Mai 252016
 

Eigentlich wollte sich Nathan Drake nach seinem letzten Abenteuer in der Wüste auf der Suche nach dem sagenumwobenen Schatz des El-Dorado-Sakrophags zurückziehen, in Ruhestand gehen und ein gemütliches Leben mit seiner frisch verheirateten Frau Elena genießen. Das klappt auch sehr gut, bis sein bis dahin totgeglaubter Bruder Sam auftaucht, und ihn bittet, ihm auf der Suche nach dem 400 Millionen Dollar Schatz von Henry Avery zu begleiten. Und Schwupps, ist Nate zurück im Geschäft…

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Uncharted 4 liefert ähnlich wie seine Vorgänger ein Storyboard, welches man eher einem für den Oscar nominierten Actionfilm aus Hollywood zuordnen könnte, als einem gewöhnlichem Videospiel. Neben Nathan Drake spielt, sein Bruder Sam der im vierten Teil des Action-Adventures sein Debüt feiert, die wichtigste Rolle. Alt bekannte Charaktere, wie Nate´s „Ziehvater“ Victor Sullivan, dürfen natürlich nicht fehlen und begleiten Nathan über die meiste Zeit des Spiels. Bezogen auf die reine Story, die im Vergleich zu den Vorgängern noch deutlich mehr Überraschungen und Wendungen bereithält, verbietet es sich aber weitere Infos preiszugeben. Jeder Spieler sollte das für sich selbst erleben!

Schon Uncharted 1-3 zeigte uns, damals noch auf der Playstation 3, was für man für eine unglaubliche Grafik aus der Konsole herauskitzeln kann. Was „Naughty Dog“ aber mit seinem jetzigen Ableger geleistet hat, setzt dem Ganzen die Krone auf. Vom mediterranen Flair in Italien, über die nasskalten, düsteren Hochburgen Schottlands, hinunter in den tropischen Dschungel von Madagaskar. Wer Uncharted spielt, durchquert Landschaften, die man sonst für gewöhnlich  nur auf Postkarten findet, Eine schöner und atemberaubender als die Andere. Obendrein sind es vor allem bestimmte Details, wie das abwechselnde Spiel von Licht und Schatten oder beim Schleichen durchs hohe Gras, welche ein besonderes Spielerlebnis vermitteln.

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Hinsichtlich des Gameplays gibt es auf den ersten Blick erstmal wenig Neuerungen. Der altbewährte Mix aus Klettern, Rätseln und dem Angriff von Gegnerwellen ist auch in Uncharted 4 weitestgehend vorhanden. Allerdings erfordern einige Kletterpassagen und Rätsel keinerlei geistiger Anstrengung seitens des Spielers, um diese erfolgreich zu meistern. Die herausstehenden Felskanten oder Holzbalken sind meistens schon von weitem erkennbar und recht leicht zu erklimmen. Ausgeglichen wird dieses Defizit durch eine erhöhte Aktivität seitens der Umwelt von Nathan, die sehr stark interagiert. Abbrechende Fenstersimse, das Knacksen von morschem Holz oder in sich komplett einstürzende Häuser, wirken sehr authentisch und lösen im Spieler auch ein gewisses Adrenalingefühl aus. Trotzdem dürfte die enorm lineare Spielweise den Ein oder Anderen erfahrenen Uncharted-Spieler nach einer Weile etwas auf die Nerven gehen.

Man gewöhnt sich sehr schnell an die Abläufe und weiß schon vorher, wo es wie lang gehen muss und welcher Pfad zum Ziel führt. Des Weiteren sind auch die Schätze, die im vierten Teil wieder zahlreich versteckt sind, manchmal doch schon sehr offensichtlich zu finden. Dazu man muss festhalten, dass dieses Konzept in den vorherigen Teilen so gut funktioniert hat, dass „Naughty Dog“ auch überhaupt keinen Anlass hatte, daran etwas zu verändern. Never change a running system – in diesem Sinne.

 

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Gadgets, wie das Seil oder der Stöckelhaken, sorgen aber zugleich für eine sinnvolle und vor allem angenehme Neuerung. Man hat als Spieler einerseits mehr Bewegungsmöglichkeiten, wie etwas Abwechslung, anderseits ist man aber auch nicht überfordert mit der Anzahl an Hilfsmitteln auf dem Bildschirm, was zum Beispiel bei der Batman-Reihe negativ anzumerken war.

Was besonders die Entdecker und „Herumsucher“ begeistern dürfte ist die Tatsache, dass nun deutlich mehr Interaktionen im Spiel selbst möglich sind, sei es mit herumliegenden Gegenständen bei der Erkundung einer Höhle oder das Gespräch mit anderen Charakteren. Vor allem in Bezug auf den Dialog mit anderen Charakteren und den daraus entstehenden unterschiedlichen Reaktionen des Gegenübers, dürfte „Naughty Dog“ ein Auge auf „Heavy Rain“ geworfen haben, welches ebenfalls aus dem Hause Sony stammt.

Neben der spannenden Einzelkampagne, kann natürlich auch im Multiplayer (nur online) gezockt werden. Die Maps des klassischen Team-Deathmatch-Modus und der anderen Modi, wie Eroberung oder Verteidigung, orientieren sich dabei auf Schauplätze, die man während der Kampagne durchschreitet und deshalb bekannt sind. Trotz zahlreicher Verbesserungen wird der Multiplayer natürlich niemals an ein „Battlefield“ oder „Call of Duty“ mit Klassenentwürfen, Abschussserien etc. herankommen. Das ist aber auch nicht der Anspruch und die Absicht von Uncharted!

Zusammenfassend kann man mit hoher Sicherheit feststellen, dass Uncharted 4 so gut wie alle Erwartungen erfüllt bzw. sogar übertrifft. Dank gut dosierter Erneuerungen ist es ein Spiel mit altbewährten Stärken, gespickt mit neuen frischen Ideen. Jede Minute der ca. 35-40 Stunden Spieldauer ist ein Hochgenuss für alle Action-Adventure-Fans und deshalb völlig zurecht bereits jetzt das Spiel des Jahres in diesem Genre!

 

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