Jul 192013
 

Seit dem 3. Juli ist die Füllepisode von Telltale Games‘ Zombie Adventure auf dem Markt. Da Vodzup Games aus mindestens einem großen Zombie Fan besteht und euch von Anfang an über die Entwicklung und Erscheinung der Überraschungsepisode informiert hat, passt an diesem sonnigen Zombie Friday nichts besser, als Teil Eins eines Reviews von einer sehr begeisterten Spielerin. An alle, die es noch nicht gespielt haben: Leute, es kostet unfassbare 5€. Kauft es euch und erlebt es selbst. Das lohnt sich nämlich wirklich.

das Menü im Menü

Eher untypisch beginnt die Episode mit einem interaktiven Klemmbrett an einer von Zombies überrannten Tankstelle. Der Spieler darf sich frei zwischen fünf angepinnten Bildern, jedes mit einer anderen Person darauf abgebildet, entscheiden. (Wer unsere News verfolgt hat, erkennt hier den Zusammenhang mit den kurzen Teasern, die von Telltale Games vor dem Release ins Netz gestellt wurden). Man muss hier im Gesamten einfach ignorieren, dass man scheinbar inmitten von Zombies seelenruhig herumsteht und zwischen fünf Bildern auf einem von Vermisstenanzeigen überhäuften Pinnbrett entscheiden darf. Macht auch nur in den ersten Sekunden skeptisch.

Vince: Tag 2
Das Erste, was mir sofort auffällt: Vince hat seit seinem Teaser die Ethnie gewechselt! Vorher noch kaukasisch, ist der Gute jetzt ganz offensichtlich Asiate. Verrückt! Dann fange ich doch am Besten gleich mit ihm an.
Vince beginnt seine Geschichte direkt mit einem Griff ins Klo. Er erschießt einen ihn anflehenden Typen, bekommt Panik und haut ab. Die erste Interaktion besteht darin, die Tatwaffe in einer Nebengasse loszuwerden und sich zu verdünnisieren. In der nächsten Sekunde – ein Gefängnisbus. Oje, da scheint Vinces Plan nicht ganz aufgegangen zu sein. Ein klarer Fall von schlechtem Karma.
Da sitzt Vince also in einem schicken Outfit in orange, angekettet, und starrt gelangweilt aus dem Fenster. Es geht nicht voran, der Bus steht im Stau. Vor und hinter ihm zwei Mitgefangene, mit denen Vince mehr oder weniger unfreiwillig ins Gespräch kommt. Wie kleine Kinder zerren sie an ihren Fußketten und erzählen sich ganz nebenbei, weswegen sie eingebuchtet wurden. Die Antwortmöglichkeiten für Vince sind hier in gewohnter Walking Dead-Manier: pöbeln oder Streit schlichten. Nur ein-zwei Antworten werden von den zwei Zuhörern „vermerkt“, der Rest ist also nur Hintergrundinformation.
Justin (ganz hinten) hat reichen Leuten ihr Geld abgeschwatzt, Vince wollte nur seinem Bruder aus der Patsche helfen (oh man, schon wieder die Geschwister!) und Danny wurde wegen Vergewaltigung angeklagt. Und trotzdem sind die drei nicht unsympathisch.
Genau dann, als mich das Gerede ein wenig ungeduldig macht, fängt plötzlich ein weiterer Insasse namens Crabtree (haha) an, seinen Vordermann zu strangulieren.Ein sehr nervöser Cop wagt sich in die Höhle des Löwen und bedroht den Ausrastenden mit seiner Pumpgun, das aber leider recht langsam. In der Zwischenzeit hat Vince die Möglichkeit, seinen Vordermann zum Eingreifen zu animieren oder zum stillschweigenden Zusehen aufzurufen. Als ob man groß was anrichten könnte, so angekettet wie die sind? Egal was man auch sagt, der Cop erschießt Crabtree. Einfach so.
Und während die drei mit dem Cop streiten, der Strangulierte noch ein bisschen vor sich hin hechelt und dem Spieler langsam eine böse Vorahnung kommt, fangen die ersten Übergriffe an. Schreiende Menschen, die aus dem Stau gelaufen kommen und aufkommende Panik unter den Anwesenden, so wie man sich es vorstellt. 

der „man du hast ihn umgebracht“-Blick

Endlich ist mehr als nur Reden auf dem Programm! Wie erwartet erwacht der Strangulierte als Zombie und beißt den nervösen Cop zu Boden. Jetzt hat Vince den Salat: ein (noch) angeketteter Zombie, kein Entkommen aus dem Bus (er selbst ist ja auch noch angekettet) und kein Schlüssel ist in Sicht. Selbst mit der Pumpgun, die man unter dem Cop hervorholt, ist Vince noch nicht frei. Weitere Zombies finden ihren Weg in den Bus und versuchen, durch das Gitter zu den Gefangenen zu gelangen. Nach mehreren nutzlosen Versuchen, auf die Kette zu feuern, kommt den Dreien die Idee: schießen wir doch einfach mit einer Pumpgun auf die Schlaufen an unseren Fußgelenken! Das verfehlt ganz bestimmt unser Bein und wir sind frei! Und Vince darf entscheiden, bei wem er den Versuch durchführt! What the..? Noch bevor ich überhaupt realisiere, dass der angeschossene wohl oder übel zurückbleiben wird, habe ich Danny ausgewählt und zerschieße sein Fußgelenk. Justin und Vince werden so ihre Kette los und laufen davon. Und ich sitze da und denke mir: was für ein Intro!

