Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen e.V. Regionalsektion Arnstadt

Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen e.V. Regionalsektion Arnstadt

Kleine Blumen mit großen Fans

Die wichtigsten Informationen zum Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen e.V. Regionalsektion Arnstadt auf einen Blick:

Weitere Akteure, welche dem Verein bekannt sind:

Forstamt Thüringen

NABU Kreisverband Ilm-Kreis

NATURA 2000-Station Gotha/Ilm-Kreis

Stadt Ilmenau / Landkreis Ilm-Kreis

Untere Naturschutzbehörde des Ilm-Kreises (UNB)

Neben dem Grün, Lila, Weiß und Gelb der sprießenden Frühjahrsblüher finden sich an manchen Stellen im Ilm-Kreis auch die heimischen Orchideen auf. Eine Vielzahl dieser sensiblen Pflanzenarten sind leider mittlerweile als stark gefährdet erklärt worden und bedürfen einer ständigen Umsorgung. Dies ruft den Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) Thüringen e.V. auf den Plan. Ihnen geht es um den Schutz von Lebensräumen, nicht um die Erhaltung einzelner Pflanzen, wie ein häufiges Missverständnis verlauten lässt. 

© Analena Stäbler / Inga Kühn

Um einen ersten Eindruck zu erlangen, klärt Volker Kögler von der Regionalsektion Arnstadt für euch ein paar Fragen im Video auf:

Abenteuer im Unterholz

Zusammen mit Herrn Kögler vom AHO haben wir uns Ende April 2021 über den Verein selbst unterhalten, den Wert der Artenvielfalt besprochen und Punkte identifiziert, wie jede Person naturnah leben kann. Außerdem haben wir uns auf der Suche nach den empfindlichen Blumen vorsichtig durch das Unterholz eines der drei besuchten Schutzgebiete geschlängelt und eine Vielzahl der mittlerweile stark gefährdeten Pflanzen erspäht. 

 

Rund um die Schutzgebiete ist stets ein Zaun der AHO aufgebaut. Zum Schutz der sensiblen Vegetation werden so unaufmerksame Besucher vom Betreten der Gebiete abgehalten. Der Anblick allein ist jedoch schon bezaubernd und mit dem beeindruckend bunten Waldsaum zusammen eine wahre Augenweide.

Blasses Knabenkraut © Inga Kühn / Analena Stäbler

 

 

Das unauffällige hellgelb vom Blassen Knabenkraut stand bereits in Blüte, wohingegen nur die Blattrosetten der Grünen Hohlzunge und des Stattlichen Knabenkrautes zu sehen waren. Wie Herr Kögler treffend sagte: “Am schönsten ist es natürlich, wenn es blüht.”

Blattrosetten © Analena Stäbler / Inga Kühn

Aber auch ohne die Blüten kann man die Orchideen entdecken, wenn man nur aufmerksam ist. “Wenn man sich damit beschäftigt, findet man sie.”, meint Herr Kögler, aber dabei muss man sich sehr bedacht bewegen um keinen der kleinen Vertreter unter den Schuhen zu zermahlen.

Nach kurzer Zeit konnten wir als Laien ebenfalls die heimischen Orchideen von all der Pracht der Frühblüher unterscheiden. Es erfordert zwar etwas Übung die kurios benannten Arten zu entdecken, lohnt sich aber, wenn man realisiert, welche Kostbarkeiten die Natur beherbergt.

Was macht der AHO?

Die ehrenamtliche Arbeit des AHO teilt sich auf in Bildungsarbeit, der Beobachtung/Betreuung der Schutzgebiete und Stellungnahmen auf. 

Zur Bildungsarbeit gehören beispielsweise die Exkursionen, Präsentationen und bundesweiten Absprachen zur Orchidee des Jahres. 2021 hat dabei das stark durch den Klimawandel beeinträchtigte Kriechende Netzblatt den Ehrenplatz erhalten.

Die Flächenbetreuung zieht sich vom Ankauf der Flächen – meist unbrauchbare Kiefernwälder – bis zur modernen Umsetzung der bäuerlichen Niederwaldwirtschaft. Das bedeutet, die alten Kiefern werden mit jungen Eichen getauscht, durch die konstant niedrig zu haltenden Laubbäume wird der Waldboden für die Orchideen attraktiver und sie siedeln über einige Jahre hinweg dorthin um. Im Herbst werden Einsätze geplant und die Bereiche gemäht. Alle 2-3 Jahre wird auch der Grasfilz entfernt. Die einzelnen Orchideen werden teilweise auch mit Markierungen versehen, um sie leichter in ihrer Entwicklung verfolgen zu können. 

Herr Kögler ist trotz des Aufwands und der stetigen Überwachung dennoch der Meinung, dass die Schafbeweidung, wie sie historisch in diesen Gebieten üblich war, eine besser Option wäre. Soweit ist Herr Kögler aber mit den Ergebnissen zufrieden. Bei der Aufnahme des Gebietes Tännreisig in den 1980er Jahren gab es nur eine Handvoll Exemplare, meinte er, in den besten Jahren um 1997 herum gab es wohl schon rund 400 Pflanzen. Trotz gleichbleibender Pflege ist die Zahl jedoch stark schwankend. Der Klimawandel, hungrige Dachse und auch der starke Frost machen der AHO einen Strich durch die Rechnung. Zur Entwicklungsverfolgung und Entdeckung neuer Lebensräume werden auch Kartierungsexkursionen gemacht. Die daraus erfolgten Karten und Daten werden in einer Datenbank gesammelt und kommen auch beim letzten Punkt, den Stellungsnahmen, zum Einsatz.

