Dez 132013
 
The Cat Lady

Quelle: deviantart.net
Es erwartet uns eine tiefgründige Geschichte…

Für den Freitag, den 13. Dezember im Jahr 2013 haben wir dieses Mal ein ganz besonderes Spiel herausgesucht: The Cat Lady.

Anmerkung hier: Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dieses Spiel erst ab 18 Jahren freigegeben ist. Wer noch nicht volljährig ist und dennoch weiterliest oder auf Links klickt, handelt auf eigene Gefahr.

Name: Ashworth, Susan
Alter: 40
Angehörige: keine, mit Ausnahme ihrer Katzen
Todesursache: Suizid durch Überdosis Schlaftabletten

Es beginnt mit dem Tod

Zu Beginn des Spiels lernen wir Susan Ashworth kennen, eine Frau, die sehr einsam und verloren ist und in nichts mehr in ihrem Leben Hoffnung finden kann. Nur noch ein paar Katzen, darunter eine schwarze mit schauderndem Blick, haben sie bislang im Leben gehalten. Sie erzählt von ihrem Suizid, von den zu vielen Schlafpillen, die sie nahm, um endlich gehen zu können. Doch es kommt anders als sie denkt.

 

Erwachen von Susan

Quelle: kinguin.net
Eine kühle Brise im warmen Sommerlicht begrüßt Susan Ashworth

Wir erwachen auf einem goldgelben Feld, das von der Abendsonne beleuchtet wird und eine tiefe Ruhe ausstrahlt. Der Himmel ist malerisch blau und bietet zu uns, einer grauen Dame, einen herrlichen Kontrast. Langsam erkunden wir unsere Umgebung und stoßen schnell auf erste Rätsel, die gelöst werden müssen.

Die Steuerung in The Cat Lady ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, doch intuitiv. Die Eingabe- sowie die Pfeiltasten genügen, um Susan durch ihre Geschichte zu leiten. Wir haben ein Inventar, in dem wir notwendige Gegenstände zur Lösung der Rätsel aufbewahren können. Wir können alle Gegenstände einzeln untersuchen, sie benutzen und je nach Situation mit ihnen interagieren. Da es sich bei The Cat Lady um ein 2D-Indie-Game handelt, wechseln die einzelnen Bildschirme, wenn wir an den Rand des Bildes gehen. Für ein 2D-Point’n’Click-Spiel eine normale Begebenheit, doch wird sich dieses Feature von den Entwicklern intelligent zu Nutze gemacht. Doch dazu später mehr.

Wir finden ein junges Reh, dem wir hinterher laufen sollen, und das uns den Weg zeigt. Durch einen kleinen Wald, in dem ein einzelner Rabe einsam krächzt und der davon fliegt, sobald wir ihm zu nahe kommen, finden wir hinter einem herbstlichen Blätterdickicht einen alten Baum.

An dem wir hängen. Tod durch Strangulation.

In einem perversen Akt müssen wir unsere eigene Leiche durchsuchen, um voran zu kommen. Und während wir vor einigen Bildschirmen noch in aller Seelenruhe durch das Gras gewandert sind, stolpern wir nun von einem ekelerregenden Bild ins nächste. Wunderschöne Landschaften kombiniert mit dem Tod auf grausamster Weise. Doch das soll uns nicht aufhalten.

The Queen of Maggots

eine zwielichtige Gestalt

Quelle: adventuregames.com
Wer ist sie? Kann sie uns helfen?

Wir kommen an einem alten kleinen Haus an, auf dessen Terrasse eine ältere Dame steht, die sich weigert uns ihren richtigen Namen zu nennen. Sie weiß jedoch alles über Susan und ihren Tod und lädt uns auf ein Gespräch nach drinnen ein.
Sie unterbreitet uns ein Angebot. Sie erzählt uns von Menschen, die es im Gegensatz zu uns verdient haben zu sterben. Menschen, die andere betrügen, belästigen, hintergehen, demütigen, ermorden. Sollten wir ihr diese Menschen aus dem Weg räumen, schenke sie uns eine zweite Chance, ein Leben zu führen.
Susan zögert. Schließlich will sie nicht mehr leben, dachte, es wäre nun endlich vorbei und sie könne Frieden finden. Doch scheinbar hat sie sich geirrt. Widerwillig kann man das Angebot annehmen, doch sich auch gegen sie auflehnen. Es ist eure Entscheidung.