Wyatt: Tag 41
Interessanter Weise startet der zweite Abschnitt aus der Sicht des gerade verlassenen Gefängnisbusses, jedoch 39 Tage später. (Könnte das etwa heißen, dass alle Charaktere etwas miteinander zu tun haben oder zu tun haben werden? Man weis es nicht.)
Die Kamera schwenkt auf ein vorbeirasendes Auto. Die Zwei Insassen schieben scheinbar ganz schlimme Panik wegen einem kürzlich passierten Vorfall und werden auch noch von einem Lastwagen verfolgt. Hier werde ich von Anfang an schon ein bisschen mehr integriert. Auf den Laster schießen, bis ich einen Scheinwerfer treffe und er spontan abbiegt. Danach fahren Wyatt und Eddie mit ausgeschalteten Scheinwerfern weiter durch den nebligen Wald. Aus dem Gespräch der beiden lässt sich schließen, dass ihr Camp angegriffen wurde und der Fahrer Eddie einen von ihnen erschießen musste. Klar, die beiden Charaktere regt das auf. Für den Spieler ist Gewalt unter den Überlebenden keine Überraschung mehr. Nach einer Weile beruhigt sich die Situation, so weit dass die beiden sogar wieder lachen können. Schön, auch einmal scherzende Menschen zu sehen, neben all den panischen Leuten und den eher unlustigen Untoten.

haben Zeit für Scherze: Wyatt und Eddie

Wyatt bekommt den Auftrag, nach Gras zu suchen (Die „böse“ Sorte Gras. Kinder, Finger weg von Drogen!), findet im Handschuhfach stattdessen Munition. Oh, eine sehr subtile Art zu sagen, dass Wyatt eben diese Munition noch brauchen wird! Nachdem die Kugeln in dem Revolver verstaut sind, fahren die beiden auch schon jemanden an.
Das war vorhersehbar, aber trotzdem erschrecke ich mich wie ein kleines Mädchen. Eddie hält den Wagen an und beide Männer rätseln erst einmal ein Weilchen herum, was sie da gerade angefahren haben. Als sie sich relativ sicher sind, dass es ein Mensch war (Blut an der Frontscheibe und ein Fetzen Stoff am Seitenspiegel weisen darauf hin), beschließen sie, nach dem Überfahrenen zu sehen.
Oh mein Gott! Wie dumm! Nehmen wir mal an, es ist kein Zombie oder Tier gewesen (in den Fällen ist es nur ratsam, das Weite zu suchen). Wenn es ein Überlebender war, hat er überfahren ohne eine existierende Infrastruktur und ohne intakte Krankenhäuser doch kaum eine Überlebenschance! Und trotzdem knobeln die beiden weiter aus, wer in den verdammt dichten Nebel rausgehen und sich den (Un)toten genauer anschauen muss. Und worauf läuft es hinaus? Auf eine Partie Schere Stein Papier. Und wer verliert? Wyatt verliert! Großartig! (Notiz: wenn dich der Spieleinhalt und nicht das Spiel an sich aufregt, ist das auch gut. Das zeigt, dass dich die Story gepackt hat.) Übrigens nahm ich bis dato an, dass es dem Spieler nicht erspart bleibt, nach draußen gehenn zu müssen. Nach einem Youtube-Video weiß ich nun, dass man auch Eddie schicken kann. Die Geschichte geht in dem Fall aber trotzdem nicht gut aus.
Meine Version von Wyatt schnappt sich also die Waffe und steigt aus. Ganz langsam nähert er sich dem Überfahrenen, bis er endlich vor ihm steht. Es ist ein lebendiger Cop! Aber er ist gerade am verrecken. 

Wyatt, ihr habt ihn überfahren. Was hast du erwartet?

Was nun? Mitnehmen oder liegen lassen? Da ist Wyatt schon in die Dunkelheit hinaus gegangen, jetzt kann er den Typen doch nicht einfach liegen lassen. Also entscheide ich mich für Mitnehmen. Die folgende Passage hat bei mir für ordentlich Herzklopfen gesorgt: immer wieder muss Wyatt den Verletzten ein Stückchen zum Auto ziehen, ihn ablegen und ankommende Zombies erschießen. Das geht so lange gut, bis wir fast beim Auto angelangt sind. Der LKW vom Beginn taucht wieder auf, wie hören Schüsse und Männerstimmen, und dann fährt (vermeintlich) Eddie einfach davon. Und Wyatt bleibt auch nichts anderes übrig, als zu Fuß abzuhauen. Danke Eddie! Über welche Kameradschaft haben wir eben noch geredet? Beliebige Beleidigung einfügen. Sehr guter Cliffhanger.

