mit Bild.de in den sozialen Netzwerken auf das Konsumverhalten bezüglich der Printausgabe auswirken wird, halte ich aber für unwahrscheinlich. Daher dient dieses Mittel wohl eher zur Kundenbindung als zur Neugewinnung.”

Wenn also ein Facebook-Nutzer irgendwann in seinem Facebook-Leben die Facebook-Seite anklickt und sich als Fan anmeldet, so weist die Facebook-Seite  in seiner Neuigkeiten-Seite den Nutzer auf neue, interessante Artikel der Zeitung auf der Homepage hin und stärkt somit durch die Crossmedialität die Bindung des Lesers zum Medienprodukt.