Das Krankenhaus

Nach einem weiteren, äußerst blutigem Traum (?) erwachen wir in einem Bett einer psychiatrischen Klinik in der Abteilung für Suizidgefährdete. Man hat Susan den Magen ausgepumpt und konnte sie retten, jedoch ist sie nun dazu verdammt, Drogen zu nehmen, die sie still halten sollen. Es muss ein Weg nach draußen gefunden werden, doch der führt nicht an Doktor X, den Leiter der Klinik, vorbei. Wir beteuern ihm, dass wir gesund sind und nach Hause wollen, doch erst nach einigen rebellischen Versuchen gelingt es uns, mit ihm zu sprechen.

Und in diesem Moment beginnt, nach den unglaublich verstörenden, bizarren Versionen der Verstümmelung, der Folter, des Todes die wirklich tragische Geschichte der vereinsamten Susan Ashworth. Der Doktor spricht mit uns und wir können die Antworten von Susan auswählen. Egal, welche Entscheidungen man trifft: man lernt in einem intensiven Gespräch, das dazu anregt seine eigene Umgebung aus einer anderen Perspektive zu betrachten, eine wirklich tiefgründige Frau kennen und entwickelt Mitgefühl und Verständnis für sie, das im Laufe des Spiels noch häufiger ins Wankeln kommt und von anderen schamlos ausgenutzt wird.

Doktor X

Quelle: Steam
Sprechstunde bei Doktor X

Im Laufe des Spiels lernen wir also die Geschichte einer Frau kennen, die uns beschäftigt. The Cat Lady verwirrt dermaßen und gibt gleichzeitig so viel Klarheit. Es ist eine unglaubliche Atmosphäre, die das Team von Harvester Games geschaffen hat, die den Spieler die Zeit vergessen lässt.
Wie bereits erwähnt, ist The Cat Lady ein 2D-Indie-Game, das eine sehr interessante Grafik hat. Während die Hintergründe und Orte sehr malerisch und künstlerisch wirken, sind die Figuren, denen man begegnet, äußerst grau und grotesk. Der Zeichenstil, der einen solchen Kontrast darstellt zum wunderschönen Hintergrund, ist arg gewöhnungsbedürftig, da man sich von einem Spiel unserer Zeit vielleicht doch bessere Animationen der Sprites wünscht.
Der Soundtrack ist intelligent eingesetzt worden, sodass an den richtigen Stellen das Gänsehautgefühl verstärkt wird. Die Vertonung hingegen schwächelt: häufig sind Wörter mit harten Konsonanten am Anfang übersteuert, sodass manch ein Charakter kein wirkliches Vergnügen für die Ohren darstellt. Allem in allem passt es jedoch zu den bizarren Protagonisten.
Die Rätsel sind knifflig. Man muss schon so einige Gehirnzellen anstrengen oder häufig Trial-and-Error anwenden, um wirklich ohne Gedankenpause weiterspielen zu können. Sie sind intelligent gemacht, jedoch auch machbar.

Fazit

The Cat Lady ist ein Spiel, das zum Nachdenken und Mitfühlen anregt, da man tief in den Charakter einer depressiven Person hineinschaut und von ihr lernt. Die Atmosphäre ist einzigartig, doch mag genau das eventuell auch zum Nachteil werden. Es ist solch ein bizarres, makabres und intensives Spiel, das es wohl eher die Nische als die große Spielerschaft anspricht. Doch wenn man sich dazu entschließen sollte, erhält man eine Spielerfahrung, die wirklich selten anzutreffen ist.
The Cat Lady ist in mehrere Kapitel aufgeteilt, die jedoch alle in einem Spiel vereint sind (also nur ein Kauf). Das Spiel ist seit dem 01. Dezember 2013 erhältlich und kostet läppische 8,99€ bei Steam.

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