Jan 302015
 

Vor kurzem hatte ich die Möglichkeit endlich auch einmal das bereits lange erwartete Project Cars der Slightly Mad Studios anspielen und testen zu dürfen. Ich ging mit rießiger Vorfreude an meine Aufgabe, da auch ich zu denen gehöre, die den 25ten März endlich herbeisehnen, an dem das Spiel offiziell released werden soll.

 

Erste Meter – die Qual der Wahl

Im Menü angekommen wirkt alles schon im jetzigen Beta-Zustand aufgeräumt und es funktioniert auch schon (fast) alles. Ich konnte bereits einen kleinen Blick auf den Karrieremodus  und die „Schnellen Rennen“ werfen und ein paar Runden auf verschiedenen Strecken drehen, darunter auch die altehrwürdige Nordschleife, die sich von ihrer besten Seite präsentiert. Aber alles von Anfang an: nachdem ich mir aus dem reichhaltigen Streckenrepertoire Brands Hatch als Grand-Prix-Strecke ausgewählt habe, bekomme ich  zunächst die Möglichkeit die Rennumstände anzupassen. Hier fällt mein Blick gleich auf die Wetterauswahl, da es sowas in vielen Rennspielen sonst nicht gibt. Und die Vielfalt ist gewaltig. Ob man bei sengender Hitze, sintflutartigem Regen, Gewitter oder Nebel seinen Boliden auf die Strecke schicken möchte ist nur ein Teil der zur Verfügung stehenden Optionen. Also einfach mal Regen ausgewählt und ab ins nächste Menü. Dort wartet schon die nächste knifflige Entscheidung, denn die Fahrzeugauswahl erfolgt zwischen dem WhoIsWho der Sport- und Rennwagenwelt. Von Formelautos über Tourenwagen sind auch die windschnittigen Karossen der Langstreckenmeisterschaften und sogar Karts mit von der hitzigen Partie. In den jeweiligen Kategorien sind dann sowohl moderne wie auch klassische Fahrzeuge enthalten. Zwar gibt es noch nicht für jedes der Modelle ein entsprechendes Vorschaubild im Auswahlmenü, dies wird aber noch nachgereicht werden. Und an den bereits vorhandenen Ingame-Screenshots der Wagen, die als Vorschau verwendet werden, zeichnet sich schon die beinahe fotorealistische Grafik des Titels ab.

Das ist nicht etwa eine Fotografie aus dem echten Leben. Nein, DAS ist Project Cars.

 

Präsentation und Grafik: Note 1+

Von ebenjener Grafik ist man regelrecht geblendet sobald der Ladebildschirm sich verabschiedet und den Blick auf wunderbar designte Strecken- und Automodelle freigibt. Denn die veröffentlichten Promovideos und Trailer auf  Youtube entsprechen tatsächlich der Ingame-Grafik der Rennsimulation und die ist folgerichtig ein Feuerwerk an Detailreichtum. Auf beinahe höchsten Einstellungen (ohne Downsampling o.ä.) sehen vor allem die fahrbaren Untersätze schon verdammt gut aus und bieten endlich einen Ausblick darauf, was uns die Next-Gen-Konsolen und der PC in Zukunft bieten können (bei den Konsolen ist allerdings aufgrund der Bombastgrafik eine Framerate von 60 Fps  fraglich). Wenn dann noch der Sound der Motoren brachial einsetzt wie ein Donnergrollen fährt das Rennfahrerherz in den Limiter.  Die Klangkulisse verändert sich auch passend zu den Kameraeinstellungen, die außer den üblichen Verdächtigen á la Motorhauben-, Verfolger- und Stoßstangenperspektive auch noch drei(!) verschiedene Cockpitansichten bietet. Einmal die Standardplatzierung der Kamera quasi auf dem Visier des Fahrers, dann eine über-die-Schulter-Variante und last but not least eine echte Fahrerkamera. Sprich die Kamera ersetzt quasi die Augen des Fahrers und ist im Helm hinter dem Visier platziert. Daraus resultiert ein dumpferes Soundprofil plus einschgeschränkte Sicht und Tunnelblick, wobei sich der Blickwinkel in jeder Kurve passend verändert. Was Slightly Mad da vollbracht hat ist einfach genial. Ich behaupte bis jetzt in keinem Rennspiel einen derartig hohen Realismusgrad sowohl akustisch als auch visuell erlebt zu haben.

