Nov 152013
 

 

Ein genialer Titel für einen Horror-Freitag ist definitiv Amnesia – A Machine for Pigs, der zweite Teil der Amnesia-Reihe von Frictional Games, dieses Mal unter Mitarbeit von The Chinese Room.

Dieser Teil der Reihe spielt am 31. Dezember 1899 in England– also die letzte Nacht des 19. Jahrhunderts. In typischer Amnesia-Manier spielt man Oliver Mandus; einen Mann, der in seinem Anwesen aufwacht und sich an kaum etwas erinnern kann.

Man weiß nur, dass er der Vater von zwei Söhnen ist. Auf der Suche nach ihnen fängt er langsam an, sich wieder zu erinnern, und deckt dabei so einige Geheimnisse auf, die der gute Mandus wohl vergessen wollte oder sogar sollte. Eine riesige Maschine befindet sich unterhalb seines Anwesens, in der irgendwo seine Kinder herumtollen. Dabei wird man von vielen Hinweisen, Notizen und einer mysteriösen Stimme geleitet, von der man noch nicht weiß, ob sie zu einem Freund oder einem Feind gehört. Es erwartet euch eine spannende und packende Story, die euch schnell in den Bann zieht und nicht mehr so einfach loslässt.

Grafisch ist das Spiel recht gut gemacht, wenn auch nichts Besonderes, doch braucht man das auch gar nicht. Das Wichtigste sind die Schatten, die clever eingesetzt worden sind, um dem Spieler auch bloß nicht zu viel Sicht zu gönnen.  Über die Monster lässt sich hingegen streiten: sie sind auf ihre Weise bizarr, eine grafische Wucht jedoch nicht. Die Animationen wirken steif und teilweise sogar etwas buggy.

Was jedoch hervorsticht ist der grandiose Soundtrack. Jessica Curry, die bereits Dear Esther mit Soundtrack versorgt hat, hat eine überragende Leistung hingelegt. Die Songs und Geräusche sind der Hammer, die Synchronisation der Figuren atemberaubend. Dadurch wird das Spiel unheimlich authentisch. Für ein Indie-Game eine durchaus unerwartete  gute Vertonung, die die Atmosphäre erst so richtig aufbaut und dem Spieler viele Gänsehaut-Momente schenkt.

A Machine for Pigs ist ein eigenständiges Spiel und keine Weiterführung von The Dark Descent – einem der Horror-Klassiker schlechthin der letzten Jahre, doch kommt man nicht drum herum, es mit dem ersten zu vergleichen. Vor allem bei der Steuerung hat es einige Abstriche machen müssen: Es gibt kein Inventar mehr, wodurch nichts kombiniert werden kann, sodass Rätsel schnell plump und kreativlos wirken. Mehr als Gegenstände von einem Ort zum nächsten zu tragen, macht man nicht, um ein Rätsel zu knacken. Genauso können kaum andere Gegenstände, die nicht essentiell für das Weiterkommen sind, aufgehoben und untersucht werden. Und wer auf Jumpscares und Wettrennen mit Monstern steht, wird hier wohl nicht zufrieden gestellt werden, da die einzelnen Schreckmomente rar gesät worden sind.

Doch bietet A Machine for Pigs von der Spielstimmung etwas anderes, sofern man sich darauf einlässt. Der Schwerpunkt liegt auf den Geschehnissen, die Mandus und seinen Kindern wiederfahren sind statt auf dem Adrenalin, das hoch kommt, wenn man schnellstmöglich vor Monstern weglaufen muss.

Und genau deshalb hat A Machine for Pigs einen hohen Wiederspielwert: die komplette Geschichte wird nicht verraten, sondern man macht sich selbst Gedanken über das Ende und wie dieses zustande gekommen ist. Beim zweiten Mal kann man sich eine neue Theorie bilden, kann man spüren, wie sich die Knoten im Hinterkopf langsam lösen. Einig kann man sich nur über den Wow-Effekt sein, der einen überkommt, sobald die Credits anfangen zu laufen.

A Machine for Pigs ist also ein Spiel, was zum Nachdenken anregt, und somit nichts für Splatter-Freunde, da von Monstern kaum etwas zu sehen ist. Wer jedoch auf eine tiefgründige Story und viel Gänsehaut steht, wird hier fündig. Der ca. 8-10 stündige Spielspaß kostet gerade mal 16€ bei Steam und bietet dafür ein Horrorerlebnis der Extraklasse für den Grusel-Freitag 😉

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