Klassisch digital kommunizieren…
… durch E-Mails. Wenn aktuell von digitaler Kommunikation gesprochen wird, wirkt sie fast antik: die E-Mail. Und doch ist sie sozusagen die “Mutter” aller populären digitalen Kommunikationswege. Mehr zu ihrer Geschichte könnt ihr auf Doris Blog lesen. Nichtsdestotrotz gehören E-Mails zu den meisgenutzten Kommunikationsmitteln im world wide web.
Eine Studie, die gemeinsam von WEB.DE, der Convios Consulting GmbH und der Universität Augsburg entwickelt wurde, hat das Kommunikationsverhalten der Internet-Nutzer in Deutschland untersucht. Dabei wurden 1003 Internetnutzer ab 16 Jahren befragt. Sie ergab, dass die E-Mail das am meisten genutzte Kommunikationsmedium im Internet ist. Praktisch jeder habe eine E-Mail-Adresse, 76 % sogar zwei oder mehr E-Mail-Konten [vgl. 1,2]. Weltweit werden täglich ca. 35 Milliarden E-Mails geschickt, so lauten jedenfalls Schätzungen, die im Internet kursieren. Einige Studien gehen sogar von 171 Milliarden Mails pro Tag aus [vgl. 3].
E-Mails im Universitäts- und Arbeitsleben
Ein großer Teil der Kommunikation an der Universität läuft inzwischen über E-Mails. Nur in seltenen Fällen werden noch Briefe verschickt. Grund dafür ist meistens die Etikette (z.B. da es sich um ein “offizielles” Einladungsschreiben handelt) oder eine benötigte Verifizierung durch eine rechtsgültige Unterschrift. Die Angehörigen der Universität sind sogar häufig dazu “verpflichtet”, ihre E-Mail-Konten mindestens einmal pro Woche zu kontrollieren, doch die meisten tun das bereits freiwillig – und das nicht nur einmal am Tag. “Rund 82 Prozent der Nutzer verbringen wöchentlich mehr als eine Stunde mit ihren Mails, 50 Prozent schauen mehrmals täglich ins Postfach” [vgl. 1].
E-Mails dienen dabei sowohl “geschäftlichen” als auch privaten Zwecken. Auch innerhalb der Arbeitswelt sind E-Mails ein fester Bestandteil der alltäglichen Kommunikation. Sie scheinen in vielen Fällen sogar andere Kommunikationswege wie Telefonate und face-to-face-Kommunikation zu einem gewissen Teil zu ersetzen. Sarah berichtet in ihrem Blog beispielsweise von ihrem Praktikum, in dem sie über 1000 Mails verschickt hat und das nicht selten an Arbeitskollegen.
Auch aus dem Vereinsleben in Ilmenau und insbesondere aus der Erfahrung bezüglich der Organisation einer internationalen Studentenkonferenz heraus kann ich berichten, dass die E-Mail (neben der face-to-face-Kommunikation) das zentrale Kommunikationsmedium ist – und das sowohl in der externen als auch in der internen Kommunikation. Über E-Mail werden Sitzungsprotokolle, Berichte und Anfragen verschickt, auch Meinungen innerhalb des Vereins werden über E-Mails eingeholt. “Schreibs über die Liste”, ist da ein häufig gehörter Satz, denn innerhalb von Vereinen und Gremien bestehen zumeist Mailinglisten, auf die man sich eintragen kann, damit wichtige Informationen entsprechend weitergegeben und ausgetauscht werden können. Ich stehe beispielsweise derzeit auf etwas mehr als 10 Mailinglisten. Extern ist im Rahmen meiner Vereins- und Gremientätigkeit ebenfalls ein Großteil der Kommunikation über E-Mail abgelaufen. So erfolgten beispielsweise die Absprachen mit Referenten der Konferenz i.A. über E-Mail. Ebenso wäre die Kommunikation mit unseren knapp 2000 Bewerbern ohne E-Mail kaum möglich gewesen. Die meisten Anfragen erreichten uns auf diesem Wege und auch ich habe in meiner Zeit als Mitorganisatorin der Studentenkonferenz mehrere tausend Mails verschickt und erhalten, allein mein eigenes Postfach enthält mittlerweile über 5000 Mails, schätze ich.
