Apr 052012
 

Da der Veröffentlichungstermin von Mass Effect 3 in die Ferienzeit gerutscht ist und wir keine Folge zu dem lang erwarteten Serienfinale gemacht haben, hier der Nachtest von Stefan:

 

Mass Effect 3. Wie sehr hatte ich mich auf dieses Spiel gefreut. Das erste Mal, dass ich eine Collectors Edition für ein Spiel gekauft habe. Zu groß war meine Vorfreude, zu sehr bin ich Fan der ersten beiden Teile. Wer die nicht gespielt hat, der hat dringenden Nachholbedarf – Das Sci-Fi Universum von Mass Effect (ME) schlägt meiner Meinung das von Star Wars und Star Trek. War Teil eins noch ein Rollenspiel-Shooter, wurde der zweite Teil zu einem reinrassigen Shooter umgebaut mit sehr starken Storyelementen. Wo reiht sich Mass Effect 3 ein?

Fangen wir ganz von vorne an. Commander Shepard ist in Vancouver, unehrenhaft aus dem Militärdienst entlassen verbringt er seine Tage auf der Erde. Warum und wieso, das erklärt das Spiel nicht, nur wer den kostenpflichtigen DLC „The Arrival“ für ME 2 gespielt hat weiß, was aus Shepard, Normandy und Crew passiert ist. Wer hingegen keine 10 Euro für das Bindeglied zwischen ME 2 und ME 3 ausgegeben hat, der wird sich so einige Fragen in den ersten Spielstunden stellen. Wo ist eigentlich die Person, mit der Shepard im zweiten Teil eine Beziehung angefangen hatte?

Doch viel Zeit zum Wundern bleibt nicht: Die gefürchtete Invasion der Maschinenwesen „Reaper“ beginnt, die Erde wird in Schutt und Asche gelegt. Shepard flieht mit Hilfe seines Vorgesetzten Admiral Anderson (war der nicht noch in Teil 2 Mitglied des galaktischen Rates?!)  und der Normandy von der Erde, spannend und emotional in Szene gesetzt. So kennt man Mass Effect.

Was dann kommt, ist Mass Effect Standard: Wir hetzen von Aufgabe zu Aufgabe, Suchen Planeten nach Vorräten ab und versammeln eine Crew hinter uns. Das Alles, um für den Krieg gegen die Reaper zu rüsten und die Erde zu befreien. Um das zu erreichen, klopft die Menschheit (also natürlich Shepard) an der Tür jeder Rasse der Galaxie: Eine gemeinsame Flotte aus Asari, Turianern, Quarianern und Co. soll die seelenlosen Reaper aufhalten. Dass deren Heimatplaneten auch in Schutt und Asche liegen und die Diplomaten nichts besseres zu tun haben, als auf alte Feindschaften zu bestehen, macht die Sache nicht einfacher. Und so bemühen wir uns, Frieden zwischen den einzelnen Völkern zu schließen und sie letztendlich gemeinsam gen Erde zu schicken.

Dabei bleibt Mass Effect 3 seinem Vorgänger treu. Grafik und HUD haben sich nicht groß verändert, immer noch haben wir es mit einem Shooter zu tun, der nun allerdings wieder etwas mehr auf Charaktertalente wie aus Rollenspielen gewohnt setzt. Ein ernsthaftes Rollenspiel braucht dennoch niemand erwarten, mehr als ein paar Talentpunkte verteilen und Waffen wählen sowie modifizeren geht nicht. Was uns dann vor die Knarre gesetzt wird, ist mehr als abwechslungsarm: Reapermutanten in den Geschmacksrichtungen Mensch, Asari, Kroganer, Turianer und Co., Agenten der Terrororganisation Cerberus sowie in genau zwei Missionen ein paar Roboter der Geth, das wars. Folglich gibt es eigentlich nur zwei große Gegnerfraktionen, die uns immer das selbe Zeug entgegen werfen, nach 30 Stunden Spielzeit kann man da schon durchaus genervt sein. Warum wir im dritten Teil, ohne Erklärung, jetzt auch auf einmal ein Lichtschwert Ersatz für den Nahkampf haben, welches tatsächlich nur aus Licht bestehen müsste, verstehen wir auch nicht. Alle anderen Gegner mit Nahkampfwaffen rennen uns mit normalen Metallklingen entgegen.

