Mai 312014
 

Wie ein sommerliches Feuer im australischen Busch, die schwarze Pest im Mittelalter oder der Twerk von Miley Cyrus, so ist auch der gute alte RPG-Maker nicht so einfach auszulöschen. Nach wie vor spucken seine treuen Anhänger ein Spiel nach dem anderen aus, die nach dem heutigen Stand als eher technisch minderwertig betrachtet werden könnten, denn sowohl Grafik, Physik als auch Spielmechaniken dieser kleinen Rohdiamanten sind schon längst völlig überholt. Trotzdem: Was sind da nicht schon alles für tolle Spiele entstanden. Sogar in Deutsch! Gerne erinnert man sich noch an den Vampir-wider-Willen-Valnar in „Vampires Dawn“ 1 und 2 oder den gedächtnislosen Helden Grandy von „Unterwegs in Düsterburg“ zurück.
Apropos Gedächtnis: Das kann jemanden schnell mal abhandenkommen, wenn man zu viel Alkohol trinkt. Warum das an dieser Stelle erwähnt wird? Weil „Des Atwentscher of Sepp“ sich im Großen und Ganzen um das Thema Alkohol oder besser: Bier dreht.

Der Spieler wird gleich am Anfang des Vergnügens mit dem Bayern Sepp konfrontiert, der ein kleines Alkoholproblem hat. Am Vortag gab es ein kleines Saufgelage, weswegen der Gute erst einmal in seine Bude reiern muss. Lecker! Da Sepp zunächst auf sein Leben klarkommen muss, liegt das erste Ziel im örtlichen Wirtshaus seines Heimatdorfes Reiersheim. Da wird auch gleich bis zum Erbrechen gesoffen. Da das aber nicht immer so weitergehen kann, erschließen sich Sepp und seine Kuh Heinrich dazu, die langweilige Heimat zu verlassen, um die skurrilsten Atwentschers zu erleben.

Im Grunde handelt es sich bei diesem Spiel um ein Rollenspiel. Man steuert den Bayern Sepp und nimmt allerlei Teammitglieder jeglicher Art auf, wovon einige sogar tatsächlich zu gebrauchen sind. In erfolgreichen Kämpfen gegen angriffslustiges Feuer, Bierflaschen, nervige Fische, Drachenverschnitte, andere Menschen, die Programmierer selbst uvm erhält man die Währung Biermark (BM), einige Promille und sogar neue Fähigkeiten, die in den rundenbasierten Kampfpartien helfen sollen. Außerdem sind bei einigen Händlern Items erwerblich, die man mehr oder weniger gut in den epischen Gemetzeln benutzen kann. Die Kämpfe werden zudem im Laufe der linearen Handlung anspruchsvoller. Während die Gegner am Anfang noch verzweifeln, grinsen und husten, verwenden sie später Angriffe, die die wertvollen HP unserer wackeren Helden abziehen. Irgendwann sogar im großen Maßstab. Der dunkle Lord Selters hat nämlich die heilige Bierflasche entwendet und will ein alkoholfreies Imperium errichten. Da muss natürlich auch mal ernst gemacht werden.

Neben der schrulligen Handlung gibt es in dem Spiel zahlreiche Anspielungen auf die verschiedensten Medieninhalte. Die Schlümpfe, Dragonballs, Ghosbusters und sogar Ex-Präsident George W. Bush: Alles wird durch den Kakao gezogen. Allgemein sollte man sich zudem darauf einstellen, dass das Spiel eine ganze Menge Fäkalhumor, Kleinkindhumor bzw. schwarzen Humor beinhaltet. Viele unter euch könnten bezweifeln, dass das Spiel überhaupt lustig ist. Nicht jeder Witz in diesem Game zündet. Aber wenn es zündet, dann verbrennt ihr fürstlich in den fackelnden Flammen des Frohlockens!

Humor, wie dieses Beispiel deutlich zeigt, ist Geschmackssache

Technisch ist das Spiel wie gesagt kaum der Rede wert. Der klassische Look der RPG-Maker Spiele bestimmt die Grafik des Games. Die Musik ist auch sehr typisch, auch wenn sehr viele Songs aus der Pop-Kultur Verwendung finden. Man kann in Sepps Welt so ziemlich alle Leute, Tiere und Gegenstände anquatschen, viele Texte enthalten dabei kleine Rechtschreibfehler.

Doch das ist alles nebensächlich, denn wenn man das Spiel erst einmal an sich rangelassen hat, so versprüht es durchaus seinen Charme. In gemütlicher Gesellschaft oder an einem verregneten Samstagnachmittag ist es der ideale, weil auch kurzweilige Zeitvertreib. Darauf ein Prost! Der Sepp is scho a sympathischer Bub!

Spread the world!
     Posted by at 11:45
    Zur Werkzeugleiste springen