Nach diesem kleinen Exkurs zur Nutzung von E-Mails nun aber zurück zu den eigentlichen Betrachtungen: Welche Vor- und Nachteile hat der Kommunikationsweg “E-Mail”? Welche Probleme können dabei auftreten? Dies möchte ich in der folgenden Übersicht kurz darstellen.
Vorteile und Nachteile
Schnelligkeit, Synchronität
+ positiv
- Die E-Mail ist i.A. innerhalb von wenigen Sekunden beim Empfänger, auch wenn dieser tausende Kilometer entfernt wohnt.
- Die asynchrone Kommunikation ermöglicht ein zeitversetztes Reagieren, d.h. man muss auf E-Mails nicht sofort antworten sondern kann z.B. auch noch wichtige Informationen einholen, die zur Beantwortung notwendig sind.
- Man erhält die E-Mail auch dann, wenn man gerade nicht online ist, man kann also selbst entscheiden, wann man seine Nachrichten lesen möchte.
- Man kann Entwürfe von Nachrichten speichern und später wieder darauf zugreifen.
- negativ
- Die Reaktionszeit (die Zeit bis man eine Antwort erhält) kann relativ lang sein. Im Allgemeinen wird erwartet, dass man auf E-Mails innerhalb von 1 bis 3 Tagen reagiert, aber insbesondere bei Personen, die sehr viele Mails erhalten, kann sich die Reaktionszeit wesentlich erhöhen.
- Da man selbst entscheiden kann, wann man die Mails liest, können die Informationen veraltet sein.
- Es kann zu “information overflow” kommen, wenn das E-Mail-Postfach für längere Zeit nicht überprüft wurde und sich eine große Zahl an ungelesenen Mails dort angesammelt hat.
Technische Voraussetzungen, Bedienung, Übersicht/ Struktur
+ positiv
- Man benötigt lediglich einen Computer und einen Internetzugang und muss sich damit ein E-Mail-Konto angelegt haben.
- E-Mail-Programme sind i.A. sehr intuitiv gestaltet und dadurch relativ einfach bedienbar. Man benötigt Grundkenntnisse im Umgang mit dem Computer und dem www.
- Das Anlegen eines E-Mail-Kontos ist i.A. sehr leicht.
- Das Schreiben einer E-Mail ist ebenfalls sehr einfach. Bei vielen E-Mail-Programmen kann man den Text auch entsprechend formatieren und strukturieren.
- Man kann verschiedene Anhänge an E-Mails anfügen und somit den Inhalt ergänzen.
- negativ
- Man muss sich i.A. erst ein E-Mail-Konto bei einem Anbieter anlegen. Häufig sind die Seiten von Anbietern mit zusätzlichen Informationen überfrachtet, was es für Unerfahrene schwieriger macht, sich zurecht zu finden.
- Manche E-Mail-Programme sind sehr unstrukuriert gestaltet, das macht die Bedienung schwieriger.
- Nachrichten sind teilweise sehr unstrukturiert und unübersichtlich.
- Die Kapazität für Anhänge (bzw. für die Gesamtgröße der Mail) ist i.A. begrenzt.
- Es kann zu Datenverlust kommen z.B. durch einen Strom- oder Serverausfall.
Verwaltung, Speicherung, Archivierbarkeit
+ positiv
- E-Mail-Programme bieten gute Möglichkeiten der Verwaltung und Speicherung von E-Mails. Die Struktur ist meist übersichtlich und i.A. tabellarisch angelegt, sodass man auf einen Blick viele Informationen zur E-Mail erhält (Sendedatum, Empfangsdatum, Sender, Empfänger, Betreff, Größe der Mail etc.).
- Beispielsweise kann man Ordner anlegen, in die man die E-Mails z.B. je nach Sender oder Thematik verschieben kann.
- Es gibt unterschiedliche Markierungen für ungelesene, gelesene und beantwortete Mails. So erkennt man sofort den Status der Mail.
- Man kann Mails auch selbst nach unterschiedlichen Kriterien markieren und ihren Status entsprechend bearbeiten.
- Man kann E-Mails nach verschiedenen Kriterien ordnen bzw. sich anzeigen lassen (aktuellste zuerst, älteste zuerst, nach Empfänger geordnet, nach Eingangsdatum/-zeit etc.).
- Man kann E-Mails für lange Zeit speichern.
- E-Mail-Programme speichern sowohl empfangene als auch gesendete Mails (muss man z.T. erst einstellen).
- Man kann E-Mails in unterschiedlichen Bearbeitungsphasen (Entwurf, nach Fertigstellung) speichern.
