Nov 272014
 

 

Blaue Sporttaschen, schreiende Männer und am Boden kauernde Zivilisten. Was klingt wie ein außer Kontrolle geratenes Völkerballspiel, ist eigentlich „nur“ das Ende eines Überfalls in Payday 2. Bereits im letzten Jahr für PC, XBOX360 und PS3 erschienen, feilen die Schweden von Overkill Software zusammen mit Starbreeze Studios seitdem an der Koop-Verbrechersimulation und zeigten mit Crimefest-Update im Oktober, dass Payday 2 noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Ein Grund mehr sich das Spiel mal genauer anzusehen.

Gleich vorne weg: Wer sich eine filmreife Story im Stil von „Ocean’s Eleven“ oder „The Italian Job“ erwartet, wird bitter enttäuscht. Auf eine Story verzichtet Payday 2 nämlich komplett; zumindest im Videospiel. Wer mehr erfahren möchte, sei die gleichnamige Web Series empfohlen, für die 505 Games den Regisseur Demian Lichtenstein („3000 Miles to Graceland“) verpflichten konnte. In den sechs Episoden dreht sich alles um die gemeinsamen Raubzüge der Hauptcharaktere Dallas, Hoxton, Chains und Wolf. Besonders tiefsinnig wird die Story aber nie und darf sich mit Recht trashig nennen.

 

Seit November 2014 kann zwischen insgesamt sechs spielbaren Charakteren gewählt werden, allerdings haben diese keine Auswirkungen auf die Fähigkeiten. Dafür sorgt schon das ausgeklügelte Skillsystem, in dessen fünf Klassen (Mastermind, Vollstrecker, Techniker, Geist, Flüchtiger) im Karriereverlauf fleißig Punkte gepumpt werden dürfen. Außerdem fügte das Crimefest-Update ein erweitertes Perk-System hinzu. Je nach gewählten Klasse umgeht man seine Gegner, schaltet Kameraschleifen und schleift bewusstlose Wachen in dunkle Ecken oder mäht einfach alles und jeden um der sich zwischen Spieler und Beute stellt, was gerne mal in ein mittelgroßes Massaker mit hunderten toten Polizisten ausarten kann.

Aber egal auf welchen Weg, die zuschaltbaren KI-Helfer versagen in allen Disziplinen. Weder tragen sie Beutetaschen, noch fesseln Sie Zivilisten, die sonst die Polizei informieren könnten. Payday 2 will eindeutig mit anderen menschlichen Spielern im Online-Koop gespielt werden. Kommt man diesem Wunsch nach und man findet auch noch ein kompetentes Team, mutiert der hakelige First-Person-Shooter zu einem packenden Kriminalabenteuer.

Dann stört es auch nicht mehr sonderlich, dass es Overkill wagt dem Spieler immer wieder die gleichen Level anzudrehen. So wird ein und dieselbe Bank gleich mehrfach ausgeraubt. Einmal um an Bargeld zu kommen, ein anderes Mal für Gold, mal um die Schließfächer zu knacken und sogar einmal um einfach nur den Tresorraum inklusive millionenschweren Inhalt abzufackeln. Unser durch harte, unehrliche Arbeit zusammengerafftes Geld fließt zwischen den Heists in neue Waffen, Aufsätze oder Maskenmodifikationen.

 

 

Und auch bei der Technik schwächelt Payday 2 ein bisschen. Die Texturen sind selbst auf den höchsten Detailstufen oft sehr simpel und erreichen höchstens ein durchschnittliches Shooter-Niveau. Gleiches gilt für die Animationen, die leider nie sonderlich flüssig wirken und manchmal einfach nur unpassend aussehen. Einzig die Rauch- und Funkeneffekte sind richtig gut gelungen und auch der Soundtrack setzt ein kleines Highlight. Im Großen und Ganzen solider Durchschnitt, aber nichts was einem Core-Gamer die Kinnlade runterfallen lassen würde.

 

Payday 2 ist ein perfektes Spiel für alle, die nach einer neuen taktischen Koop-Herausforderung suchen und auch mal ein bisschen Frust bis zum perfekten Run in Kauf nehmen können. Wer allerdings ein neues Grafik-„WOOOAH“-Erlebnis sucht, sollte vielleicht doch lieber zu einem anderen Spiel greifen. Ich persönlich liebe das Spiel einfach, trotz seiner Schwächen. Nie zuvor war Verbrechen so unterhaltsam!

 

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