Jun 072014
 
Hau ihn um, der Kandidat ist dumm!

Casting-Shows: Man hast sie oder man hasst sie. Oder man haast sie. Die 3 Optionen gibt es. Manche lieben die aber auch. Falls du sie hasst oder haast, hast du die Möglichkeit, damit auf höchst zivilisierte Weise umzugehen. Wie? Prügelstar führt dich an der Hand und gibt dir eine Anleitung, wie du auch in der Realität mit sowas umgehen kannst.

Ein schöner Rücken kann auch entzücken. So sagt der Volksmund. Aber den Rücken der Kandidaten gibt es in diesem Spiel eher selten zu sehen. Ist ja auch unvorteilhaft. Denn hier gibt’s nur aufs Maul! Und das ist auch schon alles, was das Spiel zu bieten hat. Mit zahlreichen Wurfgeschossen in Form von Lebensmitteln, Lautsprecherboxen und riesigen Bowlingkugeln geht es den Casting-Kandidaten an den Kragen. Da haben Isolde Schweigen und Carry Mehoum nichts mehr zu lachen!

So peppt man in 30 verschiedenen Levels den grässlichen Gesang und die Augenkrebs hervorrufenden Tanzeinlagen der Opfer gewaltig auf. 20 Wufgeschosse gibt es für die insgesamt zehn verschiedenen Kandidaten, die jeweils eine andere Stilrichtung von elektronischer Musik bis Volksmusik vertreten. Allerdings kann man sich auch seine eigenen Kandidaten basteln und eine Audiodatei im MP3-Format dazulegen. So kann man auch Moneyboy oder Fritz von und zu den Thüringer Klößen Tribut zollen. Beleidigungen wie „Du Weihnachtsmann!“ inklusive.

Die Grafik des Spiels, das 2003 erschien, ist im Comic-Stil gehalten. Irgendwie knuffig, aber trotzdem kaum der Rede wert. Auch die musikalische Untermalung des Spiels geht dem Durchschnittsbürger Max Mustermann gelinde gesagt, irgendwann gehörig auf den Sack. Wie gut, dass die einzelnen Songs sogar extra als Audiotracks separat dem Spiel beiliegen. Spielt das Kindergartenkindern im Alter von 3 bis 6 Jahren jede Nacht als Gute-Nacht-Musik vor und ihr züchtet kleine Hartz IV Empfänger heran.

Aber in dem Spiel geht es auch gar nicht so sehr um die Musik oder Grafik. Es geht auch nicht darum, alle 30 Levels mit Bravour durchzuzocken. Nein! Wie auch schon bei den alten Zen-Buddhisten ist hier der Weg das Ziel. Bis man zu dieser Interpretation des Spiels kommt, vergehen locker mindestens zehn Jahre. Soviel Tiefsinnigkeit hätte man Prügelstar gar nicht zugemutet. Da muss man dem Spiel echt Respekt entgegenbringen.

Martin Fischer

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