- Es gibt häufig eine gut ausgebaute Suchfunktion, bei der man nach verschiedenen Kriterien suchen kann.
- Automatischen Löschungen und Datenverlust kann man in gewissem Maße vorbeugen, indem man ein Mailprogramm wie z.B. Mozilla Thunderbird oder MS Outlook verwendet, die die Mails runterladen und sie dadurch auch offline verfügbar machen.
- Man kann Empfänger in einem Adressbuch speichern.
- negativ
- Die Ordnerstruktur muss durchdacht sein, ansonsten besteht die Gefahr, dass der Überblick verloren geht.
- Der Speicherplatz ist zumeist begrenzt, d.h. man kann nicht unendlich viele Mails speichern.
- Teilweise sind Mails sehr groß (meist dann, wenn sie sehr große Anhänge enthalten) und blockieren somit das Postfach, d.h. sie nehmen Speicherplatz weg.
- Teilweise gibt es automatische Funktionen, wie z.B. die automatische Löschung von Anhängen von Mails, die älter als sechs Monate sind (–> Datenverlust).
Reichweite, Kontakt
+ positiv
- Man kann E-Mails an nahezu beliebig viele Empfänger senden.
- Man kann E-Mails über blind carbon copy (bcc) an mehrere Empfänger senden, ohne dass diese die Adresse der anderen dadurch erfahren.
- Man kann Mailinglisten anlegen, um durch die Eingabe einer einzigen Adresse viele verschiedene Empfänger zu errreichen.
- negativ
- Die Mailserver einiger Länder blockieren Mails, die zu viele Empfänger enthalten, da sie Spam hinter dieser Mail vermuten (z.B. Russland, Ukraine).
- Mailinglisten müssen verwaltet werden, beispielsweise müssen häufig die Nachrichten von externen Personen an diese Liste freigeschaltet werden.
- Mailinglisten müssen gepflegt werden, damit der Empfängerkreis nicht Personen enthält, die die Informationen nicht bzw. nicht mehr erhalten sollen.
- Die Empfänger von Mailinglisten können die Mitgliedschaft aufgrund deren Struktur teilweise nicht selbst beenden.
- An Mailinglisten können häufig aufgrund der Einstellungen nur Personen schreiben, die selbst Mitglied der Liste sind.
Sicherheit, Datenschutz
+ positiv
- E-Mails können verschlüsselt werden.
- E-Mail-Programme haben zumeist einen eingebauten Spamfilter.
- E-Mail-Konten sind passwortgeschützt.
- negativ
- Es kann trotz Spamfilter zu Spam-Mails kommen.
- Passwörter sind häufig sehr unsicher und können leicht genknackt werden.
- Bei der Versendung von Mails an einen großen Empfängerkreis besteht die Gefahr, dass vergessen wird, diese “ins bcc” zu setzen.
- Es gibt Programme, die sich in E-Mail-Konten einhacken und von diesen aus Spammails versenden.
Fazit
So, damit erstmal genug der Vor- und Nachteile. Ich habe wahrscheinlich nicht 100%ig alle erfasst, denn irgendetwas vergisst man immer. Ich hoffe, ich konnte dennoch eine gute Übersicht verschaffen. Zur Verwendung von E-Mails zur digitalen Kommunikation ist zu sagen, dass sie sehr gut geeignet sind um kurze bzw. nicht überdurchschnittlich lange Nachrichten an einen unbestimmt großen Kreis an Empfängern zu senden. Sie sind auch sehr gut zu Absprachen geeignet, da man durch die entsprechende Dokumentation (Speicherung) sehr gut nachvollziehen kann, wann wer was gesagt hat. Bei Absprachen innerhalb großer Gruppen besteht allerdings die Gefahr eines sehr großen E-Mailverkehrs und überfüllter Postfächer.
Quellen
- [1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Studie-Social-Networks-legen-deutlich-zu-193772.html
- [2] http://ks.convios.com/index.php?option=com_content&view=article&id=161&Itemid=127
- [3] http://karrierebibel.de/ich-maile-also-bin-ich-e-mail-studie-2008/
Bildquellen
- “You’ve got mail”, Foto von oNico®, Link: http://www.flickr.com/photos/onico/2502673545/
- “Mail box”, Foto von Glen Edelson, Link: http://www.flickr.com/photos/glenirah/3710254798/