Rennwagen aus fast schon vergessenen Zeiten streiten im Regen um die beste Zeit

 

Die Physik und ihre Tücken

Einmal im Rollen wird sich beim ein oder anderen Stirnrunzeln und Verwunderung einstellen. Denn die Fahrphysik ist durchaus gewöhnungsbedürftig, kommt aber besonders bei den PS-Monstern sehr glaubwürdig und realistisch rüber. Mir persönlich ist besonders aufgefallen, dass auch bei trockener Witterung ohne die hundertprozentig richtige Anpassung des Fahrzeugs an die Gegebenheiten der Piste kaum eine ordentliche Rundenzeit zu bewerkstelligen ist. Das hat den Vorteil, dass der Realismusgrad sehr hoch angesiedelt, der Schwierigkeitsgrad aber ebenfalls sehr hochgegriffen ist. Für Spieler, die bei ihren Games bisher das Setup des Wagens getrost übersprungen haben, dürfte das eine große Umstellung sein, die mittelfristig auch in Frustration ausarten kann. Es ist nicht bekannt, ob bis zum Release noch etwas verändert werden, oder zusätzliche Setup- oder Fahrhilfen eingebaut werden sollen.

[youtube id=“fnC8nKt5zjs“]

 

Nachbesserung trotz guter Performance noch erforderlich

Jedoch ist es momentan auch noch für Enthusiasten schwierig ihr Fahrzeug vor allem während des Rennes richtig einzustellen, da manche Menüs schlichtweg noch keine Beschriftung erhalten haben und somit unbrauchbar sind. Das wird aber sicher bis zum 25.03 ausgemärzt sein. Weiterhin sind aber auch noch einige Bugs, über die man nicht wegen des Beta-Status hinwegsehen kann, im Spiel enthalten. So kam es einmal bei den Testfahrten vor, dass das Auto aus heiterem Himmel und ohne Fremdeinwirkung einfach von der Strecke in die Luft und anschließend dachüber in die Begrenzungsmauer geschleudert wurde. Die Rundenzeit war danach natürlich futsch. Jedoch ist zu betonen, dass dies während ca. 10 Rennsessions mit einigen gefahrenen Runden (nur) zweimal vorkam.

Die im Review erwähnte Helmkamera in Aktion.

 

Mein Fazit: Genau das was ich mir so gewünscht habe…

…und jetzt schon ein klarer Kandidat für das beste Spiel des Jahres. Slightly Mad machen einfach alles richtig bis jetzt. Tolles Rennfeeling mit Bombastoptik und-sound, das die Laune am Kilometer machen endlich wieder aufleben lässt. Die Karriere kann dank wählbarem Startpunkt jeden ansprechen. So kann jeder die Fahrzeugklasse als Einstieg wählen die ihm passt. Natürlich steigt die Anforderungskurve mit mehr PS, vor allem dank der Fahrphysik, stetig an. Das wird nicht jeden Casual Gamer freuen, aber endlich wieder auch diejenigen unter uns Ansprechen, die sich ihren Sieg durch tüfteln und testen verdienen wollen. Alles in allem hat Project Cars schon in der jetzigen Phase meine Erwartungen erfüllt und teils sogar übertroffen. Vor allem, wenn die Regentropfen dann auf der Winschutzscheibe der vierrädrigen Schönheit abperlen und der Motor vor dem Start laut aufbrüllt, während man gespannt durch das Rennvisier auf den Vordermann in der Startaufstellung blickt, dessen Wagen genauso wie die Umgebung wie fotografiert dasteht, ist jeder Rennspielfan voll in seinem Element.

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