Mai 282015
 

Die Mauern sind zerstört, die Armee ist zerschlagen. Unter den Trümmern der Türme liegen die unschuldigen Handwerker und Bauern, die einfach Pech gehabt hatten. Die Ohren sind schon ganz taub vom Lärm der einschlagenden Steinbrocken und die Schreie der Soldaten werden nur durch den Kampfschrei der Feinde übertönt. Sie sind gleich da! Der Tod naht! Was habe ich nur falsch gemacht?

Stronghold Crusader ist ein Echtzeit-Strategiespiel von den britischen Entwicklern Firefly Sudios und der Nachfolger von dem bis Dato gefeierten Stronghold. Man schlüpft in die Rolle eines Lords einer Burg in einer Wüste – thematisch angelehnt an die Kreuzzüge. Anfangs hat man nur den Bergfried, ein paar Ressourcen und eine Hand voll Pikeniere und Bogenschützen. Ziel des Spiels ist es eine Burg zu errichten, eine Armee aufzubauen und anschließend die feindlichen Lords, versteckt in ihren eigenen Burgen natürlich, zu besiegen. Stronghold Crusader lebt von den drei Dimensionen, die man verwalten muss: Burgbau, Wirtschaft und Kampf. Dabei sind alle fest miteinander verwoben. Zuerst braucht man Ressourcen um Gebäude und Waffen bauen zu können. Dafür braucht man allerdings erst einmal Arbeitskräfte, die in die Burg einziehen. Damit sie dort auch bleiben muss man stets auf seine Beliebtheit achten. Fällt diese unter  50  fangen die Bewohner an das Weite zu suchen und legt die Wirtschaft lahm. Beliebtheit kann man vor allem durch das Versorgen der Bürger mit Nahrung, Religion und Geldgeschenken erlangen. Läuft die Wirtschaft, so kann man neben Nahrung auch Steine und Eisen produzieren, die man entweder Verkaufen oder Weiterverarbeiten kann, beispielsweise zu Armbrüsten, Mauern oder Gebäude. Das mag kompliziert klingen, ist es aber im Grunde nicht.
Läuft die Wirtschaft einmal kann man sich durch Mauern, Türmen, Burggräben, uvm. seine Burg frei Aufbauen. Anschließend, oder parallel, wird eine Armee aufgebaut, die nicht nur defensiv verwendet werden kann. Durch den Bau von Katapulten, Ballisten und anderen Belagerungsgeräten wird die Armee noch einmal um einiges Aufgewertet. Anschließend kann man Angriffe starten, das dauert meistens nicht lange, je nachdem wie viel Druck man ausüben möchte. Dabei steht einem wieder eine taktische Palette zur Verfügung. Greife ich zuerst seine Wirtschaft an, oder versuche ich gleich den Kern seiner Burg zu zerstören? Soll ich vielleicht ein paar Meuchelmörder die Mauern erklimmen lassen, oder die Burg anzünden und dann zuschlagen? Diese und noch viele weitere Fragen stellt man sich als Feldherr bei Stronghold.

Die Einheiten unterscheiden sich zwischen Arabern und Europäern. Die Araber kosten nur Geld, die Europäer hingegen kosten Geld und die benötigten Waffen müssen in der Waffenkammer vorhanden sein. Natürlich gibt es auch unterschiedliche Klassen. Wo man bei den Arabern berittene Bogenschützen vorfindet, gibt es bei den Europäern beispielsweise berittene Kreuzritter.
Eine lineare Story gibt es, wie im Vorgänger der Fall, nicht. Man kämpft sich entweder einem Kreuzzug entlang, wobei man gegen nicht zusammenhängende Gegner mit steigendem Schwierigkeitsgrad antritt, oder man erledigt Szenarien.

Stronghold Crusader wurde am 18. September 2002 veröffentlicht. Trotz einer HD-Auflage ist die Grafik veraltet. Trotz dessen sieht es ansehnlich aus. Die Wüste ist simpel, aber stimmig dargestellt. Die prächtige Vegetation und liebevoll animierten Figuren bringen leben in die Burg und die orientalische Musik ergänzt die Szene perfekt. Die veraltete Technik macht das Spiel durch ein immer noch motivierendes Gameplay wett.

Warum ist dieses, fast 13 Jahre alte Stronghold Crusader immer noch Spielens wert? Es motiviert. Stronghold 1 hat bei den Spielern Bedürfnisse nach einem ernsthaften Burgbau Spiel geweckt und Stronghold Crusader gibt ihnen genau das. Man kann sich im Vergleich zu seinem Vorgänger seine Gegner selbstständig Auswählen und neben den üblichen Verdächtigen, sind noch eine gewaltige Palette weiterer Gegner hinzugekommen. Jeder von ihnen hat eine eigene Taktik, jeder verwendet nur bestimmte Einheiten und baut seine Burg so, wie es für ihn typisch ist. Das erhöht den wiederspielwert und durch das freie Bauen der Burgen ermöglicht es dem Spieler ein vollkommenes System nach eigenen Wünschen zu schaffen. Ich habe mich schon öfters ertappt, wie ich einfach, obwohl ich es konnte, meinen Gegner nicht besiegt habe, um noch ein bisschen meine fleißigen Handwerker bei der Arbeit zu beobachten.

Pro:

+ freies Burgenbauen
+ kreative Freiheit
+ fest verwobenes System aus Wirtschaft, Kampf und Burgaufbau
+ interessantes Beliebtheit System (gerechter oder grausamer Herrscher)
+ glaubwürdige Atmosphäre
+ abwechslungsreiche Kämpfe

Contra:

– kein Tag & Nacht Wechsel
– Multiplayer trotz Überarbeitung nicht verbessert
– keine Formationen möglich
– teilweise Wegfindungsprobleme

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