Russell: Tag 184
Damit wir hier auch schön nach Geschlechtern trennen, runde ich den ersten Teil des Reviews mit der letzten Männergeschichte ab. Also ist Russell jetzt dran! Besagter läuft zu Beginn seiner Geschichte ganz entspannt und ruhig eine Autostraße entlang. 60 Meilen sind es noch (Oh man, bin ich froh, nicht in einer postapokalyptischen Welt leben zu müssen. Das wären knapp 97 Kilometer, die man zu laufen hat!). Ein LKW (mit kaputtem Licht!) nähert sich und Russell schmeißt sich ins Gras um sich zu verstecken. Neben ihm eine Leiche – Carley. Ja, genau die Carley! Für alle, die in der ersten Staffel Doug gewählt haben, würde natürlich dieser jetzt hier liegen. Trotzdem, gelungene Überraschung.

oh, hey Carley, dich gibt’s auch noch? Gut siehst du aus…

Das Verstecken nützt Russell trotzdem nichts, der Fahrer des LKW hält an und bietet ihm an, ihn mitzunehmen. Der Fahrer heißt Nate. Spätestens jetzt wird klar: das ist Nate aus Wyatts Geschichte. Er hat den Vorfall vor ca. 140 Tagen überlebt und fährt immer noch seinen LKW durch die Gegend. Er lässt Russell wissen, dass er keine Diebe mag. Halt, Logikfehler: haben wir nicht von Wyatt erfahren, dass eben dieser Nate mit seiner Bande das Camp überfallen und ausgeraubt hat, wie Diebe es tun? Das lässt Misstrauen aufkommen.
Russell steigt bei jeder gewählten Antwort ein und die beiden fahren los. Er erzählt, dass er bis vor kurzem mit einer Gruppe von Leuten unterwegs war. Dem Anführer waren sieben Leute genug, also hat er schlichtweg jeden potentiellen Zuwachs abgeknallt und ausgeraubt. So kann’s gehen. Hat Russell aber irgendwann gereicht und deswegen ist er auf dem Weg zu seiner Oma. Junge, denkst du nach einem Drittel Jahr nach dem Ausbruch der Zombieseuche wirklich, dass deine OMA noch lebt? Man erfährt es leider nicht, aber ich schätze die Chancen niedrig ein.
Nate wird für mich noch unsympathischer, als er Russell nach den Brüsten seines Schwarms befragt. Ja, amerikanische Hinterwäldler sind so, aber ich als Mädchen fühle mich hier umso mehr angegriffen. Dem Typen sieht man übrigens stellenweise richtig seinen Wahnsinn an. Das erste Mal, als er neben einem weiblichen Zombie anhält und die Fensterscheibe herunterkurbelt, damit Nate den Vorbau bewerten kann. Komm schon, die Dinger sind am vergammeln. Das kann man nicht bewerten, selbst als Mann nicht. Vermute ich.
Am Abend kommen die beide an der bereits bekannten Tanke aus dem Hauptmenü an. Schüsse aus dem Gebäude lassen sie auseinanderstoben. Nate erweist sich einmal mehr als A****loch, weil er Russell nicht die versprochene Deckung gibt. Wie sehr hatte ich doch Lust darauf, mich gegen ihn zu wenden, als Russell ihn decken sollte! Aber Tatsache ist, er hat Russell mitgenommen und bis jetzt weder angegriffen noch verraten. Deswegen entscheide ich mich an dieser Stelle, Nate Deckung zu geben. Nate plant, durch den Hintereingang in das Gebäude zu gelangen und den Angreifer kalt zu machen.
Als sie fast am Gebäude sind, rettet Nate Russell sogar noch den Arsch. Was soll man denn jetzt von diesem Proleten halten? Nach ein wenig Rumgeschleiche stellen die beiden den Angreifer: es ist ein alter Mann mit seiner angeschossenen Frau. (Warum sind alte Menschen so treffsicher mit Schusswaffen? In Europa würde sowas nicht gehen.)
Etwas verwirrt fängt der Opa an, Nate zu beschuldigen, dass dieser schon einmal hier gewesen ist und seine Frau angeschossen hat. Nun wolle er „sein Werk vollenden“. Und irgendeine Maske soll er mitgenommen haben. Leider gibt es keinerlei Hinweise, ob Nate das wirklich getan hat oder es irgendwelche andere Proleten waren. In Walking Dead gibt es ja genug davon. 

ich weis ja nicht, aber Nate hat hier definitiv eine Kugel in den Kopf verdient. Leider steht das nicht zur Option

Die Entscheidung liegt nun an Russell, das alte Pärchen mit Nate umzubringen und die Tanke zu plündern oder sich gegen Nate zu stellen. Ich lasse Russell seine Meinung sagen und gehen. Draußen angekommen, hört Russell noch Schüsse, dann ist auch seine Geschichte vorerst beendet. Man, hoffentlich kommt Nate nicht raus und macht auch noch Russell kalt! Aber das erfahre ich bestenfalls in der kommenden Woche, wenn alle Geschichten erlebt und der Zusammenhang aufgezeigt ist.

 

Spread the world!
     Posted by at 18:32
    Zur Werkzeugleiste springen