Okt 052014
 

„Unter Masochismus versteht man die Tatsache, dass ein Mensch (oftmals sexuelle) Lust oder Befriedigung dadurch erlebt, dass ihm Schmerzen zugefügt werden oder er gedemütigt wird.“ So lautet die Definition von Masochismus auf Wikipedia. Was hat das mit dem heutigen Indie Game zu tun, werdet ihr euch fragen. Ganz einfach: Mit Cloudberry Kingdom erwartet euch wahrscheinlich das erbarmungsloseste, härteste und erniedrigendste Jump’n’Run aller Zeiten. Und mir hat es unglaublich gut gefallen.

Den Plattformer, der alle Plattformer beenden soll, so nennen die Entwickler von Pwnee Studios ihr kleines Werk Cloudberry Kingdom. Na, das kann ja heiter werden, denke ich als ich den Helden Bob kennenlerne, der zum hundertsten Mal die Prinzessin aus den Klauen des Bösewichts Kobbler befreien soll. Doch irgendwie hat Bob überhaupt keine Lust darauf. Auch die Prinzessin ist ziemlich angeödet vom Helden. Schaut man sich die Level an, die Bob erwarten, kann man vollkommen verstehen, warum er sich die Tortur nicht antun möchte. Aber wir machen uns trotzdem auf den halsbrecherischen Weg…

Quelle: Pwnee Studios

Die Story von Cloudberry Kingdom umfasst 280 Level, die jeweils nur eine Durchlaufzeit von 10-30 Sekunden haben. Doch in kürzester Zeit werden die Level so schwer, dass man hunderte Bildschirmtode stirbt, bevor man diesen kurzen Weg zum rettenden Tor schafft. Laserbeschuss, nur wenige Plattformen, schwingende Todessterne und vieles, vieles mehr stellen sich als Hindernisse in den Weg. Doch irgendwie bin ich trotz der vielen Tode kaum frustriert und falle in eine Art Flow-Zustand, in dem ich den Level bis in kleinste Detail auswendig lerne. Nur so schaffe ich es an das Ziel, denn ab einem gewissen Punkt gibt es scheinbar nur einen richtigen Weg, der absolut perfekt getimt werden muss. Eigentlich muss man nur Laufen und Springen, doch Cloudberry Kingdom erschafft so viele Hindernisse, dass selbst dies zur Tortur wird. Kommen dann noch Bobs „Spezialfertigkeiten“ hinzu, die in manchen Level unerwartet auftauchen, verändert dies eine ganze Menge. Mit dem Jetpack wird die Sprungphysik komplett verändert, am Rad gekettet wird das Bremsen so gut wie unmöglich und als Phasen-Bob ändert der Held auch noch ständig seine Größe. So wird das Spiel noch schwieriger als es sowieso schon ist. Doch irgendwie spornt einen diese Unmöglichkeit den Level zu schaffen, noch etwas weiter an. Sollte man es tatsächlich schaffen die gesamte Story durchzuspielen, haben die Entwickler noch einiges für in Petto. Und zwar unendlich viele Level. Ja, richtig gehört: UNENDLICH! Durch einen von Pwnee Studios entwickelten Algorithmus lassen sich mit einigen Einstellungen (gewünschte Schwierigkeit, Länge des Levels, etc.) zufällige Level erstellen. Und egal wie schwer die Level werden, sie sind alle im Grunde theoretisch zu schaffen.

Quelle: Pwnee Studios

Als Hilfestellung besteht die Möglichkeit die AI den Level in einem Video vorspielen oder sich den richtigen Weg während des Spiels anzeigen zu lassen. Wer zudem noch seine Freunde foltern möchte, der kann mit bis zu vier Mitstreitern lokal zusammen und gegeneinander spielen. Im Bungee-Modus hängen die Helden durch ein Seil zusammen und beeinflussen ihre Physik gegenseitig. Um den Überblick bei all den Hindernissen zu behalten ist das Spiel grafisch relativ simpel im Comicstil gehalten. Als Kritikpunkt muss leider die Musik angemerkt werden, die meist mehr frustriert und nervt als das bockschwere Spiel. Technogedudel im Dauerlauf passt leider überhaupt nicht zum Titel. Mal stresst die Musik mit schnellem Beat zu sehr, manchmal ist sie aber zu ruhig und einschläfernd. Nach kürzester Zeit habe ich das Spiel auf Mute gestellt, um mich besser auf die Level konzentrieren zu können.

Quelle: Pwnee Studios

Cloudberry Kingdom ist für Spieler zu empfehlen, die sich richtig in ein Spiel verbeißen können, weil sie es unbedingt schaffen wollen. Der langsame Weg zum Erfolg, das Auswendiglernen einer jeden Hürde kann unglaublich motivierend sein – auch nach dem tausendsten Tod noch. Manch anderen Spieler kann der unfaire Schwierigkeitsgrad auch abschrecken. Wer Bock auf Verzweiflung und Demütigungen hat, kann sich Cloudberry Kingdowm für circa 10 € für PC, Mac, Playstation 3, Playstation Vita, Xbox 360 und Wii U in den jeweiligen Downloadportalen herunterladen.

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