Viel besser hingegen: Die nicht-kriegerische Interaktionen. Wiedereinmal dürfen wir uns durch gut geschriebene Dialoge klicken und dabei Antwortoptionen von Gut bis Böse wählen, abermals nehmen die Gespräche einen Großteil des Spieles ein. Zudem überhört Shepard nun auch Dialoge anderer Personen und kann dann in diesen einer Person Recht geben, was unseren Ruf erhöht, aber keine besonder Auswirkungen hat: Shepard wählt in jedem Falle einen klugen, passenden Satz. Trotz aller Kriegsbemühungen enthält Shepards letztes Abenteuer auch Nebenaufgaben, die größtenteils klug in die Vorbereitung der Kriegsflotte eingewoben sind. Wer eine Gruppe von Technikern vor Cerberusagenten rettet, der darf auf diese Techniker in der Endschlacht zugreifen.

Die Story kommt gut in Fahrt und man trifft viele alte Bekannte aus den Vorgängern wie Mordin, Wrex oder Thane, die meisten Nebenhandlungsstränge werden klug zu Ende geführt und können auch zu Tränen rühren – je nach unseren Handlungen. Denn wieder sind unsere Entscheidungen ausschlaggebend. Wieder wählen wir zwischen Paragon und Renegade, zwischen gut und böse, und oft ist gut nur gut gemeint. Das macht das Spiel sehr spannend, denn ständig wollen wir wissen, wie es weiter geht, und nicht nur einmal sitzt man vor dem Bildschirm und zerbricht sich den Kopf, wie man weiter machen soll.

Zum Schluss noch ein Wort zum Schluss: Das Ende von ME3 hat für viel Kontroverse gesorgt, Foren sind gefüllt mit dem Zorn der Fans. Zurecht: Das Ende von ME3 ist uninspiriert, voller Logiklöcher und urplötzlich – wie das Schicksal der Galaxie nach dem Ende aussieht, das wird nicht einmal mit einer Texteinblendung erklärt. Auch ob Shepard tot ist oder lebt wird nicht erklärt. Eine gute Story über drei Spiele hinweg innerhalb der letzten halben Stunde mit noch mehr Fragen zu füllen, als wir in den letzten 120 Stunden hatten, das ist schon eine Kunst – wenn auch keine rühmliche. Bioware hat jedoch auf die Kritik reagiert und arbeitet bereits an einem neuen Ende, der kostentlose DLC „The Truth“ wurde bereits angekündigt.

Fazit: Gemessen an anderen Spielen ist Mass Effect 3 ordentlich: Die Grafik ist stimmig, aber konsolig-altbacken, der Shooterteil orientiert sich an Gears of War, bietet aber kaum Vielfalt bei Waffen und Gegnern, die Story ist spannend, bietet aber Logiklöcher bis hin zu einem unbefriedigenden Ende. Gemessen an Mass Effect ist es der schwächste Serienteil: Die geringste Erkundungsfreiheit, die kürzeste und schwächste Story. An jeder Ecke erkennt man, dass der Zeitdruck für Bioware zu groß war, das der Publisher Electronic Arts zu sehr auf Veröffentlichung gedrängt hat, ohne auf die Qualität des Spiels zu achten. Und trotzdem sieht man in den Interaktionen mit alten Freunden wie Garrus, wie gut dieses Spiel seien könnte, wie emotional packend ME 3 über Strecken sein kann- muss! Wer Mass Effect 3 spielen will, dem sei folgendes empfohlen: Das alternative Ende von Bioware abwarten und zuvor (nochmals) ME 1 und ME 2 spielen.

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