Dez 192014
 

Über ein Jahr ist es nun her, dass „The Evil Within“ das erste Mal unter den Radar unserer Horror Redaktion geraten ist. Obwohl objektiv gesehen schon damals zu erkennen war, dass der Survival Horror entgegen der Erwartungen und Ankündigungen keine wundersame Neuheit wird, konnte er bei vielen Genrefans punkten. Welche Versprechungen erfüllt werden konnten und warum Bethesdas Höllenbaby auch Vieles gut gemacht hat, lest ihr in der heutigen Review.

Zunächst eine kurze Auffrischung der Story.
Der Polizist Sebastian Castellanos wird zu einem Einsatz in einer Nervenheilanstalt gerufen, in der sich ein grausamer Massenmord ereignet hat. Während er und seine Kollegen den Tatort untersuchen, wird Sebastian von einem entstellten, verbrannten Mann mit übernatürlichen Kräften konfrontiert und außer Gefecht gesetzt. Als er wieder zu sich kommt, muss er sich erst einmal aus einem Kannibalischen Schlachthaus befreien und einem Jason-Verschnitt mit Kettensäge entkommen.
Als er endlich wieder ans Tageslicht gelangt, muss Sebastian feststellen, dass wohl die Apokalypse in Krimson City eingekehrt ist. Ganz in „2012“-Manier entkommen Sebastian und ein paar wichtige Nebencharakter die Stadt, bevor sie durch ein Erdbeben verwüstet wird.
Was danach folgt, ist nur noch schwer zu ergreifen.

Sebastian findet sich in regelmäßigen Abständen an völlig neuen Orten wieder, die von Zombies „Ruhelosen“ heimgesucht werden und auch sonst nicht mehr dem gewohnten Zustand entsprechen. Selbst die noch Lebenden, denen Sebastian begegnet, verhalten sich merkwürdig und verfallen teilweise einer seltsamen Krankheit, die sie zu Zombies Ruhelosen werden lässt.
Sebastian bleibt jedoch die Ruhe selbst und bahnt sich mit seinen Kollegen Josef und Julie ein Weg durch den Alptraum und am besten direkt aus ihm hinaus.

Der zuvor genannte verbrannte Typ namens Ruvik nimmt dabei die Rolle des aktiven Antagonisten ein und pfuscht hin und wieder ordentlich herum. Er trennt Sebastian von seinen Begleitern und hetzt ihm überdimensionale Monster auf den Hals. Da wäre zum Beispiel ein übergewichtiger unsterblicher Riese mit einem Tresor statt einem Kopf, oder der vierarmigen Laura, die sich über Blutlachen teleportieren kann und das große Verlangen verspürt, Sebastian den Kopf einzustampfen.
Neben der Existenz von Untoten und Monstern (als ob das nicht reichen würde) weist noch eine Vielzahl weiterer Aspekte darauf hin, dass sich Sebastian nicht mehr in der normalen Welt befindet, sondern in einer bizarren Mischung aus vielen verschiedenen Erinnerungen vieler verschiedener Personen. Und ohne das Ende vorwegzunehmen: die Auflösung der Geschichte hat mit einer Matrix-ähnlichen Apparatur zu tun.

Hört sich alles bis auf den Aspekt der surrealen Traumwelt sehr nach einem Resident Evil-Ableger an, oder?
Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass Shinji Mikami der Enwickler des Projekts ist. Das ist die Person, der wir auch Resident Evil zu verdanken haben.
Es gibt also ein paar Parallelen, die dem einen oder anderen Fan ins Augen stechen werden. Das berühmte Herrenhaus wurde zum Beispiel sehr gekonnt zu Ruviks Elternhaus umdisponiert. Die Schulterkamera und das Zielsystem könnte das aus Resident Evil 4 sein. Genauso wie die Munitionsknappheit, die durch die Beständigkeit der Gegner entsteht.
Aber auch Spiele wie Silent Hill und Alone in the Dark scheinen „The Evil Within“ inspiriert zu haben.
Der Tresorkopf erinnert an Pyramid Head. Laura erinnert an Scarlett aus Silent Hill 5.
Trotzdem wirkt weder die Geschichte noch die Umgebung geklaut, sondern gekonnt aus bereits existierenden Elementen neu fusioniert.

Und auch sonst hat „The Evil Within“ in unseren Augen sehr Vieles richtig gemacht.
Es hat größtenteils erfolgreich einen ausgestorbenen Aspekt wieder zum Leben erweckt: die Verwundbarkeit und Hilflosigkeit der Hauptfigur. Früher haben wir uns mit Jill Valentine und ihrer grausamen Steuerung in die Hose gemacht und mit Harry Mason in Silent Hill um die Wette gezittert. Danach kamen Leo S. Kennedy und Chris Redfield und wir begannen bei dieser geballten Testosteronkraft schon an, Mitleid mit den Zombies zu haben.
Aber nun hat Sebastian unser vollstes Mitgefühl. Der Arme hat die Ausdauer eines übergewichtigen Asthmatikers und ist nach wenigen Sekunden bereits erschöpft, seine Nahkampftechnik ist langsam und ungenau und die Zombies Ruhelosen sind oft schnell und geschickt im Ausweichen. Was den Spieler frustet, lässt ihn aber auch Angst vor Sebastians gefährlicher Umwelt haben.

Die verschiedenen Orte des Spiels zählen ebenfalls zu dem Gelungenen.
Jeder Abschnitt von Sebastians Reise zeigt sehr gekonnt eine Mischung aus einer objektiven Erinnerung an Geschehnisse und subjektiven emotionalen Einflüssen von verschiedenen Personen. Sebastians „sicherer Ort“ zum Beispiel ist ein Krankenhaus, zu dem er immer wieder zum Speichern zurückkehrt und durch dessen sich ändernden Elemente er immer mehr von seiner eigenen Vergangenheit erfährt. Durch Tagebucheinträge und Zeitungsartikel wird erzählt, dass seine Tochter tot, seine Frau verschwunden ist und er seitdem nur noch eine Beziehung mit dem Alkohol führt.
Begleitet wird er in dem Krankenhaus von einer Krankenschwester, die durch ihre ruhige, freundliche Art zu ihrem „Patienten“ tatsächlich ein wenig Sicherheit vermittelt.
Im krassen Kontrast dazu stehen alle weiteren Abschnitte des Spiels, die entweder dank viele Gegner viel Action erzeugen oder durch Schleichpassagen wiederum viel Spannung. Erst muss Sebastian sich einfach nur den Weg freischießen und schon kurz danach darf er dank eines hochexplosiven austretenden Gases nicht eine Kugel abfeuern, was durch ein gelungenes Schleichsystem gelöst wird.

„The Evil Within“ sollte laut seinen Entwicklern zu den Wurzeln des Horror Genre zurückkehren. Viele dieser Rückwärtsbewegungen sind erkennbar, jedoch ist das Endergebnis viel Gore- und Gewaltlastiger, als es ein wirklich ursprüngliches Spiel hätte sein müssen.
Jedoch hat man nicht halb so viel Spaß, wenn man sich auf Versprechungen festsetzt und dabei vergisst, das Spielerlebnis zu genießen.
Die Atmosphäre ist trotz aller Makel überwältigend und „The Evil Within“ schafft es, den Spieler in seinen Bann zu ziehen.
In unseren Augen einer der besten großen Titel des Jahres.
„The Evil Within“ gibt es seit Oktober für alle Konsolen und auf Steam.

Autor: Johanna R.

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