“Als anerkannter Naturschutzverband wird der AHO bei Eingriffen zur Natur und Landschaft einbezogen.”, sagt Herr Kögler. Dann werden die Pläne für den Eingriff mit den Angaben in der Datenbank abgeglichen und eine Bewertung des Vorhabens mit Bezug auf die Vereinbarkeit mit den wertvollen und besonderen Lebensräume abgegeben.Dies kann dazu führen, dass ein Projekt gekippt wird. Einer dieser Prozesse verfolgt Volker Kögler schon seit über 20 Jahren. Schon drei volle Ordner stehen zur Idee eines kleinen Golfplatzes auf einer Bergwiese in Oberhof bei ihm zu Hause. Für ihn ist dies unbegreiflich, denn die fragliche Wiese ist Heimat für tausende Exemplare schützenswerter Pflanzen und wurde von allen hinzugezogenen Experten einheitlich als prioritär schützenswert eingeordnet. Dennoch wurde der Prozess immer noch nicht eingestellt. Trotz des großen Zeitaufwands, der auch viel Energie des Vereins bindet, will Herr Kögler sich weiter für die “wohl wertvollste Bergwiese in ganz Thüringen” einsetzen.

Gewaltige Hürden

In der Arbeit zum Arten- und Biotopschutz der AHO findet sich eine Vielzahl an Hindernissen. Zusätzlich zum fluktuierenden Verhalten der zu schützenden Vegetation, erschwert der fortschreitende Klimawandel die Arbeit und gefährdet stetig weitere Arten. 

Der Verein hat derzeit auch große Nachwuchssorgen. Thüringenweit zählt der AHO nur 250 Mitglieder. „Für einen Verein, der sehr stark in der Fläche arbeitet, also wie wir hier, sind das eigentlich zu wenig. Es sind viel zu wenig!“ Hinzu kommt das hohe Durchschnittsalter der Mitglieder. Mit 64-65 Jahren ist deutlich, dass nicht genügend neue Mitglieder nachrücken. So lässt sich die anfallende Arbeit schwerer leisten. Traurig berichtet Herr Kögler auch von vielen Aktionen zum Anwerben neuer ehrenamtlicher Mitglieder, welche reaktionsarm blieben. Es gilt nun immer stärker auch die jüngeren Generationen anzusprechen und für den Artenschutz zu begeistern, wenn die heimischen Orchideen nicht verschwinden sollen.

Eine weitere Hürde sieht Herr Kögler in der gesamten Gesellschaft. Nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Politik muss “anfangen zu begreifen, dass wir bescheidener werden müssen. Es kann nicht weiter gehen, dass das Wirtschaftswachstum wächst und die Lebensqualität wächst – wobei, Lebensqualität wächst ja nur für einen kleinen Teil der Erdbevölkerung […]. Wir müssten uns bewusst machen, wenn wir insgesamt gerechter leben wollen und auch naturverträglicher, müssen wir von den Ansprüchen, die wir bisher hatten auch Abstriche machen”.

Zuletzt werden auch Biotope meist nicht mehr so bewirtschaftet, wie es die Flora verlangt. Die historische Schafbeweidung, welche so vorteilhaft für die kleinen Pflanzen war, rentiert sich nicht mehr mit der modernen Landwirtschaft. Zwar wird so heutzutage so viel produziert wie möglich, jedoch ist dies auch langfristig problematisch, so Herr Kögler. “Die Artenvielfalt ist die Voraussetzung für unser eigenes Leben”, meint er. Dies macht deutlich, warum Artenschützer so wichtig sind.

Was kann ich tun?

Es ist offensichtlich, dass der AHO dringenden Nachwuchs benötigt, wenn die heimischen Orchideen auch langfristig überleben sollen. Eine Möglichkeit zum Aktiv-Werden beinhaltet so das ehrenamtliche Mitarbeiten beim AHO zum direkten Artenschutz. Durch die geringen Mitarbeiterzahlen wird jedes neue Gesicht gerne aufgenommen!

 

 

Wenn ihr noch mehr Informationen zu den heimischen Orchideen erhalten wollt, dann schnappt euch die Bestimmungshilfe und geht selbst einmal auf die Suche! Solange ihr bei deren Lebensräumen die Augen offen haltet, findet ihr garantiert ein paar dieser versteckten Schätze. Seid jedoch besonders vorsichtig keine Pflanze zu beschädigen und deren Biotop zu achten!

© Inga Kühn / Analena Stäbler

Für den Alltag empfiehlt Herr Kögler jedoch schon einmal sich mit seinem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen. Es ist wichtig sich damit zu beschäftigen, wie naturnah und klimafreundlich man selbst leben kann. Dazu gehören Fragen wie: Wie gestalte ich den eigenen Garten? Muss ich wirklich  schon Rasenmähen? Kann ich meinen Rasen nicht einfach stehen lassen? Denn Naturschutz fängt schon vor der eigenen Haustür an!

Ihr möchtet Kontakt zum Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen e.V. Regionalsektion Arnstadt aufnehmen?
Dann geht es hier entlang:

 

AHO Thüringen e.V. RS Arnstadt 

Volker Kögler

Prof.-Jorns-Straße 18

99310 Arnstadt

Tel./Fax: 03628 76697

E-Mail: volker.koegler@t-online.de

(Stand 03.05.2021 Quelle: https://aho-thueringen.de/kontakt/ )

 

Weitere Informationen über den Arbeitskreis Heimische Orchideen Thüringen e.V. findet ihr hier:

 
Erstellt von G1 – Zuletzt bearbeitet am: 31.05.2021 11:22 Uhr