Dez 012013
 

Das neueste Werk von Quantic Dream, dem Entwicklerstudio, dass die Inszenierung in Videogames jedes Mal auf eine neue Stufe heben will, ist nun schon eine Weile zu haben. Mehr denn je ein Film zum selberspielen, ist Beyond auf jeden Fall Geschmackssache, aber dennoch ein wichtiges Beispiel, wie Geschichten und Emotionen in Spielen zum Tragen kommen können, wenn auch in diesem Fall auf Kosten des Spielgefühls. Doch wir lassen nun einmal die Protagonisten zu Wort kommen. Jodie und Aiden haben uns ihre Ups und Downs des Abenteuers geschildert. (Leichte Spoilerwarnung)

AIDEN

“Also eines muss ich ja nun erst Mal klarstellen. Ich fühle mich von der Menschheit wirklich zutiefst missverstanden! Während des ganzen Spiels fürchten sich fast alle vor mir und tun so, als wäre ich der fiese Poltergeist von nebenan. Und woran liegt das? Weil mir das Drama auf Schritt und Tritt folgt. Das liegt nicht zuletzt an meinen doch sehr eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten. Ich habe ja nur die Wahl zwischen: Leute ersticken, Leute durch die Gegend hauen, und Leute beherrschen (und die muss ich dann auch im Endeffekt fast immer in den Freitod schicken…*grummel* Da kriege ich langsam selbst schon Depressionen.) Wenn die kleine Jodie von fiesen Jungs mit Schnee eingeseift wird, darf ich nicht mal entscheiden, ob ich dem Rotzlöffel einfach `ne kleine Schelle gebe, sondern darf ihn nur würgen. DANKE QUANTIC DREAM! Weil ihr in eurem Inszenierungswahn immer so übertreiben müsst, darf ich nicht der körperlose Superheld sein, der ich eigentlich sein könnte. So ging das das ganze Abenteuer lang…. Und von meinen heldenhaften Kämpfen gegen die bösen schwarzen Seelen, die die Menschheit angreifen wollen, bekommt natürlich niemand was mit! Jaaa ich weiß was jetzt kommt: „Ach Aiden, du musst da doch auch immer nur abwechselnd stoßen und würgen. “ JA UND? Mehr hab ich ja auch nicht spendiert bekommen. Und wenn die Viecher da von allen Seiten auf einen Zuschießen und ich gleichzeitig Jodie beschützen muss, krieg ich auch Stresszustände! Und sie kriegt dann wenigstens ab und zu ihren Heldinnenmoment, aber wer macht die ganze Arbeit? Ich.

So, jetzt hab` ich mich schon wieder in Rage geredet. Ich bin raus. Ihr findet mich in meiner Garderobe. Ach nein! Geht ja gar nicht! Weil ich ja über diese verdammte magische Leine an Jodie festgekettet bin, die im Nebenzimmer sitzt! Das ist auch wieder so was. Da hat sich David Cage wohl gedacht: „Wir geben Aiden grenzenlose Freiheit. Er kann als immaterielles Wesen durch alles durch fliegen.“ Super Freiheit ist das. Wenn man immer nur zwei Zimmer weit kommt. Wegen dieser blöden Schnur. Und dann heißt´s wieder: Keine Ressourcen, zu viel Aufwand, die ganze Welt um euch herum zu modellieren. Als ob man meine Macht nicht schon genug beschnitten hätte…

Aber wenn man dann mal tief durchatmet, dann geht das alles schon irgendwie. Immerhin kann ich mich ja wirklich nicht beschweren, unser Leben wäre zu langweilig. Jodie und ich haben wirklich eine bewegte Zeit hinter uns. Emotionale Höhen und Tiefen. Insofern war es jetzt rückblickend schon eine harte, aber wirklich gute Zeit… Und da zieht`s schon wieder an der Leine. Ich bin dann mal weg!

JODIE

„Man hat es schon nicht leicht als Hauptcharakter eines Spiels heutzutage. Erst Recht nicht als weiblicher. Ich meine, mal ehrlich, in den 90ern hat es gereicht dreieckige, große Polygon-Brüste zu haben. Man musste nicht mal ein Wort sagen, höchstens mal stöhnen. Heute muss ICH authentisch, echt und verletzlich wirken. Da muss ich mich nicht nur mit diesem nervtötendem Aiden, der da so herum schwirrt herumplagen, (DER MIR SOGAR MEINE DATES VERSAUT!!!1!elf!) nein ich muss auch noch massig Gegner verprügeln. Und was setzt dem ganzen den Hut auf: Es wird auch noch rumgemeckert, dass die Kämpfe langweilig, immer gleich und fast ohne Konsequenzen bei Fehlern, seitens des Spielers wären! Das hab ich ja nun wirklich nicht verdient.

Ebenfalls total vernachlässigt werden für mich lebensverändernde Entscheidungen! Da muss ich mich entscheiden, wer stirbt und wer nicht und was mit meinem GANZEN restlichen Leben passiert und es wird sich beschwert, dass das nicht genug wäre und total banal ans Ende des Spiels geklatscht. Also mal ehrlich, was wollen die Leute eigentlich?

Denn mal ehrlich: jeder, der meine Geschichte verfolgt hat wird davon begeistert sein! Mein Leben war ein grandioses Abenteuer, ich habe gelitten und gekämpft, bin geklettert, gerannt, habe unzählige Leben genommen und gerettet. Ihr wart ein Teil davon und habt jede Sekunde genossen. (Die vereinzelten Stimmen, die kritisieren, es gäbe keinerlei „Wiederspielwert“ ignoriere ich gekonnt!)

Meine Lebensgeschichte wird vielen in Erinnerung bleiben, die unerwarteten Wendungen und tollen Charaktere, mit ihrer ganz eigenen einzigartigen Persönlichkeit sind fast ungeschlagen. Ich hoffe ihr hattet Spaß. Ich bin dann mal die Welt retten, komm Aiden!“

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